Chemnitzer erinnern an Pogromnacht

Chemnitz- Um an den faschistisch inszenierten Gewaltakt, die Reichspogrmonacht, zu erinnern, versammelten sich am Freitag zahlreiche Menschen an der Stele am Stephanplatz.

Die Nacht am 9. November 1938 gilt als Auftakt zur systematischen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung. In dieser Nacht wurden über tausend Synagogen in ganz Deutschland in Brand gesetzt und zerstört. Jüdische Männer über 16 Jahren wurden an jenem Tag ohne Einschränkungen verhaftet. Dr. Ruth Röcher, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Chemnitz berichtet über die Geschehnisse, bevor wohl einer der dunkelsten Momente in der Geschichte passierte.

An der Gedenkveranstaltung nahmen circa 500 Personen teil. Neben der Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Chemnitz nahm auch die Bürgermeisterin Barbara Ludwig teil und legte traditionell einen Kranz vor dem Mahnmal nieder. Auch der sächsische Ministerpräsident, Michael Kretschmer, legte einen Kranz nieder um den Opfern der Reichspogromnacht zu gedenken. Es begeistert ihn sehr, dass so viele Menschen sich entschieden haben, gemeinsam an diesen gedenkwürdigen Tag zu trauern. Außerdem ist es ihm wichtig, dass die Menschen niemals vergessen was passiert ist, damit sich so etwas nie wieder wiederholt.

Mit der Gedenkveranstaltung wurde auch in diesem Jahr wieder ein Zeichen gegen Terror, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt gesetzt. Vor der Verfolgung und Ermordung durch die Nationalsozialisten lebten 1933 in Chemnitz etwa 3.500 Menschen jüdischen Glaubens. Kurz nach der Wende 1990, gab es laut Dr. Ruth Röcher nur noch zwölf Juden in Chemnitz. 28 Jahre später ist die Anzahl der Mitglieder, der jüdischen Gemeinde Chemnitz auf 600 angestiegen.

Nach der Kranzniederlegung gab es weitere Veranstaltungen an diesem Tag. Auch am späten Abend kam es in der Innenstadt zu Demonstrationen.