Chemnitzer Pablo-Neruda-Schule will Namen ändern – Entrüstung

Chemnitz (dapd-lsc). Der Protest von Chemnitzer Kunst- und Kulturschaffenden gegen die geplante Umbenennung der Pablo-Neruda-Grundschule in der Stadt ist auf unerwartet große Aufmerksamkeit gestoßen.

„Wir gehen auf die 400 Unterstützer zu“, sagte Mitinitiatorin Sabine Kühnrich am Montag der Nachrichtenagentur dapd in Chemnitz. Diese kämen aus ganz Deutschland und sogar aus Großbritannien, Italien oder Frankreich.

Der Chemnitzer Stadtrat soll am Mittwoch über den Antrag auf Namensänderung in „Grundschule am Kaßberg“ entscheiden. Die Schulleitung ist der Auffassung, dass die Schüler keinen altersmäßigen Bezug zu dem chilenischen Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda (1904-1973) haben.

Es ist bereits der dritte Anlauf zur Namensänderung der Schule. In den Jahren 2002 und 2003 hatte die Stadtverwaltung dem Ansinnen nicht stattgegeben. Auch diesmal scheint sich die Verwaltung bei dem Antrag der Schulkonferenz nicht wohl zu fühlen – die Entscheidung sollen nun die Abgeordneten treffen.

Schulleiterin Martina Schwermer argumentierte, die Grundschüler hätten keinen altersgemäßen Bezug zu Neruda, „der in der damaligen DDR bekannt gemacht wurde durch sein Engagement als Schriftsteller gegen die Militärdiktatur Pinochets in Chile“. Mit seinen meist politischen Texten habe er sich an Erwachsene gewandt. Als Grundschule am Kaßberg könne man sich besser mit dem Wohngebiet identifizieren, erklärte Schwermer weiter.

Sängerin Kühnrich sagte dapd, das Echo auf die Kritik an der geplanten Umbenennung sei so groß, dass sie gar nicht mehr nachkomme mit der Beantwortung der E-Mails. Kühnrich gehört zu den Unterzeichnern eines Offenen Briefes vom 16. April an den Stadtrat. Chemnitzer Kunst- und Kulturschaffende führen darin zahlreiche Argumente auf, die die Stadträte dazu bewegen sollen, sich für die Beibehaltung des bisherigen Schulnamens zu entscheiden.

Die Unterzeichner sehen es beispielsweise als spannend an, mit den Grundschülern eine geistige Reise in das Land des chilenischen Nationaldichters zu unternehmen und die dortige Kultur und Natur kennen zu lernen. „Ist das wirklich eine unzumutbare Herausforderung für Eltern und Lehrer?“, fragen die Künstler in ihrem Brief.

Ein angebotenes Gespräch mit der Schulleitung sei nicht zustande gekommen, bedauerte Kühnrich. Einige Elternvertreter seien aber von der großen öffentlichen Reaktion überrascht gewesen. Die Fraktionen der Linken und Grünen hätten bereits die Ablehnung des Antrags signalisiert.

dapd