Chemnitz: Theaterkonzept liegt vor

Der Intendant der Städtischen Theater Chemnitz, Dr. Christoph Dittrich, und die Stadtverwaltung als Gesellschafterin des Theaters haben am Mittwoch die wesentlichen Inhalte des Theaterkonzepts vorgestellt, mit dem die Zukunft des Hauses gesichert werden soll.

Das Konzept sieht vor, mit einer vertretbaren Zuschusserhöhung der Stadt die Städtischen Theater als Fünf-Sparten-Haus zu erhalten und zugleich der Robert-Schumann-Philharmonie weiterhin den Status eines A-Orchesters zu sichern. Auch die bestehenden Spielstätten sind gesichert.

Voraussetzung dafür ist, dass die zum Jahresende auslaufenden Haustarifverträge in veränderter Weise fortgesetzt werden und zugleich ein vorgeschlagenes Stellenmodell umgesetzt wird, das Reduzierungen in verschiedenen Bereichen vorsieht. Betriebsbedingte Kündigungen könnten damit vermieden werden. Die zu verhandelnden Konditionen sind je nach Sparte unterschiedlich. Die Stellenreduzierungen sollen durch Altersabgänge und Teilzeitmodelle erreicht werden. Außerdem ist vorgesehen, über die Laufzeit des Vertrages in allen Bereichen Tarifsteigerungen von 1 Prozent pro Jahr zu vereinbaren.

„Das ist ein gutes Konzept, um die künstlerische Qualität erhalten zu können und gleichzeitig die wirtschaftliche Zukunft des Theaters zu sichern“, so Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig. „Das setzt jedoch voraus, dass alle Beteiligten bereit sind, das Notwendige zu tun, um diesen Kompromiss auch zu erreichen.“

„Ich hoffe, dass es uns gelingt, mit der Umsetzung dieses Vorschlags Planungssicherheit zu schaffen“, sagt Generalintendant Dr. Christoph Dittrich. „Dieser Weg verlangt allen Beteiligten viel ab. Angesichts der Alternativen ist das jedoch die Variante, mit der erhalten werden kann, was die Städtischen Theater ausmacht: künstlerischer Anspruch und herausragende Inszenierungen.“

Zum Inhalt des Konzepts im Einzelnen:
Im Orchester, das den größten Teil der Personalkosten ausmacht, wird eine Stellenreduzierung von 99 auf 86 Mitglieder vorgeschlagen. Im Haustarifvertrag wird ein Teilzeitmodell vereinbart, bei dem sich die 99 Musiker die 86 Stellen zunächst teilen. Die tarifliche Einstufung als A-Orchester bleibt erhalten. Zudem sollen ein bis drei konzertante oder halbszenische Aufführungen vollszenische Aufführungen ersetzen.

Im nichtkünstlerischen Bereich ist geplant, die wöchentliche Arbeitszeit um 10 Prozent auf 36 Stunden zu reduzieren. Zehn Stellen erhalten einen kw-Vermerk (keine Wiederbesetzung), auch hier ist ein Zielstellenplan vorgesehen. Die Umsetzung soll durch natürliche Fluktuation erreicht werden.

Im künstlerischen Bereich wird die Zuwendung nach Haustarifvertrag, die mit einem 13. Monatsgehalt verglichen werden kann, nach einer Sozialstaffel verringert. Mitarbeiter mit Mindestgage (1650 Euro) sind hiervon nicht betroffen, bei höheren Gagen entfällt die Zuwendung vollständig. Insgesamt sieben Stellen erhalten einen kw-Vermerk. Auch hier soll die Umsetzung durch natürliche Fluktuation erfolgen. Die Größe des Chors soll von bisher 44 auf 40 Sänger verringert werden.

Zusätzlich soll durch eine Verbesserung der Einnahmen eine Entlastung des Budgets erreicht werden. Für besonders hochwertige Aufführungen, zum Beispiel für Premieren im Musiktheater, oder überregional besonders angenommene Inszenierungen wird ein „Qualitätszuschlag“ erhoben. Tickets für Jugendliche, Studenten etc. sind von Preiserhöhungen ausgenommen.

Außerdem wird der Generalintendant beauftragt, Gespräche zu Kooperationen mit anderen Theatern zu führen, die ab 2016 Ergebnisse zeigen.

Insgesamt finanzieren sich die Städtischen Theater Chemnitz zu 90 Prozent aus Zuschüssen der öffentlichen Hand. Zwei Drittel davon werden aus Mitteln des städtischen Haushalts finanziert. Ein Drittel stammt aus der Kulturraumförderung des Freistaates, die die Stadt Chemnitz – die über die Verteilung innerhalb der Stadt entscheidet – zu einem übergroßen Teil ans Theater auszahlt. Aufgrund absinkender Kulturraummittel in den vergangenen Jahren sind sämtliche Kostensteigerungen im Kulturbereich bzw. speziell am Theater zu Lasten der Stadt gegangen. Derzeit beläuft sich der jährliche Zuschuss der Stadt ans Theater auf rund 25,3 Mio. Euro.

Für die Umsetzung des Konzepts müsste der Zuschuss der Stadt während der Laufzeit um 800.000 bis eine Million Euro jährlich steigen auf 26,15 Mio. (2014), 26,26 Mio. (2015), 26,31 Mio. (2016), 26,31 Mio. (2017), 26,23 Mio. (2018).

Die aktuellen Haustarifverträge enden am 31.12.2013. Mit dem Auslaufen der Haustarifverträge würden allein die Personalkosten um 2,1 Mio. Euro auf 25,2 Mio. steigen. Bereits im Wirtschaftsplan 2013 ff. wurde offensichtlich, dass die bisherigen Zuschüsse einschließlich der Liquiditätsreserve nicht ausreichen werden, um den Spielbetrieb und die Zahlungsfähigkeit im kompletten Jahr 2014 zu sichern.

Der vorherige Generalintendant der Städtischen Theater, Dr. Bernhard Helmich, war daher bereits im Zusammenhang mit den Ekko-Beschlüssen mit der Erarbeitung eines Konzepts beauftragt worden. Nach der Ankündigung Dr. Helmichs, nach Bonn zu wechseln, fiel diese Aufgabe Dr. Christoph Dittrich zu, der seit dem vergangenen April als Geschäftsführer und seit Beginn dieser Spielzeit als Generalintendant im Amt ist.

Sofern die Haustarifverträge nicht wie im Konzept dargestellt abgeschlossen werden können, hätte dies eine drastische und kurzfristige Verkleinerung der Städtischen Theater zur Folge, da die dann erforderlichen Zuschusserhöhungen nicht zu finanzieren wären. Dies würde neben der Notwendigkeit betriebsbedingter Kündigungen nach Sozialauswahl zur Vermeidung einer Insolvenz auch einschneidende Konsequenzen für die Spielfähigkeit und künstlerische Qualität bedeuten.

Der Stadtrat soll am 18. September über den vorgeschlagenen Weg entscheiden. Den Fraktionen ist er bereits am gestrigen Dienstagabend vorgestellt worden. Stimmt der Stadtrat im September zu, wird der Generalintendant beauftragt, umgehend Gespräche mit dem Ziel des Abschlusses neuer Haustarifverträge zu führen.