Bilanz des Deutschen Wetterdienstes zum Sommer 2015

Heiß, trocken und sonnig – ein Sommer mit Dürreperiode und “Turbo-Ernte“. +++

Insgesamt war der Sommer 2015 heiß, trocken und sonnig – aber mit großen regionalen Unterschieden. Extreme Trockenheit – vielfach Thema in den Medien – trat vor allem in Südhessen, Nordbayern, Sachsen und Südbrandenburg auf. Im Norden hingegen war es eher feuchter als es dort üblicherweise ist. Diese Unterschiede werden sich auch in den Ernteerträgen wiederspiegeln, die insgesamt im Normalbereich liegen dürften, von Ort zu Ort aber sehr unterschiedlich ausfallen werden. Das berichtet der Deutsche Wetterdienst (DWD) über die Auswirkungen des Wetters auf die Landwirtschaft in Deutschland im Sommer 2015.

 

Fortdauer der Trockenheit im Juni – ausgenommen im äußersten Süden
Der Juni brachte typisches Frühsommerwetter mit einem Wechsel von hochsommerlichen Abschnitten und wiederholten kühlen Phasen. Generell herrschten im Norden eher kühle Luftmassen vor. Hoher Luftdruck führte in den ersten beiden Juniwochen und am Monatsende zu einer Fortdauer der allgemeinen Trockenheit und begünstige die Heuwerbung, während im warmen Süden immer wieder Gewitter mit Starkregen tobten. Über die Monatsmitte hinweg dominierte eine wechselhafte Witterungsphase, die das Niederschlagsdefizit jedoch nicht ausgleichen konnte. Es gab nur kurze Zeitfenster für einen Silageschnitt. Insgesamt ergab sich ein etwas zu warmer, deutlich zu trockener Juni bei ausgeglichener Sonnenscheinbilanz. Die Bodenfeuchtesituation blieb verbreitet angespannt, so dass die Beregnungsanlagen liefen und eine hohe Waldbrandgefahr bestand. Vor allem in der Mitte Deutschlands waren die Bodenfeuchten in der Schicht bis 60 cm Tiefe unter Wintergetreide so niedrig wie noch nie zu dieser Zeit seit 1962. Aufgrund der Wasserknappheit kam das Getreide zügig in die Gelbreife, teils auch in die Notreife. Gegen Monatsende wurde die erste Wintergerste – außer in Norddeutschland – geerntet. Allerdings litten die Kulturen auch unter den trockenen Verhältnissen und zeigten regional Trockenschäden. Grünlanderträge fielen vielerorts gering aus – der anschließende Aufwuchs zum zweiten Schnitt zeigte Probleme. Der Reihenschluss vieler Hackfrüchte verspätete sich. Einzig positiver Effekt der Trockenheit: Der Infektionsdruck durch pilzliche Schaderreger war gering.

 

Ein Juli mit Hitze und Trockenheit in der Mitte und im Süden – Ernte im Akkord
Der Juli war zweigeteilt: In der Mitte und im Süden Deutschlands herrschte oft extreme Hitze, die dort auch neue Rekordwerte brachte. Im Norden waren die Temperaturen etwas erträglicher und es wehte häufig ein starker Wind. Im Gegensatz zum Juni fiel jedoch dieses Mal im Norden deutlich mehr Niederschlag, womit sich die Bodenfeuchtesituation leicht entspannte. Ab Monatsmitte begann endlich auch dort die Wintergerstenernte und zum Monatsende hin teils die Winterrapsernte. Auf Schlägen, welche von Starkregen und Wind betroffen waren, kam es zu Lagerbildung, insbesondere bei Winterroggen. Für Silage- und Heuschnitte boten sich trotzdem immer wieder Zeitfenster an. Für den Rest von Deutschland waren die Abtrocknungsbedingungen fast schon zu gut. Mittel- und Süddeutschland litten weiterhin unter der extremen Trockenheit. Ausgenommen war davon nur der äußerste Süden. Die Bodenfeuchtesituation blieb sehr angespannt. Zügig setzte sich die Wintergerstenernte fort, ab Monatsmitte begann auch die Ernte von Winterraps und teilweise von Winterweizen. Die Abreife des Getreides verlief sehr schnell, aber teils ohne ausreichende Kornbildung. Besonders problematisch war der Wassermangel für den Mais: Trockenschäden traten auf wie eingerollte, teils auch verbrannte Blätter und allgemein nur schwach ausgebildete Pflanzen. Die Trockenheit und die anhaltende Hitze führten zu einigen Waldbränden. Aber auch unwetterartige Schauer und Gewitter mit Sturmböen waren ein Beigeschmack der tropischen Verhältnisse. Deutschlandweit kam es dabei nur zeitweise zur Vermehrung pilzlicher Schaderreger.

 

August mit Wetterextremen – trockenste Böden seit 50 Jahren
Der August begann mit großer Dürre und Rekordhitze, etwa ab Monatsmitte präsentierte er sich wechselhaft mit teils kräftigen Regenfällen – die gelegentlich sogar unwetterartig ausfielen – sowie mit vorübergehendem ergiebigen Dauerregen. Vor allem Norddeutschland war davon wieder betroffen. Lokale Niederschlags- und Gewitterereignisse gab es aber auch in anderen Teilen Deutschlands. Insgesamt war der Monat bei leicht positiver Sonnenscheinbilanz außergewöhnlich warm und die Niederschlagsbilanz nahezu ausgeglichen. Es war der zweitwärmste August seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

 

Infolgedessen stieg die potentielle Verdunstung stark an und die Bodenfeuchte nahm bis Mitte des Monats vor allem in den oberen Bodenschichten stark ab. Waldbrände waren an der Tagesordnung. In Mittel- und Süddeutschland spitzte sich die Trockenheit weiter zu. In Südhessen, Teilen von Nordbayern, Sachsen bis ins südliche Brandenburg war der Boden so trocken wie seit 50 Jahren nicht. Da anschließend flächendeckende Niederschläge ausblieben, entspannte sich die Bodenfeuchtesituation dort nicht überall. Insgesamt brachte aber das meist heiße und trockene Wetter gute Erntebedingungen sowie Möglichkeiten für Silage- und Heuschnitt. Letzte Erntearbeiten von Winterraps wurden am Monatsbeginn abgeschlossen, danach begann verbreitet die Winterweizenernte. In der letzten Monatsdekade fand die neue Winterrapsaussaat statt. Am Monatsende kam Winterraps bereits aus dem Boden. Zudem wurde erster Mais gehäckselt. Lediglich in der zweiten und dritten Monatsdekade unterbrach die vorübergehend unbeständige Witterung – vor allem im Norden – die Ernte und Strohbergung. Außerdem führten die wechselhaften Phasen zu einer Zunahme von Blattkrankheiten bei Zuckerrüben. Verbreitet wurde ein erhöhtes Aufkommen an Feldmäusen beobachtet.

Quelle: Deutscher Wetterdienst

 

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