CDU-Politiker Kai Hähner sorgt mit homophoben Feedback zum Leipziger CSD für Aufsehen

Am Mittwoch erreichte die Verantwortlichen des Leipziger CSDs eine Email, in der sich der CDU-Politiker folgendermaßen äußerte: „Lebens Sie, wie Sie wollen, im Privaten und lassen Sie andere mit Ihrer Abnormalität in Ruhe.“ Lesen Sie die vollständige Nachricht des Politikers und die darauffolgende Antwort der Gleichstellungspolitischen Referentin der Stadt Leipzig, Kathrin Darlatt, hier bei LEIPZIG FERNSEHEN Online.

„Sehr geehrte Damen und Herren, eines vorweg. Ich leide nicht an Homophobie. Allerdings finde ich es unerträglich, wie Sie Ihre Lebensweise in die Öffentlichkeit tragen und somit einer Vielzahl von Menschen regelrecht aufdrängen. Lebens Sie, wie Sie wollen, im Privaten und lassen Sie andere mit Ihrer Abnormalität in Ruhe. Und nun noch ein paar Worte zu dem Interview bei MDR Info am vergangenen Wochenende. Durch Ihre öffentlichen Auftritte und das Zurschaustellen Ihrer Lebensweise gilt Homosexualität in einer immer liberalen werdenden Gesellschaft inzwischen als „Trendy“. Und somit verleiten Sie Jugendliche, die sich in einer sexuellen Findungsphase sind. Jedoch war die Äußerung einer Konfrontation mit Homosexualität gegenüber Kindergartenkindern eine unerträgliche Unverschämtheit. Sollte dies in diesem Land tatsächlich passieren und Kinder schon im Vorschulalter mit Homosexualität konfrontiert werden, werde ich der erste sein, der die Verantwortlichen dafür vor Gericht bringt.
Mit freundlichen Grüßen Kai Hähner“

Darauf antwortete Fau Darlatt:

„Sehr geehrter Herr Hähner,
da ich im Auftrag der Stadt Leipzig an der inhaltlichen Ausgestaltung der Christopher-Street-Day Veranstaltungen, insbesondere der Podiumsdiskussionen, die das Problem homophober Einstellungen thematisieren, beteiligt bin, möchte ich mich zu Ihrer Mitteilung äußern. Ich verstehe Sie, auch ich bzw. das CSD-Team sind nicht einverstanden, wie die so genannte Lebensweise von Homosexuellen durch die Medien in die Öffentlichkeit getragen wird. Es ist leider immer noch so, dass Zeitungen oder Filmberichte ein schrilles Klischee bevorzugen, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Wir bemühen uns um eine andere Darstellung. Deshalb würde ich Sie auch gern als CDU – Politiker für ein Podiumsgespräch zum Themenkomplex Homosexualität im nächsten Jahr zum Christopher-Street-Day einladen. Leider haben sich in den vergangenen Jahren keine Vertreter der CDU bereit gefunden, mit den Diskutanten ins Gespräch zu kommen, um ihre Standpunkte auszutauschen. Wir sind jedenfalls sehr daran interessiert, mit Ihnen in den Dialog zu treten, um gerade solche Vorurteile, Homosexualität sei trendy und verleite Jugendliche in der Findungsphase, auszuräumen. Kein Junge in der Findungsphase würde sich freiwillig als Schwuchtel, schwule Sau oder abnormaler Abschaum beschimpfen lassen. Seien Sie versichert – Homosexualität ist kein Hobby! Ich denke, es gibt viel zu klären, deshalb würde ich mich über eine Antwort sehr freuen.
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Kathrin Darlatt“

Der nun in die öffentliche Kritik geratene CDU-Politiker nahm das Gesprächsangebot von Frau Darlatt an und telefonierte angeregt mit ihr, wie der CSD-Leipzig Pressesprecher gegenüber LEIPZIG FERNSEHEN bestätigte. Er wies darauf hin, dass es sich bei dem Statement um seine private Meinung handele und dass es für einen CDU-Politiker generell schwierig sei, sich in eine solche Diskussionsrunde zu begeben.
„Letztlich zeigt die Nachricht von Herrn Hähner und die Diskussion darüber, dass es noch ein weiter Weg ist, bis Vorurteile und Falschinformationen gegenüber Lesben, Schwule und Transgender in der Gesellschaft soweit abgebaut sind, dass man von breiter Akzeptanz sprechen kann“, so der CSD-Leipzig Pressesprecher abschließend gegenüber LEIPZIG FERNSEHEN.