Chemnitz-Gablenz: Senior „über’s Ohr gehauen“

Betrogen fühlt er sich, ein 78-jähriger Rentner aus dem Ortsteil Gablenz, und doch wird der Betrug im strafrechtlichen Sinne nur schwer nachzuweisen sein.

Der Senior war am Sonnabend (6. Juli 2013) zwischen 13 Uhr und 13.30 Uhr auf der Geibelstraße zu Fuß unterwegs, als neben ihm ein Opel stoppte. Der Fahrer sprach ihn in gutem Deutsch mit leichtem Akzent an und fragte nach dem Weg zur Autobahn. Man kam ins Gespräch und der Mann am Steuer erzählte, er käme aus Dubai, habe aber zurzeit ein Geldproblem, denn er könne seine Währung nur in Potsdam tauschen. Um dahin und dann zum Berliner Flughafen zu kommen, brauche er aber Benzingeld. In Dubai würde ohnehin alles mit Gold bezahlt, Geld spiele dort überhaupt keine Rolle. Der Senior fühlte sich offenbar in ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht versetzt, denn erst später dachte er wieder rational, aber da war es schon zu spät.

Jedenfalls schenkte der Unbekannte dem 78-Jährigen nun eine Spiegelreflexkamera, einen Elektrorasierer und ein Messerset. Die Sachen seien fast zweitausend Euro wert und es wäre schön, wenn ihm sein neuer Bekannter nun etwas Geld für Benzin geben könnte, so der Opel-Fahrer. Der Rentner holte aus seiner Wohnung 150 Euro, doch das reichte dem Unbekannten nicht, er müsse ja auch noch den Leihwagen bezahlen. Da er aber in seinem Wagen noch mehr Waren hatte, gab er dem Rentner nochmal das gleiche Geschenkpaket, also Kamera, Rasierer und Messerset. Der holte nun von seinem Konto mehrere hundert Euro und übergab sie dem Mann. Dann verabschiedete man sich, nicht ohne dass der Unbekannte dem 78-Jährigen noch versicherte, was für ein guter Mensch er sei und dass er für ihn beten würde.

Dann fuhr der Mann (40 bis 50 Jahre alt, kurze schwarze Haare, rundes Gesicht) mit dem dunklen Opel älteren Modells davon. Vermutlich befanden sich an dem Pkw Kennzeichentafeln mit der Kennung DH für den Landkreis Diepholz (Niedersachsen).

Erst zu Hause kam der Rentner wieder zum Nachdenken. Er recherchierte im Internet und musste feststellen, dass die teuren Geschenke alles Billigprodukte waren, deren Wert weit unter dem Geldbetrag lag, den er dem Unbekannten übergab. Bei der Polizei gab er nun eine Anzeige wegen Betrugs auf. Doch dieser Tatbestand wird nur schwer nachzuweisen sein. Der eine braucht Hilfe und übergibt Geschenke, der andere gibt Hilfe und erhält Geschenke. Ein Geschäft, bei dem man über den tatsächlichen Wert einer Ware getäuscht wird, findet jedoch nicht statt.

Die Polizei möchte vor dieser Masche warnen, die meist bei älteren Menschen mit verschiedenen Legenden eingesetzt wird. Lassen Sie sich nicht auf solche „Geschäfte“ ein, wenn Sie auf der Straße angesprochen werden. Bei aller Hilfsbereitschaft sollte man spätestens dann hellhörig werden, wenn man beschenkt werden soll und die Unbekannten davon reden, dass sie in Geldnöten sind. In aller Regel erhält man dann teuer aussehende, aber minderwertige Ware. Ist es letztlich doch zu dem „Handel“ gekommen, sollte man auf jeden Fall Anzeige erstatten, auch wenn man damit rechnen muss, dass das Geld verloren ist.

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