Die ganze Stadt feiert 500 Jahre Reformation auf dem Neumarkt

Dresden - Das Reformationsjubiläum steht vor der Tür. Am 31. Oktober 2017 ist es genau 500 Jahre her, dass Martin Luther 95 Thesen in Wittenberg veröffentlichte. Das feiern bundesweit Gemeinden mit Gottesdiensten und großen Festveranstaltung. In Dresden versammeln sich Kirchgemeinden aus Stadt und Umland auf dem Neumarkt zum „Mitfeiern! Die Reformation wird 500“. Mira Körlin, Sprecherin der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, gibt Jonathan Wosch einen Überblick über die Veranstaltungen.

Am 31. Oktober 2017 ist es genau 500 Jahre her, dass Martin Luther 95 Thesen in Wittenberg veröffentlichte. Damit leitete er eine Bewegung ein, die Kirche und Gesellschaft von Grund auf verändert hat. „Die Reformation hat einen gesellschaftlichen Impuls gegeben, der bis heute nachwirkt“, so Superintendent Albrecht Nollau. Deshalb laden die Evangelisch-Lutherische Kirche Dresdens gemeinsam mit der Stiftung Frauenkirche Dresden und Vertretern anderer christlicher Konfessionen am Dienstag, 31. Oktober, 15 Uhr bis 17.30 Uhr, auf den Neumarkt ein zu einem Fest unter dem Motto „Mitfeiern! Die Reformation wird 500.“ Das Martin-Luther-Denkmal von Ernst Rietschel wird an diesem Nachmittag zum Leben erwachen: Beate Damm, Schulpfarrerin am Dresdner Kreuzgymnasium, interviewt den bronzenen Reformator. Ein liebevoll gestaltetes Bühnenprogramm präsentiert neben Bläsermusik Gospels und Spirituals durch einen Ökumenischen Gospelchor und einer Projektband. Jan Deicke erzählt wahre und erfundene Geschichten über Martin Luther und seine Zeit. Moderator Stephan Bischof erwartet neben Oberbürgermeister Dirk Hilbert mehrere Gäste von weit her: Bischof Michael Dube aus Simbabwe und junge Menschen aus Tansania, Indien und Papua-Neuguinea, die in Sachsen einen Freiwilligendienst absolvieren, besuchen als evangelische Christen erstmals das Kernland der Reformation.

Die Innungsbetriebe des Bäcker- und Konditorenhandwerks bringen das wahrscheinlich größte Reformationsbrot der Welt auf einer Kutsche an den Neumarkt. Der Spendenerlös geht an die griechisch-evangelische Kirche in Serres/Zentralmakedonien. Die kleine evangelische Gemeinde unterstützt seit 2015 Flüchtlinge. Sie selbst entstand nach dem griechisch-türkischen Krieg durch Umsiedlung griechischer Flüchtlinge aus der heutigen Türkei. Sie wird durch das Gustav-Adolf-Werk Sachsen e. V. begleitet.

© Sachse Fernsehen

Rund um die Bühne und das Luther-Denkmal stehen außerdem fünf Themenzelte zum Schauen, Schwatzen und Ausprobieren. Sie tragen Titel wie „Muße und Musik“, „Leben, lieben, hoffen“ oder „Hilfe von nebenan“ und zeigen beispielhaft etwas von der generationsübergreifenden kirchlichen Arbeit in Dresden. Die Themenzelte werden gestaltet von der Evangelischen Studierendengemeinde, der Krankenhausseelsorge, der Kirchenmusik, der Evangelischen Jugend, der Diakonie-Stadtmission Dresden, dem Sächsischen Epilepsiezentrum in Kleinwachau, der Diakonissenanstalt und dem Referat „anders wachsen“ im Ökumenischen Informationszentrum.

Die Festbesucher sind selbst auch gefragt, was sie als nächstes reformieren wollen. „Denn die Lerngeschichte der Reformation dauert bis heute an und entwickelt sich auch in Zukunft fort“, so Albrecht Nollau.

Auch die Frauenkirche bringt sich in die Gestaltung des Reformationsfesttages ein. Am Morgen predigt der Landesbischof im Festgottesdienst. Am Nachmittag ab 13 Uhr steht die Kirche allen offen, die bei Wort und und Orgelklang mehr über den typisch lutherischen Sakralbau erfahren möchten. Der Eintritt ist frei; die Programmblöcke beginnen zwischen 13 und 17.00 Uhr jeweils zur vollen und halben Stunde. Musikliebhaber seien zudem darauf hingewiesen, dass schon am Samstag bzw. am Montag Konzerte aus Anlass des Reformationsjubiläums stattfinden.

Vorprogramm am 31. Oktober ab 14.30 Uhr

Bereits im Vorfeld ab 14. 30 Uhr bringen Sängerinnen und Sänger verschiedener Dresdner Kirchenchöre, die Ökumenische Kantorei, der Seniorenchor Jubilate, Posaunenbläser verschiedener Kirchgemeinden und der Sächsischen Posaunenmission an drei verschiedenen Plätzen auf dem Neumarkt unter dem Motto „Dresden singt und bläst“ evangelische Kirchenmusik Dresdner Komponisten aus den vergangenen 500 Jahren zu Gehör. Paare des Tanzkreises „1-2-3-Tanzstunden“ des Kirchspiels Dresden-Neustadt präsentieren einen (Re-)Formationstanz der Renaissance-Zeit, in den sich eingereiht werden kann.

Der Zutritt zu Bühne und Zelten ist frei.

Das Fest bildet den Höhepunkt eines prall gefüllten Tages: In der Kreuzkirche endet am Morgen eine Kinder-Kirchennacht, bei der sich 100 Kinder mit einem Musical und verschiedenen erlebnispädagogischen Angeboten auf die Spuren Martin-Luthers begeben. In Dresden-Briesnitz werden die neu gegossenen Glocken geweiht und erklingen erstmalig im Gottesdienst. In Bannewitz feiert der Posaunenchor sein 10-jähriges Jubiläum. Mancherorts, wie in Johannstadt oder Leuben, finden ökumenische Gottesdienste statt.

Am Abend, ab 18 Uhr, lädt das Kirchspiel Dresden-Neustadt zu einem Familienfest an den Martin-Luther-Platz ein.

Mit dem 31. Oktober 2017 endet zugleich auch in Dresden die zehnjährige Reformationsdekade mit vielfältigen Veranstaltungen und Angeboten in Kirchen, aber auch anderen kulturellen Institutionen der Stadt, wie beispielsweise der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek, der Volkshochschule, dem Dresdner Geschichtsverein oder den Staatlichen Kunstsammlungen. „Die Öffentlichkeit ist damit auf vielfältige Weise nicht nur an ein bahnbrechendes Ereignis vor 500 Jahren erinnert worden“, so Albrecht Nollau. „Zugleich wird deutlich, dass die Reformation nicht nur ein historisches Ereignis ist, sondern ein Prozess und ständige Suchbewegung.“