Bevölkerung nimmt auch künftig weiter ab

Die Präsidentin des Statistischen Landesamtes Prof. Dr. Irene Schneider-Böttcher stellteam Freitag die Ergebnisse der neuen Bevölkerungsprognose für den Freistaat Sachsen bis 2020 im Rahmen einer Pressekonferenz vor.

Nach aktuellen Berechnungen des Statistischen Landesamtes setzt sich der Bevölkerungsrückgang in Sachsen weiter fort. Im Jahr 2020 wird die Bevölkerungszahl des Freistaates voraussichtlich 3,9 bis 4,0 Millionen Einwohner betragen. Das werden 257 000 bis 399 000 Einwohner bzw. 6 bis 9,3 Prozent weniger sein als Ende 2005.

Damit werden die bei der vorherigen Prognose vor vier Jahren dargestellten Trends der Bevölkerungsentwicklung bestätigt. Auch wenn der vorausberechnete Bevölkerungsrückgang in der aktuellen Prognose etwas geringer ausfällt, wird sich das Tempo der Alterung weiter fortsetzen.

Den Prognoseberechnungen liegen zwei Annahmen-Szenarien zu Grunde. Diese markieren die Grenzen eines Korridors, in dem sich die Veränderungen vollziehen werden, wenn sich die aktuelle demografische Entwicklung fortsetzt.

Die Berechnungen für das Szenario 2 wurden in zwei Fassungen durchgeführt, um die kurzfristig zur Verfügung gestellten aktuellen Prognoseergebnisse des Statistischen Bundesamtes berücksichtigen zu können. Damit wurde die Einordnung der künftigen regionalen Entwicklung der sächsischen Bevölkerung in den bundesdeutschen Kontext ermöglicht.

Für die Geburtenrate wurde ein Anstieg von 1,3 auf 1,4 Kinder je Frau angenommen. Da aber gleichzeitig die Zahl der potentiellen Mütter sinkt, wird die Zahl der Geburten von derzeit knapp 32 600 auf 29 200 zurückgehen. Dagegen ist trotz steigender Lebenserwartung mit einer weiteren Zunahme der Sterbefälle von derzeit 48 900 auf 51 200 zu rechnen, weil stärker besetzte Jahrgänge in höhere Alter aufrücken. Daraus resultiert ein stetig wachsendes Geburtendefizit. Am Ende des Prognosezeitraumes werden pro Jahr ca. 22 000 mehr Menschen sterben als geboren werden.

Die Entwicklung der Zahl der Zu- und Fortzüge wird vor allem dadurch geprägt, dass sich die Anzahl der Personen im wanderungsaktiven Alter (18 bis unter 30 Jahren) ab 2010 halbiert. Dies ist eine Auswirkung der starken Geburtenrückgänge Anfang bis Mitte der 1990iger Jahre und betrifft Sachsen genauso wie die anderen neuen Bundesländer. Gleichzeitig wird von einem Rückgang der Wegzugshäufigkeiten ausgegangen. Dementsprechend geht die absolute Zahl der Fortzüge aus Sachsen zurück. Während die Zahl der Zuzüge aus den alten Bundesländern auf dem gegenwärtigen Niveau bleibt, reduziert sich die Zahl der Zuzüge aus den neuen Bundesländern auf ein Drittel. Gegenüber dem Ausland wird ein konstanter Wanderungsgewinn erwartet.

Setzen sich diese aktuellen Trends bei den Zu- und Fortzügen fort, führt dies am Ende des Prognosezeitraumes zu einer nahezu ausgeglichenen Wanderungsbilanz für den Freistaat Sachsen. Berücksichtigt man höhere Zuzüge als mögliche Auswirkung des Hochschulpaktes ergeben sind nach 2010 sogar Wanderungsgewinne.

Für den gesamten Prognosezeitraum 2006 bis 2020 ist je nach Berechnungsvariante ein Wanderungssaldo zwischen minus 82 000 und plus 14 000 zu erwarten. Im gleichen Zeitraum ergibt sich ein Geburtendefizit von 271 000 bis 316 000 Personen. Die Wanderungen verlieren damit weitestgehend ihren Einfluss auf die Bevölkerungsbilanz.

Neben dem Rückgang der Einwohnerzahl ist die Alterung der Bevölkerung von zentraler Bedeutung. Dabei hat neben der Entwicklung der Zahl der Geburten, Sterbefälle und Wanderungen vor allem der aktuell bestehenden Altersaufbau der Bevölkerung entscheidenden Einfluss.

Das Durchschnittsalter in Sachsen steigt um etwa 4 Jahre von derzeit 44,7 Jahren auf 48,5 Jahre. Sachsen ist bereits jetzt das Bundesland mit der demografisch ältesten Bevölkerung der Bundesrepublik. Durch die fortgesetzte Alterung der Bevölkerung werden sich die Relationen zwischen Alt und Jung weiter verändern.

Ende 2005 waren 10,2 Prozent der Bevölkerung jünger als 15 Jahre, auf die 65-Jährigen und Älteren entfielen 22,3 Prozent. Während sich der Anteil der Kinder und Jugendlichen bis 2020 geringfügig auf 11,6 Prozent erhöht, wird der Anteil der 65-Jährigen und Älteren auf 28,3 Prozent ansteigen. Die Personen im Erwerbsalter (15 bis unter 65 Jahre) haben 2005 einen Anteil an der Bevölkerung von 67,5 Prozent. Im Jahr 2020 werden nur noch 60,1 Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sein.

Der Bevölkerungsrückgang wird sich auch in den meisten Landkreisen und Kreisfreien Städten widerspiegeln. Lediglich in Dresden und Leipzig sind weitere Zuwächse der Einwohnerzahl von bis zu 7 Prozent zu erwarten. Die anderen Kreisfreien Städte und die Landkreise weisen bis 2020 einen Bevölkerungsrückgang zwischen 0,1 Prozent (Landkreis Meißen) und 28,2 Prozent (Kreisfreie Stadt Hoyerswerda) auf.

Ausführliche Ergebnisse stehen im Internet kostenfrei unter http://www.statistik.sachsen.de/bevProg/ zur Verfügung.