Deutschland schwitzt und stöhnt: HitzeFAQs

Gemessene Temperaturen bis 37 Grad, gefühlt bis 40 Grad und das Ende August!

Besonders Süddeutschland schwitzt und stöhnt unter der aktuellen Hitzewelle. Der Dienstag brachte entlang des Mains sowie südlich davon fast überall Spitzenwerte von weit über 30 Grad. Egal ob Frankfurt, Mannheim, Koblenz, München, Offenbach, Konstanz oder Bamberg, der Süden lag wieder einmal unter einer dicken Hitzeglocke.

Doch nicht allein die Hitze macht zu schaffen, es ist vor allem die sehr feuchte bzw. schwüle Luft die viele Menschen um einen erholsamen Nachtschlaf bringt.

Aber so ist das nun mal im Sommer und man muss sich als Meteorologe schon ein wenig wundern. In den letzten Wochen bekamen wir zahlreiche „Beschwerden“, dass der Zick-Zack-Sommer immer nur ein bis 2 Tage Sommerhitze und Sonne bringt. Nun ist es mal 3 bis 4 Tage am Stück heiß und schon beginnt es an allen Ecken und Ende zu ächzten und stöhnen.

„Man kann es den Deutschen aber auch nie wirklich Recht machen“ sagt Diplom-Meteorologe Dominik Jung vomWetterdienst WETTER.NET mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Nachfolgend einige FAQs von Diplom- Meteorologe Jung zur derzeitigen Wetterlage:

Ist es in ganz Deutschland heiß und schwül?

Nein! Die ganz große Hitze ist derzeit auf die Mitte und den Süden beschränkt. Dort klettert das Quecksilber nahezu flächendeckend auf weit über 30 Grad. Selbst in Lagen um 800 bis 1000 Meter werden 25 bis 30 Grad erreicht. Bis Freitag wird zunehmend Ostdeutschland zum Hitzepool Deutschlands. Dann werden auch hier verbreitet über 30 Grad erreicht. Abkühlung gibt´s derzeit vor allem an der Nord- und Ostseeküste. Dort ist die Luft frischer.

Sind die aktuellen Temperaturen rekordverdächtig?

Ja! Vor allem in Bayern und Baden-Württemberg sind in den letzten Tagen gleich reihenweise Dekadenrekorde gefallen, die zum Teil schon 70 Jahre alt waren. Rekorde fielen beispielsweise in Konstanz, Kempten, Stuttgart, Regensburg, München, auf der Zugspitze und dem Wendelstein.

Wieso schwitze ich so viel?

Die Hitze kommt direkt aus Südwesten aus dem Mittelmeerraum. Sie ist sehr feucht. Daher ist es bei uns derzeit auch richtig schwül. Ist Luft feucht, kann sie kaum noch zusätzliche Feuchtigkeit aufnehmen. Die Folge: Unser Schweiß bleibt auf uns kleben und kann nicht verdunsten. Daher sind wir bei dem schwül-heißen Wetter deutlich verschwitzter als bei trocken-heißem Wetter. Wer vielleicht schon mal in Saudi-Arabien oder Ägypten war kennt diesen Effekt. Dort kann es 40 bis 50 Grad heiß werden. Trotzdem schwitzt man kaum und empfindet die Hitze nicht wirklich als unangenehm.

Wie lange bleibt es noch so drückend heiß? Ist Abkühlung in Sicht?

Der Schweiß-Marathon geht noch bis einschließlich Freitag weiter. Im Lauf des Freitag stellt sich die Großwetterlage um. Damit verbunden ist ein kräftiger Temperatursturz. Verbreitet liegen die Temperaturen am Samstag um 10 bis 15 Grad niedriger als noch am Freitag. Die schwüle Luft wird langsam ausgetauscht. Stück für Stück verschwindet am Wochenende die drückende Schwüle und wir können endlich wieder kräftig durchlüften. Nachts gibt es dann auch keine tropischen Temperaturen mehr. D.h. die Nachtwerte sinken im ganzen Land unter die 20-Grad-Marke.

„Spinnt“ die aktuelle die Wettervorhersage?

Gestern war großes Schimpfen auf die Wetterdienste angesagt. Der Grund: Die Vorhersagen lagen am Dienstag regional ziemlich daneben. So gab es beispielsweise in Berlin und Brandenburg statt angekündigten Dauersonnenscheins immer wieder teils heftige Schauer und Gewitter.

Die Atmosphäre ist derzeit ziemlich explosiv. Regional können sich quasi aus dem Nichts kräftige Schauer und Gewitter entwickeln, sich zu einem kleinen Schauer- und Gewitterverbund zusammenschließen und über das Land ziehen.

Genau das war gestern der Fall. Auch heute ist die Sachlage in einigen Regionen Deutschlands nicht viel besser. Wieder haben sich spontan Gewitter- und Schauerzellen gebildet und ziehen umher. „Einige Meteorologen haben vielleicht ein Problem es auszusprechen, aber das ist aktuell ganz klar ein Fall von Fehlprognose, die zu Teilen auch der „schwierig einzuschätzenden Wetterlage“ zu schulden ist. Durch die Bank weg lagen Meteorologen im Netz, im Radio und im Fernsehen in den letzten Tagen richtig dick daneben. Da sieht man einmal mehr: Die Natur lässt sich nicht immer gerne in die Karten schauen. Irgendwo sind dem Menschen und seinen großen Rechenmodellen Grenzen gesetzt. Manchmal ist es nicht verkehrt, daran erinnert zu werden“ erklärt Wetterexperte Dominik Jung.

Erwartet uns ein schöner September?

Die Wetterumstellung am kommenden Wochenende könnte der Auftakt für einen freundlichen September sein. In den kommenden beiden Wochen wandert ein Hochdruckgebiet vom Atlantik langsam Richtung Skandinavien. Die Chancen stehen gut, dass es sich dort dann festsetzt. Das bedeutet für weite Teile Mitteleuropas ruhiges Spätsommerwetter bzw. Frühherbstwetter. Die Temperaturen pendeln sich in der nächsten Woche zwischen 17 und 24 Grad ein. Das schöne Wetter dauert nach aktuellem Stand mindestens bis in den September an. Freuen wir uns also auf einen schönen Herbst: der Langfristtrend von WETTER.NET sieht einen überdurchschnittlich schönen September und Oktober. „Zum Wandern wird es ideal“ so Jung.