Der „Zug des Lebens“ rollt auf die Theaterbühne

Dresden - Dass man das NS-Regime und die Schoa durchaus humoristisch bearbeiten kann, zeigten nicht nur unlängst der Hollywoodstreifen "Jojo Rabbit", sondern auch die Tragikkomödie "Zug des Lebens" von 1998. Nun hat die Dresdner Theatergruppe The TUDORS den Stoff für die Bühne adaptiert - auf Englisch.

In "Zug des Lebens" geht es um ein kleines jüdisches Dorf, ein sogenanntes "Schtetl" im nicht näher bezeichneten Osteuropa im Jahr 1941. Als die Einwohner erfahren, dass die Nazis das Dorf bald erreichen werden, hat Dorftrottel Schlomo die rettende Idee: Wieso kann man sich nicht einfach selbst deportieren? Und so beginnt eine abenteuerliche Reise mit zahlreichen Wendungen und Verwechslungen, bei der ein Teil der jüdischen Bevölkerung Nazis spielen muss, während die anderen die Gefangenen sind.

Basierend auf dem erfolgreichen Film von Radu Mihãileanu von 1998 schrieb Marc Lalonde im Sommer 2019 eine Fassung des tragikkomischen Stoffs für die Bühne. Erarbeitet wurde das Stück dann im Rahmen eines Theaterworkshops an der TU Dresden, den Lalonde seit 2016 leitet. Der Name der Theatergruppe: "The TUDORS", was "Technische Universität Dresden Off their Rockers Shakespeareans" bedeutet und auf die klassischen Theaterstoffe des englischen Meisterpoeten hinweist, mit denen die Gruppe ihre Arbeit begann. Die Studierende lernen dabei nicht nur Schauspiel, sondern auch die englische Sprache. Nun stehen die ersten Aufführungen von "Train of Life" an zwei besonders geschichtsträchtigen Daten an: dem 25. Januar, Tag der Befreiung Auschwitz' und am 13. Februar, Tag der Zerstörung Dresdens. Die TUDORS werden dafür im Februar sogar in die Dresdner Partnerstadt Coventry reisen, die im zweiten Weltkrieg von deutschen Bomben zerstört wurde. Passenderweise ist 2020 auch das 80-jährige Jubiläum der Zerstörung Coventrys. Mit der englischen Stadt verbindet Dresden mittlerweile ein enges freundschaftliches Band, die Beziehung ist international zu einem Symbol für Versöhnung und Friedenswillen geworden, seit sich beide Städte, die im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört wurden, die Hand reichten.

Für die Gruppe ist das Stück nicht nur ein wichtiger Beitrag zum interkulturellen Austausch der Partnerstädte, sondern auch für das Gedenken an die Schoa. Zwangsläufig haben sich die jungen Menschen durch die Arbeit am Stück mit der deutschen und jüdischen Geschichte auseinandergesetzt und beispielsweise auch schon mehrfach an den Stolperstein-Putzakttionen teilgenommen. 

In Dresden wird das Stück am 25. und 27. Januar um 19.00 Uhr im Kino im Kasten, August-Bebel-Straße 20 aufgeführt. Alle Erlöse, die über die Kostendeckung hinausgehen will die Gruppe dann dem Projekt "Buch der Erinnerung" spenden, das die Geschichte der über 7000 in Dresden von der Judenverfolgung betroffenen Menschen dokumentiert.

Weitere Informationen zum "Buch der Erinnerung" finden Sie auf der Website der Sächsischen Gedenkstätten und zur Städtepartnerschaft mit Coventry auf der Website der Stadt Dresden.