Reden statt hetzen! Wie geht das?

Dresden - "Wie leben wir morgen? Reden wir miteinander oder übereinander?" Zu diesem Thema hat die TU Dresden, das Zentrum für Integrationsstudien der TU Dresden und der Palais Sommer im Park des Japanischen Palais jetzt eine Diskussionsrunde veranstaltet. Zu den Gästen zählten TV-Moderatorin Mo Asumang, TU Dresden Professorin Marina Münkler, Dr. Annette Rehfeld-Staudt,Referatsleiterin der Sächsischen Zentrale für politische Bildung sowie Palais Sommer Gründer Jörg Polenz. Moderiert wurde die Veranstaltung von Noa K. Ha vom Zentrum für Integrationsstudien der TU Dresden.

Das Wochenende in Dresden mit der Demokratiekonferenz, der Versammlug der Identitären-Bewegung und zahlreichen Protestaktionen hat die Frage wiedereinmal bekräftigt: "Wie wollen wir leben - Reden wir übereinander oder miteinander?" Um Antworten zu finden, haben die TU Dresden und der Palais Sommer eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema organisiert.

"Miteinander oder übereinander reden?" Passender hätte das Thema bei der letzten Ausgabe der Palais.Gespräche im Park des Japanischen Palais an einem politisch aufgeladenem Wochenende wohl kaum gewählt werden können. Denn in einer Zeit, in der die Fronten mehr denn je verhärtet und die Zeichen eher auf Konfrontation statt Kommunikation zu stehen scheinen, ist der möglichst vorurteilsfreie Austausch offensichtlich dringend von Nöten. Moderiert wurde die teils recht kontrovers geführte anderthalbstündige Diskussion über das Miteinander von morgen von Noa Ha vom Zentrum für Integrationsstudien der TU Dresden. Doch was macht eigentlich eine gute und erfolgreiche Kommunikation aus? Was ist die Grenze des Sagbaren und bis zu welchem Punkt ist ein Gespräch mit Andersdenkenden überhaupt noch sinnvoll?

Deutschlands erste Afro-Deutsche TV-Moderatorin Mo Asumang sah sich in ihrer Karriere bereits mit Rassismus bis hin zu Morddrohungen konfrontiert. Doch auch wenn eigentlich schon keine vernünftige Gesprächsgrundlage mehr besteht, hält es die preisgekrönte Regisseurin für wichtig, entstandene Filterblasen mit gezielten Nachfragen zu durchbrechen.

Ankommen - das galt auch für ANDRÉS CLAVELLES-GONZÁLES aus Kuba, als er 1989 als Austauschstudent nach Dresden kam. In den fast 30 Jahren in Sachsen ist dem studierten Physiker und Umwelttechniker neben viel Herzlichkeit und Wohlwollen aber auch das ein oder andere mal offene Ablehnung aufgrund seiner Hautfarbe entgegengestoßen. Entmutigen ließ sich der Mann aus Mittelamerika davon allerdings nicht. In seiner gegründeten Bar in der Neustadt sucht er Abend für Abend den Austausch mit seinen Gästen - ungeachtet derer Gesinnung.

Für Themen wie Rassismus, Flüchtlingskrise oder auch sogenanntes Sachsen-Bashing bietet ANNETTE REHFELD-STAUDT von der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung ein offenes Onlinediskussionsforum. Unter Einhaltung bestimmter Benimmregeln werden die Themen systematisch behandelt und die Argumente anschließend ausgewertet. Doch nicht nur das "wie" ist in einer gemeinsamen Diskussion von Bedeutung. Entscheidend bleibt auch weiterhin, was man zu sagen hat.

Prof. Dr. Marina Münckler von der TU Dresden kämpft gegen vereinfachte Wahrheiten und billigen Populismus. Die Kulturwissenschaftlerin wünscht sich in Zukunft weniger Meinung und mehr Ahnung im Diskurs. Für Palais Sommer Gründer Jörg Polenz sind Respekt und Toleranz die Zauberworte für die Kommunikation von morgen. Der in der Idee der Gemeinwohlökonomie engagierte Unternehmer, dessen eintrittsfreies Festival alle Gesellschaftsschichten ansprechen soll, plädiert dafür, andersdenkende Menschen nicht pauschal zu verurteilen und echte Meinungsvielfalt auszuhalten.

Es wurde viel miteinander geredet an diesem Abend beim Palais Sommer. Und eine alte Weisheit hat sich wieder einmal bewahrheitet: Kommunikation ist alles - und ohne Kommunikation ist alles nichts.

© Sachsen Fernsehen
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