DF-Theatertipp: Premiere „Helena“ in der St. Pauli Ruine

In der St. Pauli Ruine wird am Freitag die Premiere von „Helena – ein Schauspiel mit Musik“ gezeigt. Beginn ist um 20 Uhr. Karten gibt es für 18 Euro (ermäßigt 13 Euro). Vier weitere Aufführungen sind im Juni geplant. +++

Der trojanische Prinz Paris soll entscheiden, welche von drei Göttinnen die Schönste sei. Natürlich bestechen ihn die Damen eifrig mit Aussicht auf üppigen Lohn. Er wählt Venus, die Göttin der Liebe, die ihm die schönste Frau der Welt verspricht – Helena. Was tut es da zur Sache, dass diese verheiratet ist und die Einlösung des Versprechens eine diplomatische Krise und schließlich den Trojanischen Krieg auslösen wird!

 1964, genau einhundert Jahre nach ihrer Uraufführung, erfuhr Offenbachs Operette „Die schöne Helena“ durch Peter Hacks, der sie „für Schauspieler“ umschrieb, eine erfolgreiche Bearbeitung in deutscher Sprache. In bewährt unterhaltsamer, unkonventioneller Weise nimmt sich das St. Pauli Ensemble des Stückes an.

 Mit Witz, Humor und heiterer Musik führt die Komödie die Scheinheiligkeit der moralischen und staatlichen Instanzen vor, beleuchtet Mechanismen von Machterhalt und Entertainment und fragt nicht zuletzt nach dem heiklen Verhältnis zwischen individueller Sehnsucht und gesellschaftlicher Verantwortung, Norm und Utopie in Zeiten erfolgreicher Marketingkonzepte.

 Und Venus ist überaus erfolgreich: Alles Volk bringt der populär gewordenen Göttin, deren Attraktivität in der Erfüllung von Lustversprechen liegt, reichgefüllte Körbe mit Leckereien dar und lässt den Tempel des Staatsheiligen Jupiter links liegen. Das frustriert dessen Priester Kalchas, ein erklärter Gegner der Venus und ihrer verführerischen Sinnen- und Lebensfreude (der er sich insgeheim selbst nur zu gerne hingeben würde). Er empört sich über die kargen Blumensträußchen, die noch vor seinem Tempel abgelegt werden und sinnt (zum Wohle des Gemeinwesens) auf eine Gelegenheit zur Kompromittierung der Konkurrentin. Diese bietet sich ihm bald durch die heraufziehende Staatsaffäre.

 Helena indes gibt sich schmachtend ihrem „süßen Verhängnis“ hin und schmiedet ihre eigenen verschmitzten Pläne: Denn die göttliche Verheißung, als schönste Frau der Welt vom schönen Fremden erobert zu werden (und damit Ehebruch zu begehen), verträgt sich nicht mit ihrer Rolle als tugendhafte Politikergattin. Sie widersteht hochoffiziell, als Zugeständnis an die Etikette, verschafft sich aber schließlich listig die Liebeserfüllung durch Ehebruch – mit den bekannten Konsequenzen.

Darf persönliche Bedürfnisbefriedigung die öffentliche Ordnung gefährden? Ist die individuelle Glücksvorstellung das Maß, an welchem sich Gesellschaftsentwürfe messen sollten, oder muss der Mensch seine Sehnsucht nach Selbstverwirklichung den gesellschaftlichen Erfordernissen unterordnen?

 

Regie: Jörg Berger

Libretto: Henri Meilhac / Ludovic Halévy

Musikalische Einrichtung: Herbert Kawan

Musikalische Erarbeitung für die St. Pauli Ruine: Yvonne Dominik, Simone Foltran

Ausstattung: André Thiemig

Musikalische Leitung/Piano: Matthias Krüger

Darsteller/-Sänger/-innen:

Helena: Felicitas Mallinckrodt
Paris: Jonas Finger
Kalchas: Rainer Leschhorn

Menelaos: Lutz Koch

Orest: Nikolaus Nitzsche

Jupiter/ Homer/ Philokemus: Karl Weber
Merkur: Detlef Epperlein
Venus: Britta Andreas
Minerva: Simone Foltran
Juno: Katrin Soddu

und viele weitere Mitglieder des St. Pauli Ensembles (siehe www.theaterruine.de)

Kartenpreis: 15 € / 10 €
Premiere: 18 € / 13 €

Die Veranstaltungen in der St. Pauli Ruine sind wettersicher.
Kartenvorbestellung: st-pauli@gmx.de | Tel. 0351. 272 1 444

Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.

Informationen zum Ort, Spielplan sowie Kartenvorbestellung/Onlinekauf unter www.theaterruine.de

Quelle: St. Pauli Ruine