Bühnenschmuck der Semperoper aufgearbeitet

Dresden - Die Dresdner Semperoper erstrahlt pünktlich zur neuen Saison wieder im alten Glanz. Fachleute haben den Harlekinvorhang, die Untersicht des Bühnenportals, einschließlich der „Fünf-Minuten-Uhr“ und das Proszeniumsgemälde gereinigt und teilweise restauriert.

Während der Spielzeitpause der Semperoper wurden im Zeitraum vom 23. Juli bis 17. August der Harlekinvorhang, die Untersicht des Bühnenportals, einschließlich der Vorderseite mit der „Fünf-Minuten-Uhr“ und das Proszeniumsgemälde gereinigt und teilweise restauriert. Die Arbeiten fanden in Ergänzung zu den 2015 durchgeführten restauratorischen Leistungen im Zuschauerraum statt – geleitet durch die Niederlassung Dresden I des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB). Die Gesamtkosten betragen 90.000 Euro. Diese Baumaßnahme wird finanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushalts.

© Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement

Zur Durchführung der umfangreichen Arbeiten stand nur ein kleines Zeitfenster während der Spielzeitpause zur Verfügung. Zum Leistungsumfang zählten die aufwändige Gerüstaufstellung, intensive Reinigungs-, Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten an der Leimfarbenfassung des Harlekinvorhangs, dem Bühnenportal (Untersicht und Vorderseite mit „Fünf-Minuten-Uhr“) und dem Proszeniumsgemälde (Rauchabzugsklappe).

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Bereiche mit Bindemittelverlusten wurden gefestigt und konserviert, Risse und Ausbrüche konservatorisch bearbeitet sowie retuschiert, Fehlstellen erhielten Ergänzungen. Lose aufliegende Verschmutzungen an der unmittelbaren Umgebungsarchitektur im Zuschauerraum wurden abgenommen sowie Vergoldungen und Bronzierungen gereinigt und restauriert. Die restauratorischen Leistungen teilten sich vier Restauratoren.

Hintergrund

Die vielbewunderte Grundstimmung des Zuschauerraums geht auf Manfred Semper, Sohn von Gottfried Semper, zurück - mit dem harmonischen Farbdreiklang von lichtem Meergrün, festlichem Rot der Purpurdrapierungen des Portals sowie des Parkett- und Logengestühls und den zurückhaltend angewandten Vergoldungen, welcher die festlich vornehme Heiterkeit ausmacht. Die Gestaltung des Bühnenvorhangs selbst ist Ergebnis eines 1874 ausgelobten Wettbewerbs, den der Karlsruher Maler Ferdinand Keller gewann. Das von den Bildmedaillons bedeutender Dichter und Komponisten begrenzte Mittelbild zeigt als Zentralgestalt die thronende „Phantasie“ mit der Fackel der Begeisterung, umgeben von den Musen der verschiedenen theatralischen Künste, Dicht- und Tonkunst, Komödie, Gesang, Tanz und Geschichte.

Die Semperoper wurde bekanntermaßen im Zeiten Weltkrieg stark zerstört. Im Jahr 1972 sprach der Gesellschaftliche Rat beim Rat der Stadt Dresden die Empfehlung aus, die Räume im Semperschen Sinne wiederherzustellen.

Die Rekonstruktion von Bühnenportal, Theatervorhang und Harlekinvorhang erfolgte auf der Grundlage des Originalentwurfes und einer Fotografie des ausgeführten Vorhangs. Das Atelier befand sich im Palais im Großen Garten. Nach Entwurfsvorarbeiten von Helmar Helas schuf Franz Tippel das Mittelbild, die Portraitmedaillons und die Putti Siegfried Wunderlich. Die reiche ornamentale Fassung und der Harlekinvorhang wurden von Bernd Böhm und Michael Münch entworfen und ausgeführt. Das Proszeniumsbild von James Marshal wurde von den Malern Gerhard Keil und Walther Teichert neu erschaffen und wegen der Verbreiterung des Bühnenportals um einige Figuren am rechten und linken Bildrand ergänzt. Im Dezember 1983 wurde der Harlekinvorhang – eine auf Leinwand gemalte illusionistische Purpurdrapierung des Bühnenportals – auf seine starre aus Aluminiumblech bestehende Unterkonstruktion gespannt und montiert. Der Schmuckvorhang selbst folgte mit einem öffentlichkeitswirksamen Transport vom Palais im Großen Garten zur Semperoper im Mai 1984 und der Enthüllung am 2. Juni 1984.

Quelle: Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement