Designgeschichte in Dresden bewahrt

Dresden - Mit einer Spendensammlung haben die Freunde der Staatlichen Kunstsammlungen den Erwerb des Nachlasses der Designerin Gertrud Kleinhempel ermöglicht. 2.000 ihrer Entwürfe gehören nun zum Bestand des Kunstgewerbemuseums. Kleinhempel lebte von 1875 bis 1948 und arbeitet u.a. für die Deutschen Werkstätten Hellerau. Sie designte Möbel, Schmuck und Gebrauchsobjekte. Ihr Nachlass soll nun auch der Forschung dienen.

Das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) freut sich über den Ankauf von rund 2.000 Entwurfszeichnungen der Designerin und Künstlerin Gertrud Kleinhempel (1875–1948). Mit Unterstützung des Vereins MUSEIS SAXONICIS USUI – Freunde der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden e. V. (MSU) wurde der Erwerb des Konvoluts, bestehend aus Dokumenten und Entwurfszeichnungen von Möbeln, Schmuck und Gebrauchsobjekten ermöglicht.

Mitarbeiter des Kunstgewerbemuseums wurden 2018 im Zuge der Vorarbeit zur Ausstellung „Gegen die Unsichtbarkeit. Designerinnen der Deutschen Werkstätten 1898 bis 1938“ auf diesen Nachlass aufmerksam. Dr. Barbara Sattler, eine Nachfahrin Gertrud Kleinhempels, bot an, dem Kunstgewerbemuseum die Sammlung zu übergeben. Der Freundeskreis half und rief zu Spenden auf – mit Erfolg: Im Dezember 2019 waren die nötigen Gelder zusammengekommen.

Thomas Geisler, Direktor des Kunstgewerbemuseums, betont: „Für das Kunstgewerbemuseum ist es eine einmalige Gelegenheit, die Entwurfszeichnungen von Gertrud Kleinhempel für die SKD und somit für die Forschung und Öffentlichkeit zu sichern. Eine Entdeckung, die sich durch die intensive Auseinandersetzung mit Frauenpersönlichkeiten in den Deutschen Werkstätten Hellerau ergeben hat, und ein Thema, an dem wir konsequent weiterarbeiten.“

Auch Stifter Rocco Raebiger, der den Ankauf in besonderem Maße unterstützte, sieht im Erwerb des Nachlasses einen bedeutenden Schritt. „Es ist mir ein großes Anliegen, das Kunstgewerbemuseum als Forschungszentrum der Deutschen Werkstätten Hellerau zu stärken“, begründet Raebiger seinen finanziellen Beitrag, mit dem er Designgeschichte in Dresden bewahren möchte.

Der Erwerb verdeutlicht anlässlich des drohenden Abrisses des Kleinhempel-Hauses in Ahrenshoop die Notwendigkeit, weibliche Protagonistinnen der Kunstgeschichte sichtbar zu stärken und einem Vergessen entgegenzuwirken. An diesem reichen Quellenmaterial kann exemplarisch die Stellung der Gestalterin Kleinhempel innerhalb der gesamtdeutschen Designgeschichte erarbeitet und nachvollzogen werden.

Wie wertvoll Unterstützung ist und wie verbunden die Mitglieder des MSU mit den Museen der SKD sind, bekräftigt Vorstandsvorsitzende Petra von Crailsheim: „Mit unserem Stifterkreis können wir auf starke Partnerschaften bauen, die mäzenatisch geprägt sind. Überglücklich sind wir über das herausragende Engagement von Rocco Raebiger, der mit seiner Spende die Zukunft der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden prägt.“

Mittlerweile ist das Konvolut durch die Fotothek der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek in Gänze digitalisiert und online einsehbar. Neben Kleinhempels Skizzen und Zeichnungen befinden sich außerdem Arbeiten der Professorin der Dresdner Kunstgewerbeschule Margarete Junge (1874–1966) in der Sammlung, die zudem Kleinhempels Lebensgefährtin und Kollegin war.

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