Die Zukunft der Medizin ist digital

Das Thema ärztliche Versorgung betrifft jeden Bürger. Das gilt auch im Freistaat Sachsen – und wie in anderen Bundesländern auch herrscht hier ein Mangel an ärztlichem Nachwuchs. Einige aktuelle Zahlen: Insgesamt arbeiten in Sachsen rund 2600 niedergelassene Hausärzte. Davon sind 44 Prozent älter als 60 Jahre. In den nächsten fünf bis sieben Jahren wird demnach knapp die Hälfte der Allgemeinmediziner aufhören.

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Das bedeutet für alle anderen niedergelassenen Ärzte natürlich Mehrarbeit: mehr Patienten, mehr Termine, mehr Organisation. Tools wie der digitale Terminmanagementservice Doctolib hilft hierbei den Ärzten, ein besseres Praxismanagement zu entwickeln. Damit spart man Zeit, Nerven und erhöht zeitgleich den finanziellen Mehrwert.

Organisations-Tools, mit denen sich auch die Zusammenarbeit zwischen Fachärzten wie Orthopäden und von Sanitätshäusern organisieren ließe, sind aber nicht das einzige Mittel, wie die Arztpraxis mithilfe der Digitalisierung effizienter arbeiten kann. Das ist auch dringend nötig. Denn mit Stand von heute sind Allgemeinarztpraxen vor allem auf Akutfälle ausgelegt. Chronisch Kranke beispielsweise kommen dagegen oft zu kurz. Genau für solche Fälle kann Tele-Monitoring ein echter Fortschritt sein. Denn dabei werden wichtige Vitalwerte elektronisch erfasst, in die Krankenakte eingespeist und können vom Arzt jederzeit abgerufen werden. Der entsprechende Patient muss dann tatsächlich nur noch im Bedarfsfall in die Praxis kommen – und nicht mehr zu regelmäßigen Checks.

Umfassende Bereiche betroffen

Für alle Patienten, aber auch für das Praxis-Team eine echte Erleichterung ist die Möglichkeit der Online-Terminbuchung. Diese ist mit der Möglichkeit gekoppelt, Termine per SMS oder Mail zu verschieben. Auch eine Verzögerung kann so schnell und einfach kommuniziert werden.

Auch Videosprechstunden sind ein Modell, was in Zukunft wohl vermehrt Einzug in Arztpraxen halten wird. Vor allem in ländlichen Gebieten mit einer schlechten Verkehrsanbindung durch Bus und Bahn erspart das dem Patienten lästige Wege. Der Arzt hingegen kann Videosprechstunden so legen, dass der normale Praxisbetrieb darunter nicht leidet.

Bei diesen Möglichkeiten, die der digitale Praxisalltag mit sich bringt, verwundert es nicht, dass Ärzte dieser Entwicklung positiv gegenüberstehen. Das zeigte sich auch im Digitalisierungsreport der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK): So hielten beispielsweise 52 Prozent die digitale Gesundheitsakte eines Patienten, in der auch Befunddaten anderer Ärzte einsehbar sind, für eine Erleichterung der eigenen Arbeit. 51 Prozent waren der Ansicht, dass die Behandlungs-Qualität durch den verbesserten Informationsstand verbessert würde.

Die Vorteile der Digitalisierung in Arztpraxen betreffen ganz unterschiedliche Bereiche: Sie macht es möglich, dank Vernetzung mehrerer Mediziner Krankheiten schneller zu diagnostizieren und interdisziplinäre Therapiekonzepte zu entwickeln. Sie vereinfachen das Leben von Arzt und Patienten durch messbare Zeitersparnis und gibt Patienten zudem die Sicherheit, ihren Arzt bei Bedarf virtuell erreichen zu können.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der immer mehr ältere Menschen mit sich bringt, kommt der Digitalisierung auch deshalb in Zukunft mehr Bedeutung zu: Sie sichert hochwertige und bezahlbare Versorgung – auch abseits der Ballungsräume. Denn damit haben auch Patienten in ländlichen Gebieten die Möglichkeit, mittels Telemedizin Zugang zu breit gefächerter medizinischer Expertise zu bekommen.

Patienten befürworten Digitalisierung

Aber wie denken eigentlich Patienten über die digitale Zukunft bei ihrem Hausarzt? Auch darüber gab es bereits eine Studie: Unter dem Titel „Digitalisierung der Arztpraxis zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ befragte das Meinungsforschungsinstitut Dynata im vergangenen Jahr 1067 Patienten zu diesem Thema. Dabei stellte sich heraus, dass Maßnahmen wie das E-Rezept, das den Gang in die Praxis ersetzen kann, auf der Wunschliste der Patienten ganz oben steht. Beinahe zwei Drittel der Befragten würden ihre Rezepte gern online bekommen. 75 Prozent hielten digitale Angebote eines Arztes zudem für einen guten Service, für 66 Prozent wäre das sogar ein echtes Kriterium für die Wahl ihres Mediziners.

Befragte, die den digitalen Services in der Praxis bereits nutzen, waren von diesen überzeugt: Für 96 Prozent erwies sich die elektronische Terminbuchung als hilfreich, für 93 Prozent galt dies für das E-Rezept. 82 Prozent schätzten besonders die Videosprechstunde.

Skeptisch sind Ärzte und auch Patienten allerdings bei einem Thema, was eng mit der digitalen Zukunft der Medizin zusammenhängt: dem Datenschutz. Um für Rechtssicherheit zu sorgen, hat das Bundeskabinett im vergangenen Jahr das digitale Versorgungsgesetz verabschiedet. Dieses soll die IT-Sicherheit bei Ärzten stärken. Darüber hinaus wurde festgelegt, dass das Sozialgesetzbuch in Hinblick auf Patientenakten mit einem eigenen Gesetz angepasst wird, damit sensible Gesundheitsdaten umfassend geschützt werden.

Eins gilt als sicher: Der Ärztemangel in Sachsen und in anderen Bundesländern wird auch in der nächsten Zeit ein Thema sein. Da ändern die Maßnahmen der Landesregierung zeitnah auch nichts: Sie hat nämlich beschlossen, jungen Menschen das Medizinstudium von in Ungarn zu ermöglichen. Voraussetzung ist, dass diese bereit sind, nach ihrem Abschluss in den ländlichen Regionen des Freistaats zu arbeiten.