Biotech-Firma investiert in Zukunftsfeld Personalisierte Medizin

Dresden - Biotype, 1999 von Wilhelm Zörgiebel als erstes Biotech-Startup in Sachsen gegründet, ist erwachsen geworden. Das Unternehmen konnte jetzt seinen 20. Geburtstag feiern. Die Firma investiert derzeit ins Zukunftsfeld der Personalisierten Medizin. Zur Unternehmensgruppe zählen inzwischen Biotype, qualitype und ROTOP. Die Firmen wollen 20 Millionen Euro in die Entwicklung und Herstellung neuer Produkte für Molekulargenetik, Nuklearmedizin und Medizinische Informatik investieren.

Ein rundes Jubiläum und eine rundum positive Entwicklung feiert in diesen Tagen das Dresdner Biotech-Traditionsunternehmen Biotype GmbH. Als Dr. Wilhelm Zörgiebel 1999 die Firma, damals eines der ersten Biotech-Startups in Sachsen, mitgründete, ahnte noch niemand, dass dies der Beginn einer Erfolgsgeschichte sein wird. Die Biotype GmbH ist gerade dabei, sich von einem Kit-Hersteller für die Molekulare Diagnostik zu einem Produkt- und Instrumentenhersteller im Bereich der Personalisierten Medizin zu entwickeln. Als Konsequenz dieser Strategie entstand 2016 die Molecular Diagnostics Group GmbH (MDG), eine hochspezialisierte Biotech-Unternehmensgruppe mit heute insgesamt 200 Beschäftigten und 25 Millionen Euro Jahresumsatz.

Unter dem Dach der Unternehmensgruppe Molecular Diagnostics Group GmbH (MDG) investieren die drei Firmen Biotype, qualitype und ROTOP in den nächsten zwei Jahren 20 Millionen Euro in die Entwicklung und Herstellung neuer Produkte, Instrumente und Dienstleistungen in den Bereichen Molekulargenetik und Diagnostik, Nuklearmedizin und Theranostic sowie Qualitätsmanagement, Laborinformationssysteme und Medizinische Informatik. „Das alles verbindende Thema ist das Zukunftsfeld ‚Personalisierte Medizin’. Mit unserer Erfahrung aus den letzten Jahren verfügen wir heute über tiefes Expertenwissen. Personalisierte Medizin wird daher unser strategischer Fokus für die Zukunft“, sagt Dr. Wilhelm Zörgiebel, Gründer und Geschäftsführer der Biotype GmbH.

Biotype entwickelt, produziert und vertreibt molekulardiagnostische Kits zum Nachweis und zur Quantifizierung von RNA- und DNA-Markern. Diese Produkte unterstützen heute Diagnose und Therapie in den Bereichen Onkologie, Hämatoonkologie, Dermatologie und Forensik. Biotype übernimmt auch die kundenspezifische Entwicklung und Herstellung von Assays für die molekulare Diagnostik.

„Begonnen haben wir mit Anwendungen im Bereich der Forensik“, sagt Dr. Wilhelm Zörgiebel. „Das war sehr spannend. Denn zu diesem Zeitpunkt gab es nur Diagnostik-Systeme aus den USA. Die Landeskriminalämter begannen mit dem Aufbau ihrer Täter-Datenbanken, und sie wollten dafür einen Lieferanten aus Deutschland.“ Dieser wurde Biotype. Seit 2009 arbeitet Biotype eng mit dem internationalen Biotech-Konzern Qiagen zusammen, der die Produktsparte zu der damaligen Zeit übernommen hat. „Daraufhin wurde die Biotype Diagnostic GmbH aus der Taufe gehoben“, berichtet Dr. Wilhelm Zörgiebel. Das neue Unternehmen spezialisierte sich auf Produkte und Dienstleistungen für die medizinische Diagnostik. Gemeinsam mit Qiagen gründete Biotype 2015 die Biotype Innovation GmbH mit dem Ziel, diagnostische Tests für die innovative Genanalyse Plattform „Modaplex“ zu entwickeln. Die weltweiten Rechte an der Modaplex-Technologie wurden 2018 von Qiagen abkauft und von Bosten (USA) nach Dresden transferiert. Heute bildet das Modaplex-Instrument mit der Systemtechnologie dazu und der Entwicklung neuer Testverfahren und Testkits die Basis für die neue Strategie der Biotype. Im Juni 2019 wurden die Biotype Diagnostic GmbH und die Biotype Innovation GmbH in der Biotype GmbH vereint, um die neue Strategie auch organisatorisch umsetzen zu können.

Und weil molekulardiagnostische Tests und die Überwachung von Qualitätsabläufen mit der Auswertung von großen Datenmengen verbunden sind, gründete Zörgiebel bereits 2001 ein eigenes Softwaresystemhaus, die qualitype GmbH. Das Unternehmen hat sich auf Qualitätsmanagement und Laborinformations- und Managementsysteme (LIMS), DNA-Analytik und Monitoringsysteme für die Lebensmittelproduktion spezialisiert. Die Entwicklerteams von qualitype überzeugen durch sehr hohe Fachkompetenz in den Bereichen IT/Datensicherheit, Biologie und Forensik, ergänzt durch umfangreiche Erfahrungen bei der Rückverfolgung von Produktionsabläufen. „Unsere Spezialisten machen aus ,Big Data’ ,Smart Data’“, erläutert Dr. Wilhelm Zörgiebel. „In diesem Bereich sowie im Cloud-Business sehen wir große Wachstumschancen – gerade im Bereich der medizinischen Informatik.“

Ergänzt wurde dieses umfangreiche Portfolio 2013 durch die ROTOP Pharmaka GmbH, die Radiodiagnostika und andere Produkte im Bereich der Nuklearmedizin entwickelt und vertreibt. Die ROTOP mit Sitz im Forschungszentrum HZDR in Rossendorf ist in den letzten Jahren sehr stark gewachsen. Diese Entwicklung ist auch das Ergebnis großer Anstrengungen zur Weiterentwicklung von neuer Produkte und Technologie. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Bereich der Theranostic für die Tumortherapie, einem vielversprechenden neuen Wachstumsfeld. Sie ergänzt mit ihren bildgebenden Verfahren vortrefflich das Angebot für die personalisierte Medizin gerade im Tumorbereich. Im Jahre 2016 wurden die drei Unternehmen unter dem Dach der Molecular Diagnostics Group GmbH (MDG) zusammengefasst.

Der Standort Sachsen bietet der MDG eine Vielzahl exzellenter Partner für Forschung und klinische Entwicklung. Von besonderer Bedeutung für die weitere Entwicklung des Unternehmens sind neben dem Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und der Technischen Universität (TU) Dresden insbesondere das Max Planck Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik, das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT/UCC) Dresden sowie das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunbiologie in Leipzig.

Gemeinsam mit diesen Partnern aus der Wissenschaft setzt die Molecular Diagnostics Group für die strategische Weiterentwicklung in den nächsten Jahren auf modernste Diagnostika für die personalisierte Medizin. Mit neuen Testverfahren und Testkits will das Unternehmen Ärzte dabei unterstützen, aktuelle Herausforderungen in der Medizin zu meistern. So können durch eine verbesserte Diagnostik beispielsweise Tumorbehandlungen noch zielgerichteter und wirksamer erfolgen. Aber auch andere Krankheiten zu diagnostizieren, wie z.B. schneller eine Sepsis zu erkennen, sollen gezielte Therapien zur Verbesserung der Überlebenschancen von Patienten ermöglicht werden.

Erst in der vergangenen Woche wurde der Vertrag für das Else-Kröner-Fresenius-Zentrum für Digitale Gesundheit Dresden unterzeichnet. Die TU Dresden und das Universitätsklinikum werden dort, über einen Zeitraum von zehn Jahren und gefördert von der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung mit einer Gesamtsumme von 40 Millionen Euro, Hochtechnologie und Medizin zum Wohle der Patienten noch enger verknüpfen. Ingenieure und Mediziner werden dort erstmals gemeinsam lehren, lernen und forschen. Dieses Projekt, das auch die Möglichkeiten neuer Kommunikationstechnologien und künstlicher Intelligenz mit einschließt, bietet auch für die Molecular Diagnostics Group wichtige Chancen.

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