Crystal-Konsum in Dresden steigt weiter an

Alkohol ist dennoch die Problemdroge Nummer Eins. Im Bereich illegaler Drogen machen Crystal-Konsumierende mittlerweile über die Hälfte der Klienten in den Suchtberatungsstellen aus.+++

Bürgermeister Martin Seidel hat heute, 26. Juni 2014, gemeinsam mit der Dresdner Suchtbeauftragten, Dr. Kristin Ferse, den ersten Suchtbericht für die Landeshauptstadt Dresden der Öffentlichkeit vorgestellt. „Mit dem Bericht betreten wir in Dresden Neuland. Er ist die erste Veröffentlichung dieser Art, in der wir alle für die Stadt relevanten Zahlen und Fakten rund um die Themen Sucht, Drogen und Prävention zusammengefasst haben“, erklärt Seidel.
 
Auch die Suchtbeauftragte Dr. Kristin Ferse freut sich über die neue Arbeitsgrundlage: „Die Zahlen selbst sind für uns keine Überraschung. Die Beratungsstellen geben uns und dem Netzwerk schon seit Jahren ein direktes Feedback zum Beratungs- und Behandlungsbedarf der Dresdner mit einer Suchtproblematik. Aber so kompakt und spezifisch aufbereitet ist das eine neue Qualität. Wir hoffen, dass davon das gesamte Netzwerk mit externen Partnern wie Polizei, Sozialamt, Landesärztekammer, Bildungsagentur oder die Selbsthilfebewegung profitieren kann.“

Der Bericht greift vor allem auf die Zahlen der bundesweiten Krankenhausstatistik sowie der sechs Dresdner Suchtberatungs- und Behandlungsstellen zurück. „Insbesondere die Krankenhausstatistik offenbart einen sehr realistischen Einblick, mit welchen Substanzen in besonders gesundheitsgefährdender Weise aktuell umgegangen wird. Negativer Spitzenreiter ist hier nach wie vor mit weitem Abstand der Alkohol“, so die Suchtbeauftragte.

Die Zahl der Krankenhauseinweisungen von Dresdnerinnen und Dresdnern mit einer alkoholbezogenen Störung liegt seit Jahren auf hohem Niveau. Im Jahr 2012 waren es 2361 Einweisungen. Insgesamt rangiert die Landeshauptstadt damit im bundesweiten Mittelfeld. Das Bild wird auch durch die Dresdner Suchtberatungsstellen bestätigt. Rund 53 Prozent aller Klienten haben sich dort im letzten Jahr aufgrund einer alkoholbezogenen Problematik beraten lassen.

Bürgermeister Martin Seidel: „Dass wir uns in den bundesdeutschen Schnitt einordnen, hilft dem Einzelnen kein Stück weiter. Es zeigt lediglich einen gesamtgesellschaftlichen Handlungsbedarf.“

Diesen sieht der Bürgermeister auch beim Thema Crystal und dem multiplen Gebrauch unterschiedlichster Substanzen. Seit mehreren Jahren verzeichnen die Dresdner Suchtberatungsstellen einen Anstieg des Beratungsbedarfs im Zusammenhang mit Crystal. Im Bereich illegaler Drogen machen Crystal-Konsumierende mittlerweile über die Hälfte der Klienten in den Suchtberatungsstellen aus. Insgesamt 89 Dresdnerinnen und Dresdner wurden in 2012 wegen von Crystal und anderen Stimulanzien verursachten psychischen und Verhaltensstörungen in ein Krankenhaus eingewiesen. Wegen multiplen Substanzengebrauchs waren es 385 Einweisungen im selben Jahr.

Quelle: Landeshauptstadt Dresden

„Damit rangieren diese Diagnosen zwar weit hinter Alkohol, aber die Zahlen steigen kontinuierlich. Darauf mussten wir reagieren. Wir haben deshalb die Personalausstattung um die Stelle einer Suchtbeauftragten verstärkt. Unser Fachkraftschlüssel ist mittlerweile der Beste sachsenweit“, erklärt der Bürgermeister weiter.

Rund 1,5 Millionen Euro stellt die Stadt in diesem Jahr für Sach- und Personalkosten der Suchtberatungsstellen sowie der Suchtbeauftragten zur Verfügung.

Die Suchtbeauftragte ergänzt: „Die gute Personalausstattung kommt der Präventionsarbeit zugute. Ein gut angenommenes Präventionsprojekt war zum Beispiel im letzten Jahr die gemeinsame Aktion beim Nachtskaten ‚Fließend skaten statt laufend Drogen‘ mit dem Förderverein Dresden skatet e. V. und der Selbsthilfegruppe ‚Anker‘. Auch die erstmals im letzten Jahr aufgelegten ‚Dresdner Basisseminare Sucht‘ für Fachkräfte und Interessierte wurden sehr gut angenommen. Daran wollen wir mit suchtpräventiven Aktionen in Schulen und im öffentlichen Raum anknüpfen. Die Aktionswoche ‚Leg dich nicht mit Crystal an‘ Anfang Juni ist in diesem Kontext zu sehen. Sie war ein toller Erfolg!“

Der Suchtbericht 2013 steht auf der Homepage der Landeshauptstadt Dresden unter folgendem Link zum Download bereit: www.dresden.de/sucht