Das neue Verpackungsgesetz: Reduzierung des Müllaufkommens in Chemnitz?

Chemnitz- Alle vier Wochen nur noch werden in Chemnitz die gelben Säcke abgeholt. Bald soll Verpackungsmüll nur noch in den gelben Tonnen entsorgt werden. Ob sich das Straßenbild damit wieder verbessert, ist noch fraglich. Sowohl Unternehmen als auch Verbraucher sind deshalb dazu aufgerufen, so zu agieren, dass Verpackungsmüll gar nicht erst entsteht.

Die Chemnitzer sind unzufrieden: Seit Beginn 2019 wird Leichtverpackungsmüll - das ist der in den gelben Tonnen und Säcken - nur noch alle vier Wochen abgeholt. Bis dahin kamen die Entsorgungsunternehmen im 14-Tage-Rhythmus. Die Folge: Die Tonnen quellen spätestens in der Abholwoche über, die Säcke stapeln sich auf den Gehwegen. Das ist nicht nur ein ästhetisches Problem: Die Müllsäcke sind Stolperfallen, sie behindern den Fußverkehr und machen Autofahrern die Parkplatzsuche noch schwieriger, als sie ohnehin schon ist. Steigen in den Sommermonaten die Temperaturen, kommt die Geruchsbelästigung hinzu. Denn viele Verpackungen werden ungereinigt oder sogar samt Inhalt in das gelbe Behältnis geworfen.

Inzwischen beschäftigt sich auch der Stadtrat mit dem Thema: Er soll prüfen, ob eine Rückkehr zum zweiwöchigen Turnus notwendig ist. Und auch, welche Mehrkosten dies mit sich bringen würde - im Raum stehen zusätzliche 165.000 Euro pro Jahr für die Kommune.

Denn der für die Entsorgung zuständige Abfallbetrieb sieht sich nicht in der Pflicht; vielmehr verweist er auf die Auftraggeberin, die Duales System Holding. Deren Ausschreibungsbedingungen würden das längere Intervall vorgeben. Da Mitte des Jahres ohnehin komplett auf die gelbe Tonnen umgestellt wird und die gelben Säcke damit aus dem Straßenbild verschwinden, könne sich die Situation bereits durch diese Maßnahme entspannen.

Allerdings ist es zu kurz gedacht, die Verantwortung gänzlich auf die Entsorgungsbetriebe abzuwälzen. Den meisten Verbrauchern ist inzwischen bewusst, dass die sachgemäße Entsorgung von Müll nur ein Aspekt ist. Im Sinne eines nachhaltigen Umweltschutzes ist es wichtig, bereits bei der Entstehung von Verpackungsmüll anzusetzen - indem nicht unbedingt notwendige Umverpackungen gar nicht erst hergestellt werden. Dieser Ansatz wird aus zwei Richtungen unterstützt.

Das am 1. Januar 2019 in Kraft getretene Verpackungsgesetz (VerpackG) beteiligt Hersteller und Vertreiber von Verpackungen stärker als bisher an den Kosten für deren Entsorgung. Die Idee dahinter: Es soll sich rechnen, Alternativen zu den üblichen Einwegverpackungen zu entwickeln, vor allem bei Getränkeverpackungen. Bereits in der Vergangenheit waren Unternehmen dazu verpflichtet, sich an den Entsorgungskosten für die von ihnen in Umlauf gebrachten Verpackungen stärker zu beteiligen - das ist die eigentliche Idee hinter dem "Grünen Punkt".

In der Vergangenheit passierte es jedoch regelmäßig, dass Unternehmen ihrer Verpflichtung nicht nachkamen. Der daraus entstehenden Wettbewerbsverzerrung schiebt der Gesetzgeber nun einen Riegel vor: Händler bzw. die Hersteller dürfen Verpackungen überhaupt nur noch dann in Umlauf bringen, wenn sie sich zuvor registrieren und - das galt auch schon vorher - die voraussichtlich verwendeten Verpackungsarten und -mengen angeben. Bei Verstößen gegen die zahlreichen neuen Vorschriften des Verpackungsgesetzes drohen Bußgelder in bis zu sechsstelliger Höhe. Es lässt sich absehen, dass auf Unternehmen nicht nur höhere Kosten, sondern auch erheblicher bürokratischer Aufwand zukommt. Das ist durchaus so gewollt, denn der Mehraufwand soll dazu führen, dass die verantwortlichen Unternehmen verstärkt auf Mehrwegverpackungen und andere Formen des Recyclings setzen.

Ein anderer Ansatz wird von den Verbrauchern selbst initiiert. Sie wollen Verpackungsmaterialien nicht nur recyceln, sondern ihren Gebrauch soweit wie möglich reduzieren. In vielen Städten haben sich Initiativen gegründet, die einen nachhaltigen Lebensstil unterstützen. In Chemnitz werden im Unverpackt-Laden Peacefood Lebensmittel und Haushaltsprodukte zum Selbstabfüllen angeboten, immer mehr Bäckereien und Cafés füllen Getränke auf Wunsch in mitgebrachte Becher ab und Nachbarn tauschen Kleidung, Werkzeug und Küchengeräte, statt selten benötigte Dinge neu zu kaufen.

Ein Blick in den gelben Sack verdeutlicht, dass Verpackungskartons und Umverpackungen ein hohes Volumen haben. Mehrwegverpackungen und nachhaltige Aufbewahrungsbehältnisse können dazu beitragen, das Aufkommen an Verpackungsmüll zu reduzieren.