Die Zigarette am Morgen

Jeder Raucher kann es nachvollziehen. Wenn der Tag beginnt, bereitet man seiner Freundin und sich ein leckeres Frühstück zu mit heißem Kaffee und frischen Brötchen. Doch dann der Weg zum Balkon, um sich seiner ersten Zigarette des Tages zu nähern. Die wichtigste Zigarette wie ich finde. Doch leider soll es heute etwas schwieriger sein.

Noch am gestrigen Dienstag Abend war alles normal. Meine letzte Zigarette gegen 23:00 Uhr konnte ich wie gewohnt auf meinem Balkon im Dachgeschoss genießen. Heute früh klingelte 07:15 Uhr mein Wecker. Nach einer viertel Stunde hin und her war ich endlich soweit, meinen Körper in eine vertikale Lage zu bewegen und begann damit, das Frühstück für mich und meine Freundin vorzubereiten. Sie war bereits nach dem ersten Klingeln auf den Beinen und blockierte das Badezimmer. Bis zu diesem Zeitpunkt war immer noch alles in einem für mich normalen Rahmen. Die Kaffeemaschine fing an zu gluckern und die Brötchen, welche ich gestern Abend vom Bäcker gekauft hatte, vernebelten die Wohnungen mit einem sehr angenehmen Backgeruch. Schnell den Tisch gedeckt mit verschiedensten Leckereien und schon konnten wir beide dem Genuss eines gelungenen Frühstücks frönen.

Nach einer Weile fing meine Freundin an, den Tisch mit all den Kostbarkeiten wieder abzuräumen. Mich durchdrang ein bekanntes Gefühl, welches mir an jedem Morgen begegnete, zumindest in den Monaten im Jahr, wo ich als Raucher in den Alltag gehe. Der Drang zur ersten Zigarette am Tag. Jeder Raucher kennt dieses Gefühl. Unvergleichbar mit jeder anderen Zigarette am Tag. Die Erste ist die Beste.

Also aktivierte ich meine noch etwas schlaksigen Beine und machte mich auf in Richtung Balkon. Ich zähle zu den Rauchern, welche lieber im Freien rauchen. Nicht nur um die Wohnungseinrichtung zu schonen, sondern weil eine Zigarette so einfach besser schmeckt. Da unsere Wohnung im Dachgeschoss liegt, gehe ich nicht mehr vor die Tür, sondern lieber auf gleicher Ebene auf unseren Balkon, wo man im Normalfall den ganzen Tag in die Sonne blicken kann, wobei man da vorsichtig sein sollte, das soll nicht gut für die Augen sein. Aber an dieser Stelle ist der Normalfall außer Kraft gesetzt. Denn der Weg zum Balkon bleibt mir erst einmal verwehrt. Gut 50cm Schnee liegen direkt an unserer Balkontür und dahinter türmen sich mindestens 80cm Schnee. Unseren Weihnachtsbaum hat es förmig verschlungen und ragt nun noch etwas schräg aus dem Schnee-Haufen heraus. Vorsichtig öffnete ich die Tür. Ich hatte Glück, denn die Schneemassen wollten mich nicht direkt verschlingen. Die Schneewand von der Tür blieb steif stehen und ich konnte mit viel Gefühl den Schnee mit einer kleinen Schaufel soweit entfernen, dass ich mit meinen Bade-latschen und ohne Socken wenigstens so im freien stehen konnte, dass ich die Tür hinter mir schließen konnte. Diese Prozedur dauerte jedoch eine Weile. Ständig wurde ich von Schneewehen erwischt und sah in kürzester Zeit aus, wie ein mit Schneespray behandelter Weihnachtsbaum.

Egal, dachte ich mir. Meine Füße waren mittlerweile wieder zu geschneit, aber in irgend einer Weiße soll Schnee ja auch wärmen. Ich konnte nun nach dieser Morgengymnastik damit beginnen, meinen Tag mit einer Morgenzigarette in die Gänge zu bringen. Zigarette und Feuerzeug bereits bei der Hand, beginne ich den doch kurzen Zyklus einer Zigarette ins Rollen zu bringen. Ich ziehe drei vier mal an dieser Zigarette und bin wirklich wieder zufrieden. Durch eine unüberlegte Handbewegung steckte ich jedoch meine Guten-Morgen-Zigarette zwischen Weihnachtsbaum und Schnee. Nicht so schlimm, kurz und kräftig abgepustet und weiter gehts. Die Zigarette nimmt eine etwas komische Form an, doch egal, es raucht und schmeckt weiterhin. Leider konnte ich aus meinem Fehler nicht lernen und es geschah noch einmal. Wieder voll in den Schnee eingetaucht. Langsam sah die Zigarette nicht mehr genießbar aus doch voller Frustration rauchte ich diesen Glimmstängel mit der Hilfe von Feuerzeug und sehr viel Zugkraft.

Ich werde wohl das Rauchen wieder auf geben. Ist auf jeden Fall gesünder, sparsamer und wie dieses Beispiel zeigt, verringert es auch die Gefahr sich zu erkälten oder gar vom Schnee eingeschlossen zu werden.