Die MS Frieda steuert einen neuen Kurs an

Leipzig – Manch Leipziger kann sich vielleicht noch daran erinnern. Vor über 40 Jahren war der „Ausflugsdampfer“ MS Leipzig am Kulkwitzer See noch ein beliebtes  Ausflugsziel.

1971 wurde der ausrangierte Elb-Saale-Lastkahn in drei Teile geschnitten, ans Land gebracht und ’74 zum „Ausflugsdampfer“ ausgebaut. Damals eine wichtige Institution für den Naherhohlungsraum im neu geschaffenen Stadtteil Grünau. Bis zu zwei Jahre wartete man hier schon mal auf eine Reservierung im Bord-Restaurant. Regelmäßige Tanz-Tees unter Deck und kulinarisch-mediterrane Speisen unterhielten hier die Bürgerinnen und Bürger im sozialistischen Staat.

Doch mit der Wiedervereinigung Deutschlands änderte sich so Einiges – auch für den damals so beliebten Dampfer. Volker Uhlendorf, seit drei Jahren der neue Geschäftsführer an Bord der heutigen „MS Frieda“, erzählt von der image-schädigenden Geschichte des mittlerweile 100 Jahre alten Kahns.

„Da kam nämlich nach der Wende gleich als erster Freischaffender ein Chinese rein. Der hielt sich so, meiner Erinnerung nach, zwei Jahre. Ist dann leider unter dem abgebrannt. Da war irgendwo ein Defekt in der Leitung. Und dann nahm das Unglück für das Schiff hier seinen Lauf. Dann wurde es ein verbrannter Standort. So wurde es dann immer mehr zur Ruine. Wir sind hier jetzt seit drei Jahren und versuchen es wieder in diese Zeit zu versetzen, als das hier insgesamt am Kulki noch eine Hochburg war“, erzählte Volker Uhlendorf, Geschäftsführer der MS Frieda.

Mit Themenabenden und Themenwochen für die breite Masse steuert Volker Uhlendorf einen neuen Kurs an. Ihm und seinem Team ist es aber auch wichtig, Glanz und Gloria der alten Zeiten neu aufleben zu lassen. So findet hier seit geraumer Zeit jeden Freitag die damals schon beliebte Tanzparty im Schiff statt.

„Wo können wir denn noch tanzen gehen? Die Jugenddiskotheken sind nichts mehr für uns, also wo können wir tanzen gehen? Da haben wir uns gedacht, wir machen das hier auf dem Schiff von 19 bis 0 Uhr, wie das früher war, die ganz normale Öffnungszeit, das ist für niemanden zu lange und die Leute haben Freude und Spaß. Hier in der Atmosphäre kann man herrlich essen, kann tanzen, kann sich vielleicht verlieben, man weiß es ja nicht. Alles wäre möglich. Wir wünschen unseren Gästen viel Spaß und hoffen, dass sie zahlreich kommen werden“, so Rolf Ceder, Schiffs-DJ.

„Die Bevölkerung hat sich die Jahre über mit einem weinenden Auge abgedreht. Uns ist es gelungen, die Bevölkerung wieder ein bisschen an diesen Punkt ranzuführen, weil dieses Schiff wirklich ein verbrannter Standort war. Die Leute haben das hier aus den 80er Jahren noch sehr positiv in Erinnerung. Da möchten wir es auch gerne wieder hinführen. Das ist für uns noch ein sehr langer Weg. Wir möchten diese Arbeit natürlich nicht nur so für uns machen, sondern haben uns auch vorgenommen der Bevölkerung so ein Stück Historie wiederzugeben“, erklärte Volker Uhlendorf.

Aus der Kombüse des Schiffs werden – wie früher – vor allem Fischspezialitäten gereicht und für den schnellen Hunger der Badegäste hat die Imbissbude immer eine Wurst parat.

Die MS Frieda – ehemals ein Wrack – sticht  jetzt metaphorisch, mit neuem Konzept und frischem Westwind wieder in See.