Für Kultur und Kommerz – Stadtrat beschließt „Dresdner Kulturinseln 2020“

Dresden - Der Dresdner Stadtrat hat am Donnerstagabend mit den "Dresdner Kulturinseln 2020" kurzfristig die Gründung eines Sommerfestivals in der Landeshauptstadt beschlossen. Ziel des Projektes ist es, den durch die Coronakrise stark eingebrochenen Tourismus anzukurbeln und die lokale Kulturszene zu stärken.

Es war keine leichte Geburt am Donnerstagabend in der MESSE Dresden. Doch am Ende konnte sich Oberbürgermeister Dirk Hilbert mit seinem Vorstoß der "Dresdner Kulturinseln 2020" durchsetzen.

Wie der Stadtrat beschloss, soll Dresden, dessen Tourismus- und Kulturszene von den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie stark betroffen sind, wieder zu einem echten Kulturparadies aufblühen. Für insgesamt eine halbe Million Euro wird in nicht einmal einem Monat ein Sommerfestival an 12 Standorten stattfinden, dass wieder mehr Touristen nach Dresden locken soll. In Pagodenzelten soll jede volle Stunde ein musikalischer Auftritt von ca. 20 Minuten zu erleben sein. Die Besucher sollen zwischen zwei Themenrouten wählen können, die entweder Shopping und Entertainmentangebot der Landeshauptstadt in den Blick rücken, oder Kultur und Sehenswürdigkeiten Dresdens in den Vordergrund stellen. Bewerben kann sich jeder Künstler aus dem PLZ-Raum 01. Entstehen soll so ein breites künstlerisches Angebot aus Hochkultur, Straßenmusik, Tanz und Schauspiel. 

An dem Vorstoß des Oberbürgermeisters entbrannte im Vorfeld aufgrund der Vorgehensweise fraktionsübergreifend heftige Kritik: Ärger gab es einerseits, weil die "Kulturinseln" von drei privaten Werbeargenturen konzeptioniert und durchgeführt werden sollen, unter anderem von der Agentur Schröder, deren Chef Frank Schröder ein Vertrauter Hilberts ist. Mehr noch kritisiert vor allem die linke Hälfte des Stadtrats, dass der Oberbürgermeister einerseits die Aufhebung der Haushaltssperre für den Kulturbereich verweigert und im Kulturetat schon empfindliche Kürzungen angekündigt hat, nun aber 500.000€ in genau jenen Bereich für "sein" Projekt übrig zu haben scheint. Damit überhaupt eine Mehrheit für die Kulturinseln zustande kam, drängten Grüne, Linke und SPD OB Hilbert umgehend zur Freigabe einer weiteren halben Million Euro für "die unmittelbare Unterstützung der lokalen Kunstszene". Dieses Sonderbudget "Kunst trotzt Corona" soll weitere ansässigen künstlerischen Projekte und Veranstaltungen im ganzen Stadtgebiet zu Gute kommen. Voraussetzung für eine Förderung sei aber hier ebenfalls eine lokale Verankerung der Kunstschaffenden und Kulturinstitutionen sowie eine direkte Betroffenheit durch die Corona-Lage.