Dresdner Bürger meiden Schlosspark Pillnitz

Selbst wenn man unterschiedliche Bedingungen bei den Befragungen bzw. Zählungen berücksichtigt, ist die Änderung im Besuchsverhalten der Dresdner Bürger im Schlosspark Pillnitz ;mehr als deutlich. Möglicher Grund ist die Einführung des Parkeintritts. +++

Dresdner Bürger meiden Schlosspark Pillnitz
So oder ähnlich könnte man nach einem Jahr die Reaktion der Dresdner auf die Einführung des Parkeintritts am 02.04.12 zusammenfassen. Zu dem bisher eher subjektiven Empfinden des Beobachters und der ortsansässigen Geschäftsleute liegen jetzt Zahlen verschiedener Befragungen und Zählungen vor.

Anteil Dresdner deutlich gesunken
Die Schlossverwaltung führt in der offiziellen Bilanz für 2012 Zahlen für die Herkunft der Parkbesucher an. Dresdner Bürger hatten demzufolge im Mai 2012 einen Anteil von 19%, die restlichen 81% sind Touristen aus dem In- und Ausland. Die Bürgerinitiative hatte im März 2012, dem letzten Monat vor Einführung des Parkeintritts, eine vergleichbare Erhebung durchgeführt. Damals waren noch 67% der Parkbesucher Dresdner.

Geänderte Spazierwege
Die übergroße Mehrheit der Dresdner Parkbesucher erreichen den Schlosspark aus stadtwärtiger Richtung über die Maillebahn. Sie kommen mit der Fähre bzw. mit dem DVB-Bus oder mit dem Auto bis zum Parkplatz an der ehemaligen Gleisschleife. Die Bürgerinitiative hat in Zählungen ermittelt, wie sich der Besucherstrom am Eingang Maillebahn aufteilt. Im März 2013 (ohne Parkeintritt) gingen 64% der Passanten in den Park hinein, 36% liefen an der Elbe entlang oder oberhalb am Park vorbei, z.B. in den Friedrichsgrund, zur Ruine oder auf den Leitenweg oberhalb der Weinberge. Im April 2013 (mit Parkeintritt) drehten sich die Anteile im Prinzip um. Nur noch 31% der Passanten gingen in den Park und 69% an der Elbe entlang oder oberhalb am Park vorbei.

Was leistet der Stadtrat?
Im Mai 2012 beauftragte der Stadtrat die OB Frau Orosz, bei allen verantwortlichen Stellen daraufhin zu wirken, dass der Schlosspark Pillnitz frei zugänglich bleibt. Noch hat Frau Orosz nichts Zählbares unternommen. Im Gegenteil, die Stadtverwaltung hält sich in der Problematik Schlosspark mehr als zurück. Angesichts der unveränderten Situation und der aktuell vorliegenden Zahlen erhebt sich die Frage, wie reagieren die Vertreter der einzelnen Parteien im
Stadtrat (und nicht nur die der CDU und FDP)? Wird die OB von ihm erneut beauftragt, dem vorhandenen Heimatverlust für uns Dresdner entgegen zu wirken?

Freude über das Erreichte
Trotz des aktuellen Zustandes freut sich die Bürgerinitiative über einige positive Entwicklungen. In zwei Wintermonaten war dieses Jahr ein freier Parkzutritt durch fast alle Tore möglich. Die hässlichen Kassenhäuschen aus dem Jahr 2012 sind verschwunden. Die Schlossverwaltung plant für 2013 das Freischneiden des Baumbewuchses an der Ruine über dem Leitenweg. Damit entsteht eine Sichtachse zu diesem wichtigen Teil des Gesamtkunstwerkes Pillnitz.

Arbeitsgruppe auf der Suche nach Finanzierungsalternativen
Der Reinerlös des Parkeintritts für 2012 liegt nach Berechnungen der Bürgerinitiative bei unter 300.000€. Seit Januar 2013 tagte mehrfach eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des sächsischen Finanzministeriums, der Schlossverwaltung und der Bürgerinitiative. Für die Bürgerinitiative ist es dabei die entscheidende Frage, ab welcher alternativen Finanzierungssumme die Schlossverwaltung überhaupt bereit ist, alle Parktore zu öffnen. Herr Dr. Striefler, Geschäftsführer der Schlossverwaltung, sieht die Pillnitzer Regelung als Erfolgsmodell. Für die
Bürgerinitiative ist die Regelung ein Schritt weg von der Kultur im Alltag hin zum Event für zahlende Touristen. Es muss verhindert werden, dass sie Schule macht, z.B. für Zwinger und Großen Garten. Auch hier ist der Freistaat Eigentümer und die Schlossverwaltung für die Bewirtschaftung verantwortlich.