Bunte Republik 2017 – Es war vielleicht die letzte BRN

Dresden – Möglicherweise hat die Neustadt das letzte mal Bunte Republik gefeiert. Als Schwafelrunde haben sich verschiedene Köpfe aus der Neustadt bisher jedes Jahr zusammengefunden und das Fest organisiert. Diese hat am Samstag ihre Auflösung bekannt gegeben.

Laut telefonischer Auskunft von Magnus Hecht fühle man sich weder von der Landeshauptstadt, noch von verschiedenen Mitveranstaltern ernst genommen. Nicht nur die Querelen um die Veranstaltungsanmeldungen in diesem Jahr hätten zum Entschluss geführt. Verschiedene Stände waren über Jahre hinweg nicht willig, sich an einem einheitlichen Pfandsystem zu beteiligen. Auch auf Kosten für Toilettencontainer bleibe man sitzen.

In der kompletten Erklärung der Schwafelrunde heißt es:

Die Bunte Republik Neustadt und ihr jährliches Fest am dritten Juniwochenende waren schon immer Gegenstand von kritischen Überlegungen, Auseinandersetzungen, neuen Ansätzen und dem begleitenden Gefühl, früher war alles besser. Letzteres stimmt aber einfach nicht. Denken wir an 2009 zurück: die Anzahl der lieblosen Bierwägen wuchs von Jahr zu Jahr, es gab kaum mehr Leute auf der BRN, die den übergreifenden Gedanken des Festes im Hier und Jetzt lebten, einige Aktive der Jahre zuvor hatten sich zurückgezogen, manche ganz, manche auf ihre eigene Insel der Glückseligkeit. Diese Entwicklung wurde in mehreren Workshops von Veranstaltern und Anwohnern zum Thema gemacht und es wurde ein Versuch gestartet, die BRN zu retten. Die Schwafelrunde (ohne Ritter) (was für ein Name!) gründete sich.

Vom Selbstverständnis her war die Schwafelrunde ein freiwilliges, offenes Gremium fürgroße und kleine Veranstalter, Anwohner und Institutionen wie der Kirchgemeinde, Abgeordnetenbüros und Kulturvereine. Die Schwafelrunde wollte Initiativen innerhalb des Stadtteils anstoßen, auch über das BRN-Wochenende hinaus. Sie wollte der Ansprechpartner für andere Institutionen, die Presse und vor allem für die Ämter der Landeshauptstadt sein. Außerdem sollten organisatorische Fragen, die das ganze Fest betreffen angegangen werden. Die Schwafelrunde wollte also Funktionen, die normalerweise ein Generalveranstalter bei einem Fest dieser Größenordnung einnimmt wahrnehmen, weil es einen solchen bei der BRN bekanntlich nicht gibt. Der Schwafelrunde, die sich unter dem Jahr lose und in Vorbereitung auf das Fest dann immer regelmäßiger traf, gehörten über die Jahre ca. 50 Personen an, die Regel waren 5-10 Teilnehmer bei den Sitzungen. Trotz aller Bemühungen, die teilweise auch ziemlich erfolgreich waren, konnte das Hauptanliegen nicht erreicht werden, eine Partnerschaft mit dem federführenden Amt der Stadtverwaltung auf Augenhöhe zu entwickeln.

2016 gab das Ordnungsamt ein Sicherheitskonzept in Auftrag, ohne die Schwafelrunde einzubeziehn. Selbst die Auswertung des Konzeptes und weitere Überlegungen wurden ohne uns als Gremium gemacht. Das war der letzte Beweis, nicht ernst genommen zu werden (und das lag nicht nur an dem Namen). Wobei nicht alle Teile der Stadtverwaltung das Angebot der Schwafelrunde ignoriert haben. Seit einem Jahr ist die Luft also draußen. Das Prinzip der Freiwilligkeit, das bei der BRN immer Anwendung finden muss, ist an seine Grenzen gestoßen. Andere BRN-Veranstalter haben von der Möglichkeit, sich zu vernetzen und das Fest dadurch weiter zu entwickeln und schöner zu machen auch nicht Gebrauch gemacht. Die Finanzierung von übergreifenden Aufgaben, wie dem Toilettensystem, den Umzügen, dem Programmheft usw. wurde zwar vom Kulturamt in den letzten Jahre unterstützt, das Viertel selber konnte dafür aber nur partiell gewonnen werden. Ein trauriges Beispiel ist, dass es bis heute nicht gelungen ist, ein Pfandsystem für die BRN einzuführen. Es gilt nach wie vor, jeder ist sich selbst der nächste. Die Lösung, in Inseln zu denken und sich straßenzugweise, kreuzungsweise oder nach Plätzen zusammen zu schließen und eine Gestaltung der BRN für diesen Bereich abzusprechen ist auch nicht wesentlich vorangekommen. Es gibt immer noch nicht mehr Inseln, und die Vorzeigeinsel Talstraße hat 2017 gar keinen Anwohner gefunden, der genügend Zeit und Mut gehabt hätte, um die entsprechende Initiative zu starten.
Quasi mit letzter Kraft und der dämmernden Erkenntnis, dass die Schwafelrunde anfängt sich nur noch um sich selber zu drehen, konnten 2016 dann noch Kulturfördermittel beantragt werden um eine Konzeption für die BRN schreiben zu lassen, um Ideen zur Entwicklung des Festes anzustellen und diese mit den Protagonisten zu diskutieren, Außerdem wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben, dass die Rolle der BRN für Stadt und Umland auch aus ökonomischer Sicht beleuchtet und sich in Szenarien der Entwicklung versucht. Zentrale Fragestellung ist dabei, wie eine verbindliche Zusammenarbeit zwischen BRN und Verwaltung auch ohne Gesamtveranstalter möglich sein wird. Tja und an diesem Punkt möchte die Schwafelrunde den Platz auf dem imaginären Regierungssofa frei machen. Bis hierher sind wir gekommen, weiter schaffen wir es nicht. Was aber nicht heißt, dass es kein Gremium der Veranstalter und Anwohner mehr geben wird. Aber dieses muss sich selbst und neu erfinden. Wir sagen auf Wiedersehen Schwafelrunde und Hallo Unbekanntes. Wir schlagen vor, dass es im Nachgang der diesjährigen BRN eine Arbeitsgruppe der Stadtverwaltung mit den beteiligten Ämtern und gezielt eingeladenen Protagonisten der BRN aus dem Viertel geben soll, die sich anhand der Erfahrungen mit der Genehmigungspraxis mit der Konzeption und dem Gutachten auseinander setzen und die Vorschläge für das nächste Jahr prüfen.

Zum Einsatzgeschehen während der BRN:

Rund 100 Mitarbeiter des Gemeindlichen Vollzugsdienstes (GVD) des Ordnungsamtes waren im Rahmen der BRN 2017  täglich vom 16. bis 18. Juni im Einsatz. Sie setzten die verkehrsrechtliche Anordnung in den betreffenden Straßen um und sicherten damit die Aufbauphase für die einzelnen Veranstalter ab. Während des Festes sorgten die Bediensteten für die Durchsetzung und Einhaltung der Polizeiverordnung zum Stadtteilfestund sicherten damit eine weitestgehend reibungslose Durchführung des Festes. Bis Sonntag, 18. Juni, 14 Uhr, wurden innerhalb des Festgebietes insgesamt 37 Verkehrsordnungswidrigkeiten erfasst. In 9 Fällen mussten die Bediensteten die unrechtmäßig abgestellte Fahrzeuge aus dem Festgebiet umsetzten lassen, um das Stadtteilfest abzusichern. Die Dresdner Polizei zog am Sonntag ein positives Fazit. Es war demnach ein friedliches Stadteilfest. Neben den typischen Vorkommnissen am Rande derartiger Großveranstaltungen, stellten Einsatzkräfte bislang 75 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten fest. Schwerpunkte bildeten hierbei Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz (33) sowie Körperverletzungsdelikte (13). Weiterhin mussten zehn Diebstähle, sechs Sachbeschädigungen, vier Beleidigungen sowie weitere vier Verstöße gegen das Waffengesetz verzeichnet werden. Gemessen an der Vielzahl der Besucher bewegen sich die Zahlen aus Sicht der Polizei im Rahmen. In der Nacht zum Samstag versuchte ein Unbekannter sich an einer 31-Jährigen zu vergehen. Der Täter zog die Frau auf einer Wiese an der Paulstraße zu Boden und rieb sich an ihr. Aufgrund der Hilferufe der Geschädigten, ließ er von ihr ab und flüchtete. Fahndungsmaßnahmen der Polizei blieben ohne Erfolg. Im Verlauf des Samstagnachmittages nahmen Polizeibeamte zwei Männer (27, 31) ins Gewahrsam, dies sich im aggressiv auf dem Festgelände aufführten. Der 31-Jährige beschädigte zudem ein Moped am Bischofsweg. Sie wurden später wieder auf freien Fuß gesetzt. Gegen einen 19-Jährigen wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet. Der junge Mann hatte in der Nacht zum Sonntag am Bischofsweg mehrfach den Hitlergruß skandiert. Während des vergangenen Wochenendes wurden die Beamten der Dresdner Polizei von Einsatzkräften der Sächsischen Bereitschaftspolizei unterstützt. Zu den Schwerpunktzeiten, in den Nächten zum Samstag und Sonntag, waren jeweils rund 320 Beamte im Einsatz.