Beim Führungswechsel sollen Arbeitsplätze und Know-How im Freistaat bleiben

Dresden – Wenn an der Führungsspitze Sächsischer Unternehmen ein Wechsel ansteht, dann hat der Freistaat ein großes Interesse Know-How und Arbeitsplätze in Sachsen zu halten. Dazu hat das Wirtschaftsministerium am Donnerstag neue Untersuchungsergebnisse vorgestellt.

72 Prozent aller Unternehmer haben bisher keine konkrete Nachfolgeregelung getroffen. Dies geht aus der Umfrage unter Geschäftsführern und Inhabern aus 2.764 Unternehmen hervor.

In Sachsen müssen jedes Jahr mehr als 1.000 Unternehmen eine Nachfolgelösung organisieren. Oft vergehen bei einer geplanten Übergabe Jahre, um eine Lösung für die Beteiligten zu finden. Aufgrund der Komplexität sollten sich daher Unternehmer frühzeitig mit dem Thema befassen. Die Notfallplanung sei ein ebenso wichtiges Thema, hinsichtlich Ausfälle und Erbverträge, sowie die Verantwortung gegenüber Kunden und Mitarbeitern.
Die Umfrage ergab weiterhin dass 20 Prozent der befragten Unternehmen die Schließung des Betriebes planen. Dies würde einen Ausfall sehr vieler Arbeitsplätze bedeuten.

Die größten Herausforderungen bei der Übergabe sind das Finden eines Nachfolgers, die Vertragsgestaltung sowie die Sicherung der Altersvorsorge. Besonders stark von Nachfolgethemen betroffen sind die Dienstleistungsbranche, der Handel und das Handwerk. Nur die Hälfte der Befragten hat Notfall-Regelungen getroffen.

Kristian Kirpal, Präsident der IHK zu Leipzig im Namen der Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern im Freistaat Sachsen appelliert an die Unternehmen: „Eine erfolgreiche Übergabe ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf. Oft vergehen Jahre, um eine Lösung für die Beteiligten zu finden – unabhängig von der Form der Übergabe. Unternehmerinnen wie Unternehmer müssen sich aufgrund der Komplexität langfristig mit dem Thema befassen und zugleich auch an eine Notfallplanung denken.“

Leipzigs Handwerkskammerpräsident Claus Gröhn rät Betriebsinhabern beim Generationswechsel rechtzeitig auf das Know-how und die Unterstützung von Kammern und Verbänden zurückzugreifen: „Erfahrene Nachfolgeexperten bieten für den gesamten Übergabeprozess umfangreiche Unterstützung – sowohl für Übergeber als auch für potenzielle Nachfolger. Die Berater kennen die Unternehmer und Betriebe zudem meist gut und können deshalb die passende Vermittlung optimal vorbereiten und sicherstellen, dass Firma und Arbeitsplätze erhalten bleiben.“

Hans-Joachim Kraatz, Präsident des Landesverbandes der Freien Berufe Sachsen (LFB) kennt das Problem aus seiner langjährigen Praxis als Wirtschaftsprüfer und Steuerberater: „Jeder Unternehmer muss sich ab einem gewissen Alter bewusst und intensiv mit der Unternehmensübergabe befassen, auch wenn es im alltäglichen Umgang mit Kunden, Lieferanten, Projekten und Mitarbeitern oftmals schwierig ist, hierfür die Zeit zu finden. Die größte Hürde ist häufig die Abgabe von Verantwortung und Entscheidungsvollmachten. Hier sind gute Berater gefragt, die diesen Vorgang nicht nur rechtlich, betriebswirtschaftlich und steuerlich, sondern auch psychologisch begleiten.“

Die Umfrage mit den detaillierten Ergebnissen ist online aufrufbar.