Berufsorientierung soll individueller werden

Dresden - Den richtigen Beruf zu finden, das kann für Schüler zu einer großen Herausforderung werden. Unzählige Möglichkeiten eröffnen sich den Jugendlichen. Einen Überblick zu erhalten fällt oft schwer. Das sächsische Kultusministerium will daher die Berufliche Orientierung stärker fördern. Die Pläne wurden am Montag in Dresden vorgestellt.

Bei der Beruflichen Orientierung für Schüler will sich das sächsische Kultusministerium stärker an Gymnasien richten. Hier ist eine frühzeitige, individuelle und praxisnahe Förderung wichtig, betonte Kultusminister Christian Piwarz (CDU). So sollen berufliche Neigungen und Fähigkeiten der Schüler ermittelt werden und bei der Wahl eines Ausbildungsberufes oder Studienganges helfen. An acht Gymnasien im Freistaat wird bereits der Grundkurs "Auf dem Weg ins Berufsleben" unterrichtet. Hier werden die konkreten Anforderungen an die verschiedenen Berufsbilder oder Studiengänge individuell vermittelt, das Angebot soll ausgeweitet werden. Ziel des Ministeriums ist es, das Thema Berufsorientierung mit Blick auf den Fachkräftemangel und die steigende Zahl der Berufsabbrecher in den Lehrplänen zu verankern.

© Sachsen Fernsehen
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Durch "SCHAU REIN - Die Woche der offenen Unternehmen" oder "Komm auf Tour - meine Stärken, meine Schwächen" sowie Pflichtpraktika werden Jugendliche bereits an das Berufsleben herangeführt und haben die Möglichkeit sich selbst auszuprobieren. Daneben bieten Berufsberater an Oberschulen sowie Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit den Schülern Orientierungshilfen. Der Freistaat Sachsen wird bei seiner Arbeit durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt. Bis 2020 sollen Fördermittel aus dem Berufsorientierungsprogramm in Höhe von rund 12,7 Millionen Euro für Maßnahmen der Berufsorientierung bereitgestellt werden.

Praxisberater an Oberschulen

Die Praxisberater begleiten alle Schüler der Klassenstufen 7 und 8 auf der Grundlage individuell erstellter Entwicklungspläne. Dafür ist die Potenzialanalyse eine wichtige Grundlage. Bei dem Verfahren werden bei Schülern der Klassenstufe 7 die Ausgangslagen sowie der Stand der Kompetenzentwicklung ermittelt. Die Analyse wird mit Hilfe von Gruppen- und Einzelaufgaben erstellt. Die Praxisberater unterstützen die Oberschulen als Vollzeitkraft, sind für Schüler auch in den Ferien erreichbar. Dabei erhalten die Jugendlichen einen vertieften Einblick in die Berufs- und Arbeitswelt. Des Weiteren werden Ergänzungsangebote für die individuelle Unterstützung organisiert. Das Projekt wird von der Bundesagentur für Arbeit und dem Europäischen Sozialfonds gefördert.

Unterstützung durch die Arbeitsagentur

Mit dem "Boys'Day" oder "Girls'Day" setzt die Bundesagentur bereits früh bei der Berufsorientierung an. An einem speziellen Tag im Jahr sollen 5. Klässler Rollenklischees aufbrechen. Mädchen informieren sich in Unternehmen zu typischen Männerberufen, wie Mechatroniker, Arzt oder auch Pilot. Jungs begegnen Frauenberufen zum Beispiel in der Altenplege, Kindergarten oder Verkaufssektor. Die Berufsberater der Bundesagentur für Arbeit beginnen im Unterricht der Klassenstufe 7. Hier geben die Mitarbeiter einen Überblick zu den verschiedensten Berufstypen. Dabei legen die Berufsberater gerne auch regionale Schwerpunkte - führen also Berufe, die in der Region Dresden oder in Sachsen wichtig sind, näher aus. Danach wirkt die Arbeitsagentur aktiv am Berufsfindungsprozess mit. Für Schüler, die noch keine Wahl getroffen haben, werden spezielle Test angeboten. Damit können die Jugendlichen frühzeitig ihren Traumberuf oder ihr Traumstudium finden.

Schülerfirmen zur Orientierung

Auch Schülerfirmen helfen bei der Berufsorientierung. Durch die Organisation von speziellen Messen bieten sie Unternehmen, aber auch Schülern direkte Begegnungspunkte. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist es für Firmen wichtig, frühzeitig für Nachwuchs zu werben. Dabei brechen viele Schüler Studium und Lehre jedoch vorzeitig ab. In Schülerfirmen können Kinder und Jugendliche frühzeitig herausfinden, welche Berufs- und Arbeitsfelder in Frage kommen. Darüberhinaus bieten die Schülerfirmen Möglichkeiten, den Wunschberuf innerhalb eines Unternehmens zu finden. Die Schüler organisieren sich dabei selbst - bestimmen Geschäftsführer, Pressesprecher oder Marketingchefs. Neben abteilungsfachlichem Wissen eignen sich die Mädchen und Jungen außerdem viele soziale und personale Kompetenzen an, die ihnen in Schule, Ausbildung und Beruf helfen: eigenverantwortlich planen und handeln, managen, teamorientiert kommunizieren und arbeiten oder ein Team leiten.