Corona-Aktion mit rot-weißen Schaufensterpuppen

Leipzig - Der Künstler Dennis Josef Meseg hat 111 Schaufensterpuppen mit rot-weißem Flatterband eng umwickelt - ein Zeichen der Einengung und Isolation. Am Freitag standen die lebensgroßen Puppen auf dem Augustusplatz. Sie sollen auf die Corona-Krise und die damit verbundene gesellschaftlichen Veränderungen aufmerksam machen.

Leipzig, Augustusplatz. Kaum jemand, der an diesem Freitag kein Foto macht oder zumindest interessiert hinschaut. Dort, wo sonst die Menschen ungestört flanieren, standen am Freitag genau 111 Schaufensterpuppen, umwickelt mit rot-weißem Flatterband. Sie sind ein Projekt des Kunststudenten Dennis Josef Meseg, entstanden im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. "Die Figuren stehen für die Distanzierung der Menschen zueinander", so Meseg. 

Installation wird zum kontroversen Mahnmal

"Teilweise fehlen den Figuren Gliedmaßen - das steht für die Beschneidung der Grund- und Freiheitsrechte, aber auch Bewegungseinschränkungen."  Nicht zuletzt stünden die Figuren still, was den Stillstand der Gesellschaft symbolisiere. Die Figuren unterschieden sich nur durch ihre äußere Form. Mal sind es Kinder, ein paar Hunde sind auch dabei, aber überwiegend sind es Erwachsene. Sie stehen immer in einer Beziehung zueinander. Die Installation wird zum Mahnmal. Dabei ist dem Künstler die kontroverse Deutung durch die Passanten durchaus bewusst.

© Leipzig Fernsehen

Tränen in den Augen

"Generell sind die Leute berührt. Am Anfang, also so vor zwei Monaten, war es noch so extrem, dass die Menschen teilweise Tränen in den Augen hatten. Da berührte sie das sehr tief", so der Kunststudent. Mittlerweile passiere es aber auch, dass Figuren umgestoßen werden. Bei den Gründen kann Meseg nur mutmaßen: "Vielleicht dauert einigen das Thema 'Corona' einigen zu lange, weshalb sie aggressiv werden."

Die Idee der Aktion ist dem 41-Jährigen beim Fahrradfahren in den Kopf gekommen. Meseg war gerade unterwegs zwischen Köln und Bonn, um für ein Fotoprojekt Aufnahmen von Spielplätzen zu machen, die aufgrund der Corona-Krise mit dem rot-weißen Flatterband abgesperrt waren. Weil er in seinem Atelier noch einige Schaufensterpuppen rumstehen hatte, führte eines zum anderen. Für ihn ist es das bislang größte Kunstprojekt.

'Mega Dennis, mega! Ich liebe dich...'

"Ich bin Kunststudent im ersten Jahr und ich denke, ich hab es mit diesem Projekt schon ganz gut getroffen. Meine Professoren sind auf jeden Fall begeistert", sagt Meseg und erinnert sich an eine Nachricht auf seinem Handy: "Ein Professor schrieb mir, als er das mitbekommen hat: 'Mega Dennis, mega! Ich liebe dich...'".

Die Kunstaktion war schon in mehreren deutschen Städten zu sehen. Als nächste Station ist an diesem Samstag Dresden an der Reihe.

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