Dokumentation über Jorge Gomondai bei den IKT

Dresden - Filmvorführung bei den Interkulturellen Tagen Dresden. Ein Paar Halbschuhe, eine Hose, ein Gürtel, ein Paar Herrensocken und einige Kleidungsstücke mehr. Das sind die Reste, die von Jorge Gomondai übrig geblieben sind. Er steht in Dresden als Sinnbild rassistischen Hasses nach der Wende. Der Mosambikaner starb am 6. April 1991 nach einem Neonazi-Angriff in einer Dresdner Straßenbahn.

Diese Tat hat der Regisseur Matthias Heeder in der Dokumentation „Jorge - Tod eines Vertragsarbeiters“ aufgearbeitet. In der Dokumentation spricht er mit Zeitzeugen, Jorges Familie und Augenzeugen. Emotional eine Achterbahnfahrt für alle Beteiligten. Heeder war zum Dreh als Westdeutscher in Dresden, doch das Werk sollte nicht als Belehrung verstanden werden. Er erklärt, er mache keine Filme, um die Gesellschaft zu erziehen, sondern um Zeitdokumente anzufertigen. Es sei nie die Absicht gewesen, den Ostdeutschen eventuelle Fehler vorzuhalten.

Der Film wurde im Rahmen der Interkulturellen Tage im Haus an der Kreuzkirche vor einem nachdenklichen und gerührten Publikum gezeigt. Auch Emiliano Chaimite verfolgte den Film. Wie Jorge kam er als Vertragsarbeiter nach Dresden. Wenige Tage nach seiner Ankunft in der sächsischen Landeshauptstadt geschah der Überfall. An die Stimmung kann sich Emiliano noch gut erinnern. Er sagt, es hätte eine gut vernetzte Mosambikanische Community zu der Zeit gegeben, da nicht viele von ihnen in Dresden waren. Sie gaben sich Tipps zur Vorsicht, beispielsweise nicht bei Nacht in die Straßenbahn zu steigen. Als der Tod von Jorge und die Umstände dahinter bekannt wurden, sei es eine betrübte Stimmung der Angst gewesen. Sie hätten die Wohnheime dann erstmal nicht mehr verlassen.

Vertragsarbeiter hatten damals viel mit Fremdenhass zu kämpfen, berichtet Emiliano Chaimite. Ein Zustand, der heute wieder aktuell ist - doch er zeigt auch Zuversicht. Er erzählt, dass es heutzutage mehr Solidarität als früher gäbe. Früher habe man sich bei rassistischen Vorfällen alleine und hilflos gefühlt, doch heute gäbe es Orte, Momente und Anlässe, in denen Rassismus stärker und präsenter besprochen würden.

Der Film animierte die Zuschauer zum Nachfragen und belegt, dass das Thema Rassismus und Fremdenhass nach wie vor diskutiert und aufgearbeitet werden muss. Übrigens: Die Familie von Jorge Gomondai hat inzwischen eine Entschädigung bekommen. In Dresden erinnert heute der Jorge Gomondai Platz am Albertplatz seit 2007 an die Tat.