Brühl: Archäologen finden alte Wasserflaschen

Leipzig - Auf dem ehemaligen Parkplatz zwischen Brühl und Richard-Wagner-Straße finden gerade archäologische Grabungen statt.  Bislang gab es 250 Funde - darunter Wasserflaschen und ein Ofen. Die Gegenstände geben einen Einblick in die Leipziger Stadtgeschichte.

Diese Tonflaschen sind nur einige Gegenstände, die die Archäologen auf dem Gelände zwischen Brühl und Richard-Wagner-Straße bislang gefunden haben.

Insgesamt sind es rund 250 Stücke, dazu kommen Tausende kleine Einzelfunde, also Scherben aus Keramik und Glas. Doch was hat es nun mit den Flaschen auf sich? Dr. Burkhart Dähne vom Landesamt für Archäologie leitet die Grabung in Leipzig und kennt die Antwort.

Wasserflaschen in Abfallgruben

"In den alten Kellerböden finden sich manchmal Verstecke oder Abfallgruben. In dem Fall war es eine Abfallgrube, die mit den Mineralwasserflaschen aufgefüllt wurde - zusammen mit Tassen und Krügen. Was die Intension dahinter war, wissen wir nicht."

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Sieben Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie sind seit Ende September dabei, die alten Kellergewölbe der Gründerzeitbauten freizulegen und zu untersuchen. Gut ein Drittel des ehemligen Parkplatzes haben sie bislang geschafft. Die bisherigen Befunde stammen aus der frühen Neuzeit und reichen bis ins Mittelalter.

"Wenn wir hier Keramik rausholen, dann haftet noch sehr viel des lehmigen Bodens an den Stücken. Damit die Funde nicht zerstört werden, lassen wir sie so trocknen. Anschließend wird die Erde entfernt. Das braucht seine Zeit und ist hier an dieser Ausgrabungsstelle so nicht möglich", erklärt Dähne.

Obwohl sich die Funde zeitlichen Epochen relativ gut zuordnen lassen, ist noch nicht ganz klar, was früher auf der 3000 Quadratmeter großen Fläche angesiedelt war. Dafür sind die Strukturen noch zu schwammig, so Dähne.

Brunnen gefunden

"Wir haben schon drei Latrinen oder Brunnen gefunden, aber noch nicht gänzlich ausgegraben. Anhand der Verfüllung lässt sich aber oft sagen, welche Menschen hier gelebt haben, ob sie reich oder arm waren", sagt Archäologe Dähne.

"Einen möglichen Ofen haben wir ebenfalls gefunden, der jedoch kein technischer war und deshalb auch nicht zur Keramikproduktion diente."

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Seit Mitte der Neunziger Jahre gibt es in der Leipziger Innenstadt kein Bauprojekt, das nicht archäologisch begleitet wurde. Die Altstadt zählt damit zu den am besten dokumentierten Innenstädten Deutschlands. Die geschichtlichen Erkentnisse sind für die Fachleute von großer Bedeutung, sagt Dr. Thomas Westphalen, Abteilungsleiter Archäologische Denkmalpflege vom Landesamt für Archäologie Sachsen.

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Leipzig vor über 1000 Jahren

"Wir haben mittlerweile durchaus ein Gespür dafür, wie Leipzig um das Jahr 1000 ausgesehen hat", erklärt Thomas Westphalen. "

Es gab eine Burg und eine kleine Stadt, also dort, wo sich heute der Matthäikirchhof befindet. Der gesamte große Rest des mittelalterlichen Stadtkerns von Leipzig, also auch die Fläche hier am Brühl, war damals noch unbebaut."

Noch bis Ende Februar kommenden Jahres finden auf dem Gelände die Ausgrabungen statt. Anschließend soll auf dem Areal ein neues Hotel gebaut werden. Das wiederum soll nach Angaben des Betreibers spätestens im übernächsten Jahr eröffnen.