Dresden bleibt Stadtarchitekten Andenken schuldig

Dresden - Urheberrechtsstreit und Kulturpalast – diese beiden Schlagworte verbinden wohl die meisten Dresdner mit Wolfgang Hänsch. Der Architekt aus Königsbrück ist 2013, kurz vor dem Umbau seines Aushängeprojekts, verstorben. Fernab vom Kulti hat Hänsch im Dresdner Stadtbild zahlreiche bauliche Spuren hinterlassen. Die Stadt kündigte nach seinem Tod an, dies "in einer Art und Weise zu würdigen, die angemessen ist". Sie lässt mit diesem Vorhaben bis heute auf sich warten.

 

Die Borsbergstraße in Striesen, Grunaer Straße/Blochmannstraße in der Pirnaischen Vorstadt und sogar die wiederaufgebaute Semperoper mitten in der Altstadt - bei all diesen Bauwerken hatte Hänsch seine Finger mit im Spiel. Der Architekt Wolfgang Hänsch hat zweifelsohne seine Spuren in Dresden hinterlassen. Den Namen sucht man im Dresdner Stadtbild allerdings vergeblich.

Das „Haus der sozialistischen Kultur“, heute besser bekannt als Kulturpalast oder Kulti, werden wohl noch die meisten mit ihm in Verbindung bringen.

 

© Sachsen Fernsehen

1962 wurde er Chefarchitekt für das Kulturhaus im Herzen der Stadt. Der große Festsaal war zur Eröffnung 1969 eine Sensation. Der viel gefeierte Mehrzwecksaal genügte spätestens in den 90er Jahren nicht mehr den akustischen Anforderungen für Sinfoniekonzerte. In den Folgejahren begannen die Planungen um den Umbau des Kulturtempels mit einem Nutzungsmix aus Bibliothek, Kabarett, Serviceeinrichtungen und eben Konzert- statt Mehrzwecksaal. Das wollte Hänsch bis zu seinem Tod am 16. September 2013 mit allen Mitteln verhindern. Den Abriss des Mehrzwecksaals konnte er nicht abwenden. Knapp einen Monat nach seinem Tod begann die Stadt Dresden mit dem Umbau des Kulturpalastes.

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In einem Interview mit DRESDEN FERNSEHEN äußert die die damalige Oberbürgermeisterin Helma Orosz am Rand des feierlichen Baustarts:

"Es ist ganz klar, dass Herr Hänsch - ein Teil der Zeitgeschichte [...] - seine deutlichen Spuren in Dresden hinterlassen hat. Und es ist für uns selbstverständlich, dass wir das in einer Art und Weise würdigen, wie es angemessen ist. Es gibt da mehrere Möglichkeiten, über die im Moment gemeinsam mit dem Stadtrat diskutiert wird."

Seit Ende April sind die Baugerüste am Kulturpalast gefallen. Der Kulti steht Besuchern wieder offen, die Philharmonie hat einen akustisch hochwertigen Konzertsaal. Doch was ist aus dem Andenken an Wolfgang Hänsch geworden? Auf Anfrage von Dresden Fernsehen teilt die Landeshauptstadt mit:

"Die Leistung Wolfgang Hänschs und anderer Personen, die an der Errichtung des Kulturpalastes 1969 mitgewirkt haben, wird u. a. in der derzeit laufenden Sonderausstellung des Stadtmuseums dokumentiert. Im Begleitprogramm zur Ausstellung finden z.B. auch Führungen und Vorträge statt, in denen die Rolle Wolfgang Hänschs thematisiert wird. Die Festschrift [vom] Eröffnungswochenende, beschreibt die Leistung Wolfgang Hänschs ebenfalls an geeigneter Stelle."

 

Wolfgang Hänsch hat das Nachkriegs-Dresden baulich geprägt wie nur wenige. Bauwerke wie das Kinderkaufhaus an der Wallstraße sind mittlerweile bereits Neubauten gewichen. Andere wurden saniert und heutigen Gestaltungsansprüchen angepasst. Zwei komplette Dresdner Straßenzüge tragen bis heute die Handschrift des Architekten. Beim Wiederaufbau Dresdens hat er sich bei Semperoper und Schauspielhaus verdient gemacht - Viele Bauwerke und kaum ein Dresdner bringt sie mit dem Architekten in Verbindung.

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Dem Erbauer der Frauenkirche George Bähr widmet Dresden eine Straße. Die von Peter Joseph Lenné umgestaltete Bürgerwiese war der Stadt ein Platz wert. Für Wohn- bzw. Geschäftshäuser, Kulturpalast und Haus der Presse gibt es bisher eine Sonderausstellung sowie eine Erwähnung an „geeigneter Stelle“ in einer Festschrift. Wohlgemerkt ohne Foto.

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