Brexit wirkt sich auch auf Sachsen aus

Dresden - Nach der Bexit-Entscheidung des Britischen Parlaments mahnt die IHK Dresden an, das "Trennungsjahr" optimal zu nutzen. Neue Regeln der Zusammenarbeit mit Sachsens wichtigstem Absatzmarkt in Europa müssten gefunden werden. Von den Mitgliedsbetrieben der IHK Dresden exportieren 200 nach Großbritannien, neun unterhalten dort eine Niederlassung. Im ersten Halbjahr 2019 wurden aus Sachsen Waren und Dienstleistungen im Wert von 1,2 Mrd. Euro auf die britischen Inseln exportiert.

Dr. Andreas Sperl, Präsident der Industrie- und Handelskammer Dresden (IHK) sagte zur Bexit-Entscheidung des Britischen Parlaments: „Die Zustimmung des Britischen Parlaments zu dem mit der EU ausgehandelten Austrittsabkommen sorgt nach Jahren des Hin und Hers sowie der damit einhergehenden Unsicherheit in Wirtschaft und Gesellschaft erstmals für etwas Klarheit. Der Scheidungsvertrag ist unterschrieben, jetzt folgt quasi das Trennungsjahr, in dem sich für unsere Unternehmen an den Regeln der Zusammenarbeit mit der Insel erst einmal nichts ändert. Der Informationsstand der Betriebe ist mittlerweile branchenübergreifend sehr gut. Intern wurden und werden verschiedene Szenarien durchgespielt. Blinder Aktionismus ist nicht angesagt. Vielmehr werden die bestehenden Geschäftsbeziehungen mit britischen Partnern weiter gepflegt.

Lang ist diese Verschnaufpause allerdings nicht, denn es gilt, bis Ende 2020 die Spielregeln des künftigen Miteinanders auszuhandeln, quasi ein neues Freihandelsabkommen aufzusetzen. Da die wechselseitigen Abhängigkeiten beider Märkte sehr groß sind, muss allen Beteiligten daran gelegen sein, faire und nachhaltige Lösungen zu vereinbaren. Gelingt dies innerhalb der gesetzten Frist nicht, fiele Großbritannien entweder ab Jahresbeginn 2021 unter die Handelsregeln der WTO, und würde wie jeder Drittstaat incl. Zöllen, Einfuhrbeschränkungen, Differenzen bei Produktstandards und -zulassungen, speziellen Entsendeformalitäten für Mitarbeiter usw. behandelt, oder aber, es würde, vergleichbar dem bisherigen Verhandlungsmarathon zu weiteren, endlosen Terminverschiebungen kommen.

Für Sachsen ist der jetzt beginnende Prozess aufgrund der bedeutenden Rolle Großbritanniens als Exportmarkt überaus wichtig. Allein im ersten Halbjahr 2019 wurden aus Sachsen Waren und Dienstleistungen im Wert von 1,2 Mrd. Euro auf die britischen Inseln exportiert. Damit ist Großbritannien unser wichtigster Absatzmarkt in Europa und Nummer Drei weltweit nach China (3,3 Mrd. Euro) und den USA (1,6 Mrd. Euro).

Von den Mitgliedsbetrieben der IHK Dresden exportieren 197 aktiv nach Großbritannien, 70 beziehen Produkte und Leistungen und neun unterhalten dort eine eigene Niederlassung.“