Chemnitzer wollen mit Wannenbüchern deutsche Badezimmer erobern

Chemnitz (dapd-lsc). Grit Strietzel und Jens Korch stehen ganz und gar nicht auf hektisches Duschen.

Die beiden Chemnitzer Journalisten sind echte Anhänger eines gepflegten Wannenbads und Liebhaber guter Literatur. Aus diesen beiden Leidenschaften haben die Jungunternehmer eine Geschäftsidee entwickelt – das Wannenbuch. „Wir haben damit ein Buch auf den Markt gebracht, das Badewasser und nassen Händen standhält und in garantiert 15 Minuten durchgelesen ist“, sagt Korch. So etwas hat es nach ihren Recherchen bisher für Erwachsene nicht gegeben.

Nicht ganz unschuldig an dieser Idee sei ein italienischer Rotwein unter der Sonne der Toskana an einem Pool mit Blick über die weite Landschaft gewesen. Es war vor zehn Jahren, als den beiden Sachsen in einem Sommerurlaub bewusst wurde, dass sich Bücher und Baden einfach nicht zusammenbringen lassen. Also begannen sie zu grübeln, wie man ein Buch schaffen könnte, dem Wasser und Badeschaum nichts anhaben können. „Schließlich haben wir uns die Badebücher für Kleinkinder näher angeschaut, die es schließlich seit Jahrzehnten in Hülle und Fülle gibt“, erinnert sich Korch.

Es sollten Jahre ins Land geben, bevor aus der Idee tatsächlich ein wasserfestes Buch für Erwachsene wurde. Lange tüftelten sie an Konzepten, Umfang und Schriftgröße. „Die Bücher müssen schließlich mehrere Kriterien erfüllen“, sagt Korch. Sie sollten aus schadstoffarmem Kunststoff nach EU-Norm bestehen sowie handlich und griffig sein. Zudem musste die Schriftart ausreichend groß sein, damit die Lektüre auch ohne Brille oder Kontaktlinsen in der Wanne gelesen werden kann.

Nachdem ein potenzieller Hersteller gefunden war, der auch anfängliche Kleinserien bezahlbar liefern konnte, machten sich der diplomierte Kaufmann und die studierte Ingenieurin auf die Suche nach Autoren. Die reagierten mit einer gewissen Skepsis auf die Idee – und nutzen daher bislang ein Pseudonym. Immerhin vier Titel sind in den ersten drei Jahren erschienen: Ein Roman, ein Krimi und je eine Reiseführer mit den wichtigsten Tipps für Spanien und Italien wurden bis 2012 in der Edition Wannenbuch veröffentlicht. In Vorbereitung ist nach den Angaben ein Buch mit Fitnesstipps. Ziel sei es, jährlich etwa zwei neue Titel auf den Markt zu bringen, sagt Korch und fügt hinzu: „Die Kundschaft besteht überwiegend aus Frauen.“ Auch das wird wohl bei der Auswahl eine Rolle spielen.

Beliebtes Mitbringsel aus dem Hotel-Badezimmer

In diesem Sommer hat der Chemnitzer seinen Job als leitender Lokalredakteur einer Tageszeitung an den Nagel gehängt, um mehr Zeit für die Vermarktung der Wannenbücher zu haben. Immerhin haben die Jungunternehmer nach eigenen Angaben bisher rund 15.000 Euro in die Umsetzung ihres Vorhabens gesteckt, Förderung vom Bundeswirtschaftsministerium gibt es für das Start up nur im Bereich Marketing. Jetzt wollen sie mit ihrer Erfindung endlich auch Geld verdienen. Wannenbuch-Fans gebe es inzwischen im gesamten deutschsprachigen Raum zwischen Genfer See, Semmering und Wattenmeer.

Der Verkauf laufe gut, sagt Korch. Auf der Fachmesse Tendence Ende August in Frankfurt am Main habe es sogar Anfragen aus Großbritannien und Japan gegeben, wo Händler die Wannenbücher gerne übersetzt auf den Markt bringen würden. Wannenbücher werden bisher unter anderem in Buchhandlungen sowie übers Internet verkauft. Und immer mehr Hotels entdeckten die Wannenbücher als Accessoires für die Ausstattung ihrer Badezimmer.

Aus der Marketingabteilung des NH Berlin Alexanderplatz hieß es beispielsweise: Die Hotelgäste fänden die Wannenbücher sehr interessant. Sie seien immer ganz schnell vergriffen. Als Souvenirs aus dem Hotelzimmern scheinen die Wannenbücher längst beliebter als die Handtücher mit den Initialen des Hauses zu sein.

dapd