Der gute alte Pförtner erlebt aktuell eine Renaissance

Langfinger sind überall – das kostet Unternehmen jedes Jahr horrende Summen. Die Investition in Sicherheitstechnik oder Personal zum Objektschutz kann sich daher sogar richtig lohnen.

© Chemnitz Fernsehen
Wie wirtschaftliche Schäden entstehen können

Unternehmen sind auf vielen Ebenen angreifbar. Wirtschaftliche Schäden entstehen beispielsweise durch Datenhacks aber auch durch Diebstahl entstehen Unternehmen bereits durch die eigenen Beschäftigten große Schäden. Ob unachtsames Einstecken von Büromaterialien oder bewusster Diebstahl, Mitarbeitende verstehen die Loyalität zum Unternehmen mitunter so, dass sie meinen, dass ihnen auch gehört, was eigentlich Firmeneigentum ist. Je nach Unternehmensschwerpunkt kann dies hohe Schäden verursachen.

Auch durch Verschwendung von Arbeitsmaterialien oder Energie, kann einem Unternehmen ein wirtschaftlicher Schaden entstehen. Hier ist dies aber eher ein Fall für die Mitarbeitermotivation und -führung, als für Sicherheitseinrichtungen.

Aktuell entstehen hohe Kosten durch Personalausfälle. Die Pandemie befindet sich gerade wieder in einer Welle und ohne Zutrittskontrollen, können sich Infektionen ggf. ausbreiten und zu einer hohen Zahl an Quarantänefällen führen. Schäden durch Dritte mit und ohne Beteiligung von Beschäftigten können entstehen, wenn Firmeninterna weitergegeben werden. Einbrüche in Firmen oder Diebstahl von Firmeneigentum auf Baustellen, Messen oder beim Transport, sind in den letzten Jahren immer wieder vorgekommen.

Sicherheit – Vorbeugen und Versichern

Mit einigen Sicherheitsmaßnahmen kann Schäden vorgebeugt werden. Alarmanlagen, Datensicherheit und Tresore kosten zwar Geld, können wertvolle Informationen jedoch vor Zugriff Unbefugter schützen. Hackerangriffe können ganze Konzerne stilllegen, entsprechend ist das Interesse an Sicherheitsbarrieren groß. Dies beginnt bereits bei der Auswahl von Personal. Die Anforderung des polizeilichen Führungszeugnisses gehört bei vielen Unternehmen heute bereits zum Standard.

Ob es besser ist, hauseigene Mitarbeiter zu einer Security Ausbildung anzumelden oder ein Sicherheitsunternehmen zu beauftragen, hängt nicht nur von der Unternehmensgröße ab. Mit einer eigenen Sicherheitsabteilung können Unternehmer mitbestimmen, wem sie die Sicherheit ihres Eigentums und ihrer Mitarbeiter anvertrauen. Auch auf die Belegschaft kann es einen positiven Effekt haben, wenn die Security aus den eigenen Reihen kommt. Das Thema Security Awareness wird immer bedeutsamer und greift die Themen auf, die eingangs erwähnt wurden. Denn die Sensibilisierung der Mitarbeiter für die Interessen des Unternehmens, hilft auf vielen Ebenen Kosten zu sparen. Zudem stärkt die Security Awareness auch die Loyalität ins Unternehmen.

Trotz sorgfältiger Sicherheitsmaßnahmen kann es natürlich trotzdem immer einmal zu Schäden kommen. In dem Fall ist es wichtig, gut versichert zu sein. In der Praxis können ausgezahlte Versicherungssummen jedoch oft nicht annähernd den Verlust ausgleichen.

Security Awareness – was ist das?

Jeder trägt eine Verantwortung im Unternehmen, für die er ggf. sensibilisiert werden muss. Wird dies versäumt kann es zu Achtlosigkeit im Umgang mit Firmeneigentum oder Informationen kommen. Unter Security Awareness werden daher Maßnahmen zur Sensibilisierung von Menschen für das Thema Sicherheit verstanden. In der Öffentlichkeit kennen wir dies aus Informationsbroschüren, die dazu ermuntern, auf das Nachbarhaus zu achten und Verdächtige im Auge zu behalten. Die Polizei klärt Bürger in regelmäßigen Informationsveranstaltungen zu Themen wie Einbruchschutz, Cyberkriminalität und anderen Themen auf. Tatsächlich ist der Mensch das größte Sicherheitsrisiko. Jemand der mit seinem Reichtum oder einem teuren Gemälde prahlt, wird leicht Opfer eines Einbruchs. Auf unternehmerischer Ebene können einem Mitarbeiter auch einmal Informationen „herausrutschen“ die Interesse bei den falschen Menschen wecken können. Oder wie schnell vergessen wir, ein Fenster zu schließen und verlassen Haus oder Büro?

Security Awareness setzt da an, wo Routinen helfen können, Sicherheitslücken zu schließen. Die Einbindung in Sicherheitsmaßnahmen empfinden Mitarbeiter als Wertschätzung und nehmen die Verantwortung meist gern wahr. So steigen Motivation und Sicherheit in gleichem Maße.

Zu Instrumenten der Security Awareness zählen zwar auch Verträge über die Haftungsübertragung. Diese erzeugen aber eher einen negativen Druck, als positive Effekte auf Leistung und Motivation.

Sicherheit – was ist erlaubt?

Grundsätzlich ist es Unternehmen natürlich erlaubt, Objekt und Personal zu schützen. Allerdings greifen beim Thema Security sehr viele Zahnräder ineinander und teilweise können verschiedene Interessen kollidieren.

Einen Wachschutz für Gelände, Anlagen und Häuser darf nicht so weit gehen, dass Mitarbeiter komplett überwacht werden. Dürfen beispielsweise Verkaufsräume videoüberwacht werden, so gilt, dass die Überwachung von Sozialräumen zu stark in den Lebensraum der Mitarbeiter eingreift. Videokameras dürfen hier nicht installiert werden.

Auch der Datenschutz und die Persönlichkeitsrechte überschneiden sich ggf. Aktuell wurde dies in der Diskussion deutlich, ob Unternehmen den Impfstatus der Mitarbeitenden abfragen dürfen.

Ausgebildete Sicherheitsleute sind nicht mit Polizisten gleichzusetzen. Entsprechend dürfen sie bei Verdacht auf eine Straftat eine Person auch nur so lange festhalten, bis die Polizei eintrifft. Selbst Verhaftungen vornehmen dürfen Sicherheitsmitarbeiter nicht. Allerdings sind sie vom Hausherrn beauftragt, das Hausrecht durchzusetzen und dürfen beispielsweise ein Hausverbot aussprechen, wenn Besucher Anlass dazu geben.

Taschenkontrollen sind nur erlaubt, wenn sich die Person bereit erklärt, diese zuzulassen. Wird eine Kontrolle verweigert, so kann der Person der Zutritt verweigert werden. Bei Verlassen des Unternehmens und dem Verdacht auf Diebstahl, muss die Polizei hinzugezogen werden, wenn der Taschenkontrolle nicht zugestimmt wird.

Kosten und Nutzen

Zahlenmäßig lässt sich hier wohl kein konkreter Vergleich ziehen. Allerdings umfasst der Nutzen deutlich mehr Aspekte als die reine Wertsicherung, vor allem wenn die Mitarbeiter in das Sicherheitskonzept mit eingebunden werden. Ein höheres unternehmerisches Bewusstsein des Einzelnen wirkt sich auf Leistungsbereitschaft und -fähigkeit aus, was die Erträge steigert. Für den hauseigenen Sicherheitsdienst können Fördergelder herangezogen werden. So sind die Ausbildungen förderfähig. Werden neue Mitarbeiter hierfür eingestellt, die aus der Arbeitslosigkeit kommen, können Lohnkostenzuschüsse die Kosten senken.

Außerdem ist es möglich, einem internen Sicherheitsdienst Zusatzaufgaben zu geben, ohne extra bezahlen zu müssen. In vielen Unternehmen sind Sicherheit, Datenschutz und Haustechnik miteinander verknüpft. Die Fortbildung mehrerer Mitarbeiter sichert bei Ausfall Einzelner einen reibungslosen Ablauf. Außerdem sind Fortbildungen gute Instrumente zur Personalbindung, was dem Unternehmen ebenfalls positiv zu Buche schlägt. Der gute alte Pförtner erlebt aktuell eine Renaissance, auch wenn das Berufsbild inzwischen viele andere Bezeichnungen hat. Tatsächlich ist der Empfang oder die Pforte ein wichtiger Sicherheitsknotenpunkt und rückt daher auch für kleinere Unternehmen wieder in den Fokus.

Wirtschaftliche Schäden gehen oft weit über den eigentlichen Materialwert hinaus. Werden wichtige Ersatzteile oder Rohstoffe gestohlen, müssen Prozesse gestoppt werden, was hohe Kosten verursachen kann. Entsprechend ist die Investition in die Sicherheit langfristig kein Verlustgeschäft. Zudem hat der Aufbau einer internen Sicherheitsabteilung sehr viele positive Effekte auf die Belegschaft, die in höherer Motivation, mehr Loyalität und besseren Arbeitsergebnissen münden.