CFC in der Kritik

Chemnitz- Ein Heimspiel des Chemnitzer FC in der Regionalliga Nordost sorgt aktuell bundesweit für Aufsehen. Aber nicht wegen des spektakulären 4:4 Endstandes. Im Vorfeld der Partie gedachte der Verein gemeinsam mit seinen Fans einem langjährigen Anhänger der Himmelblauen.

Durch den Stadionsprecher wurden Worte der Trauerbekundung verlesen und ein Bild des verstorbenen Thomas Haller auf der Stadionleinwand eingeblendet. Dem CFC wird nun vorgeworfen, Personen mit rechtsradikalem und rassistischem Gedankengut zu unterstützen. Denn Haller war offenkundig Anhänger der rechten Szene und Mitgründer der Gruppierung HooNaRa (Hooligans, Nazis und Rassisten). Der Club rechtfertigte sich am Sonntag mit den Worten:

„Die Ermöglichung der gemeinsamen Trauer stellt keine Würdigung des Lebensinhalts des Verstorbenen dar. Es ist ein Gebot der Mitmenschlichkeit, den Fans des CFC und Hinterbliebenen die darum baten, die gemeinsame Trauer zu ermöglichen.“

In der Folge gab es bei den Himmelblauen ein personelles Beben. Der kaufmännische Geschäftsführer der CFC Fußball GmbH und Vorstand des CFC Thomas Uhlig legte mit sofortiger Wirkung alle seine Ämter nieder. Er sei als Veranstaltungsleiter verantwortlich für die Spieltage und deren Begleiterscheinungen, so Uhlig in einer Pressemitteilung des Vereins. Am Montag wurden dann Maximilian Glös von der Kommunikationsabteilung, Fanbeauftragte Peggy Schellenberger sowie Stadionsprecher Olaf Kadner von ihren Aufgaben im Verein entbunden.

Ein weiterer Kritikpunkt beim Heimspiel am Samstag war der Torjubel des Chemnitzer Stürmers Daniel Frahn – dieser feierte seinen Treffer mit einem Tshirt mit der Aufschrift „Support your local Hools“, also unterstütze deine heimischen Hooligans. Der Verein reagierte und belegte den 31-Jährigen mit einer Geldstrafe. Frahn entschuldigte sich beim CFC und seinen Mannschaftskameraden und begründete seinen umstrittenen Jubel:

„Im Austausch mit unseren Fans habe ich eines Tages Thomas Haller kennengelernt. […] Ich bin weit davon entfernt, sein Gedankengut zu teilen. Mit dieser Geste wollte ich dem Wunsch unserer Fans nach gemeinsamen Gedenken an die Hinterbliebenen des Verstorbenen entsprechen.“ Daniel Frahn und dem Chemnitzer FC drohen nun auch weitere Strafen von Seiten des Sportgerichts.

Die Verantwortlichen der Stadt Chemnitz selbst äußerten sich zunächst zurückhaltend und mit Unverständnis. Chemnitz sei auch weiterhin eine weltoffene und tolerante Stadt. Außerdem distanziert man sich von allen rassistischen und rechtsextremen Handlungen. Am Montag nahm der Bürgermeister für Sicherheit Miko Runkel dann den Verein selbst in die Pflicht.

Stadtrat und Bundestagsabgeordneter Detlef Müller äußerte sich bereits am Sonntag und zweifelte an der weiteren Förderung der Himmelblauen. Mit der Aktion bewegt sich der Club „krampfhaft in die rechte Ecke, aus der wir als Stadt versuchen herauszukommen. Mit solchen Dingen sinkt die Bereitschaft des Stadtrates, den Verein weiter zu unterstützen.“

Unterdessen hat der Chemnitzer FC Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Laut Insolvenzverwalter Klaus Siemon drohten massive Ausschreitungen im Fall, dass der CFC den Trauerbekundungen nicht zustimmt. In der Sache ist damit ein schwerer Landfriedensbruch gemäß Paragraph 125 StGB angedroht worden, was für die Verantwortlichen des CFC nicht hinnehmbar ist“, so Siemon weiter. Der Chemnitzer FC und seine Sponsoren distanziere sich in entschiedenster Form von den Ereignissen.