Deutschlands kleinstes Hotel steht in Lunzenau

Lunzenau (dapd-lsc). Es dürfte das kleinste Hotel Sachsens, wenn nicht sogar der ganzen Welt sein: Gerade einmal 2,70 lang und 2 Meter hoch ist ein Zimmer im Kofftel im sächsischen Lunzenau.

Äußerlich ist das Hotel, das nur aus zwei Zimmern besteht, einem Koffer nachempfunden. Im Inneren erwarten den Gast auf knapp vier Quadratmetern ein Doppelstock-Bett, Toilette und Waschbecken. „Das reicht unseren Gästen völlig aus. Hier haben schon große Leute, dicke Leute und sogar Schwangere geschlafen und keinem war es zu eng“, sagt Hotelier Matthias Lehmann.

Knapp ein halbes Jahr hat Lehmann an seinem Kofftel an der Zwickauer Mulde gezimmert. Die Idee zu dem Sperrholz-Bau war dem Hotelier, der auf einem ausrangierten Bahnhofsgelände ein Restaurant betreibt, gekommen, als Wanderer länger bleiben wollten. „Wir hatten immer wieder Gäste, die nach einer Übernachtung fragten und die ich wegschicken musste“, sagt Lehmann. Das Hotel sollte zum Eisenbahnambiente passen. „Weil im Restaurant schon unzählige Koffer rumstanden, lag es nahe, dass ich ein Hotel in Kofferform mache“, sagt Lehmann.

Sein Interesse an allem, was mit der Eisenbahn zusammenhängt, kommt nicht von ungefähr. Im Hauptberuf ist er nicht nur Wirt des „Prellbock“, sondern auch Fahrdienstleiter. Im Restaurant serviert Lehmann Rinderroulade und Büffelbraten und konfrontiert seine Gäste mit einem Sammelsurium von Gegenständen aus der Welt der Lokomotiven und Bahnhöfe: Signale, Bänke, Lampen und Eisenbahner-Mützen.

Auch in den beiden Hotelzimmern zeigt der Gastgeber Stücke aus seiner Sammlung. Eine weitere Besonderheit des Kofftel ist, dass die Gäste die Wände ihres Zimmers nach Lust und Laune bekritzeln dürfen. Besonders willkommen seien Gedichte, Sprüche und Danksagungen, so werde das Kofftel zu einem riesigen Gästebuch, sagt Lehmann.

Für den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga kommt die Bezeichnung Hotel für das Kofferdomizil in Lunzenau indes nicht infrage. „Ein Hotel sollte mindestens 20 Zimmer haben und eine Rezeption“, sagt Benedikt Wolbeck von der Dehoga in Berlin. Gleichwohl seien skurrile Ideen wie die von Lehmann immer willkommen, weil sie die Branche bereicherten, sagt Wolbeck.

Für Lehmann spielen Betriebskategorien keine Rolle. Hauptsache, den Gästen gefalle sein Hotel, sagt er. Und die kommen mittlerweile aus der ganzen Welt zum Schlafen nach Lunzenau, wie er betont. „Wir hatten schon Touristen aus Kalifornien, Japan und Holland, die nur hier waren, um eine Nacht im kleinsten Hotel der Welt zu verbringen.“

dapd