„Dresden für Alle“ kritisiert Situation im Zeltlager in Dresden-Friedrichstadt

Nach vier Tagen des Freiwilligenmanagements im Zeltlager für Geflüchtete in Dresden-Friedrichstadt zieht das Netzwerk „Dresden für Alle“ ein erstes Zwischenfazit. Mehr dazu unter www.dresden-fernsehen.de +++

„Einerseits“, so Eric Hattke, Sprecher des Netzwerks „Dresden für Alle“, „sind wir sehr beeindruckt von der unglaublichen Hilfsbereitschaft der Menschen und Vereine. Nach wie vor werden Kleidung und andere Gegenstände für die Geflüchteten gespendet, und immer wieder bieten Menschen freiwillig ihre persönliche Hilfe an. Dafür sind wir unheimlich dankbar.“

Auch die Helfer des DRK gehen in ihrem Engagement an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit.

„Andererseits ist die vom Staatsministerium des Innern angeordnete Errichtung des Zeltlagers über Nacht eine logistische Überforderung. Die extrem beengte Unterbringung in Zelten auf einem dafür ungeeigneten Grundstück ist weder unter hygienischen, sozialen noch unter Sicherheits-Aspekten zu verantworten“ so Hattke weiter.

Maha Mahmood, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Ausländerrats Dresden e.V., kommuniziert seit Ankunft der ersten Busse in mehreren Sprachen mit den Geflüchteten und wirkt an der Koordination der ehrenamtlichen Übersetzer mit: „Ohne unsere direkte Ansprache in den Muttersprachen der Geflüchteten wäre der Zeltlager-Alltag nicht zu bewältigen.“

Ali Mouradi, Geschäftsführer des Sächsischen Flüchtlingsrats, kritisiert die hygienischen Zustände: „Im Interesse der Gesundheit von Geflüchteten und Helfern muss sofort u.a. ein regelmäßige Müll-Entsorgung gewährleistet werden. Hier ist nicht allein das DRK, dessen Helfer bis an die Grenzen ihrer Leistungskraft arbeiten, sondern auch das Innenministerium selbst in der Pflicht.“

Dr. Dietrich Herrmann, Dresdner Politikwissenschaftler und gegenwärtig einer der Mitkoordinatoren von Freiwilligen, beklagt die fehlende Anerkennung des Freiwilligen-Engagements: „Das Potenzial der freiwilligen Helferinnen und Helfer hinsichtlich ihrer Leistungsbereitschaft, ihrer Kreativität und in sehr vielen Fällen auch ganz spezifischer Fachkenntnisse ist fast unbegrenzt. Das Freiwilligen-Engagement im Freistaat Sachsen als gleichwertig anzuerkennen und (analog zu anderen Bundesländern) mit entsprechenden vom Staat unabhängigen Koordinationsstrukturen auszustatten, ist seit langem überfällig.“

Völlig unklar ist der weitere Verbleib der Geflüchteten. Nach jetzigem Stand werden manche Geflüchtete zur behördlichen Erfassung und medizinischen Untersuchung nach Chemnitz wieder zurück gebracht. Ob angesichts der sehr großen Zahl von Geflüchteten in Dresden und Umland (u.a. Freital und Grillenburg) zeitnah diese Verfahrensschritte auch in Dresden vorgenommen werden sollen, ist nicht bekannt.

Das Netzwerk „Dresden für Alle“ muss unter diesen schwierigen Konstellationen die Mit-Verantwortung für das Wohlergehen der geflüchteten Menschen schweren Herzens an den DRK-Landesverband geordnet übergeben. „Das heißt aber nicht, dass den Menschen nicht mehr geholfen wird. Ordentliche Helfer- und Übersetzerlisten wurden dem DRK übergeben. Die Helfer vor Ort sollen weiterhin koordiniert werden. Kein Politiker, weder in Sachsen noch in Deutschland, darf solch ein Zeltlager für eine gute Lösung halten“ erklärt Eric Hattke abschließend.

Das Staatsministerium des Innern sollte einen klaren und festen Ansprechpartner vor Ort benennen, der die Entscheidungsfunktion innerhalb des Zeltlagers innehat. Eine bloße Aufgabenübergabe an das DRK wird der Verantwortungen des Landes nicht gerecht.

Hintergrund:
Das Netzwerk „Dresden für Alle“ hat seit Freitag, 24.7. sehr kurzfristig ein vielfältiges Management von Helferinnen und Helfern aufgebaut, das in Partnerschaft mit dem Deutschen Roten Kreuz, Landesverband Sachsen die Menschen betreut, die im Zeltlager für Geflüchtete in der Dresdner Friedrichstadt kurzfristig und notdürftig untergebracht sind. Die wichtigsten Tätigkeitsfelder umfassen erstens die Vermittlung von freiwilligen Übersetzerinnen und Übersetzern mit unterschiedlichsten Sprachkenntnissen, die mit den Geflüchteten sprechen, deren Bedürfnisse insbesondere hinsichtlich Gesundheit, Ernährung, Hygiene, Kleidung abklären. Eine zweite Gruppe von Helferinnen und Helfern nimmt die zahlreichen Sachspenden (vor allem an Kleidungsstücke) von Dresdner Bürgerinnen und Bürger entgegen, sortiert sie und übergibt die Spenden an die einzelnen Menschen im Zeltlager. Eine dritte Gruppe bereitet gegenwärtig Möglichkeiten zur Betreuung der Geflüchteten vor: Spiele mit Kindern und Familien sowie eigene Aktivitäten für Erwachsene. In kurzfristigen Aufrufen über Facebook konnten medizinisches Fachpersonal an das DRK vermittelt sowie Menschen mit Gesundheitszeugnis zur Unterstützung bei der Essensausgabe gewonnen werden.

Quelle: Dresden für Alle