Dresdner Philharmonie startet ins Jubiläumsjahr

Dresden - Die Dresdner Philharmonie startet mit angezogener Handbremse in ihre 150. Spielzeit, denn aufgrund der aktuellen Ausbreitung des Corona-Virus werden bis voraussichtlich 19. April alle städtischen Kulturbetriebe geschlossen. Die Feierlaune anlässlich des Jubiläumsjahres ließ sich von Covid-19 aber nicht ganz vertreiben, denn die neue Saison 2020/21 bietet zahlreiche musikalische Höhepunkte.

Die heutige Jahres-Pressekonferenz der Dresdner Philharmonie stand aufgrund der Corona-Krise unter besonderen Vorzeichen. Annekatrin Klepsch, Zweite Bürgermeisterin und Beigeordnete der Landeshauptstatd Dresden für Kultur und Tourismus, erläuterte zunächst aktuell ergriffene Maßnahmen der Stadtverwaltung in Bezug auf Kultureinrichtungen in Dresden (dazu versendet das städtische Presseamt eine gesonderte Pressemitteilung). Im zweiten Teil informierten Chefdirigent Marek Janowski und Intendantin Frauke Roth wie geplant über die künstlerischen Schwerpunkte der Dresdner Philharmonie in der Saison 2020/2021. Sie und Robert-Christian Schuster als Orchestervorstand  gaben dabei der Hoffnung und Zuversicht der Dresdner Philharmonie Ausdruck, bald wieder live für ihr Publikum  da sein zu können.

Die neue Spielzeit 2020/2021 wartet mit zahlreichen Höhepunkten auf. So wird die Dresdner Philharmonie unter der Leitung von Marek Janowski im Oktober 2021 Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ im Kulturpalast konzertant aufführen, als Solisten konnten u. a. Catherine Foster, Emily Magee, Marina Prudenskaya, Greer Grimsley, Jochen Schmeckenbecher und Vincent Wolfsteiner gewonnen werden. Der Vorverkauf für diese Konzerte beginnt bereits am 4. Mai 2020.

Mit "Herztöne" greift die Philharmonie zum Saisonstart das Beethoven-Jubiläum auf. „Von Herzen - Möge es wieder - zu Herzen geh’n!“ – diese Widmung schrieb Beethoven auf die erste Seite der Partitur seiner Missa solemnis. Für die Dresdner Philharmonie ist sie Motto für ein mehr als eine Woche umspannendes Festival unter dem Titel „Herztöne“, mit dem auch jede künftige Konzertsaison eröffnet werden soll.In diesem Jahr sind die Programme dem „Spätwerk“ und späten Werken Beethovens und anderer Komponisten gewidmet. Leitend ist die Frage, wie sich in ihnen menschliche Extremsituationen spiegeln. Marek Janowski und die Dresdner Philharmonie werden mit Aufführungen der Missa solemnis das Festival eröffnen und es mit sämtlichen Klavierkonzerten Beethovens auch beschließen. Darüber hinaus sind zahlreiche weitere Veranstaltungen und Konzerte geplant: In einem Podiumsgespräch mit „Praktikern“, Musikwissenschaftlern und Medizinern geht es um gesangliche Herausforderungen im Spätwerk Beethovens. Der Pianist Stefan Wirth spielt die Neunte Sinfonie Gustav Mahlers in einer Klavierbearbeitung von Albert Breier. Julian Prégardien singt Schuberts „Winterreise“ (in der komponierten Interpretation von Hans Zender), auch das ein Werk, das um Grenzerfahrungen kreist. Luigi Nonos Streichquartett „Fragmente – Stille, An Diotima“ wird vom Quatuor Diotima dem Beethovenschen Streichquartett op. 132 gegenübergestellt. Außerdem sind Gespräche mit Künstlern und Experten, Filmvorführungen und eine HörBar geplant.

„Geschichtsmomente“ - Thementage am 2. und 3. Oktober 2020: Mit zwei Thementagen setzt die Dresdner Philharmonie ihre erfolgreich begonnene Reihe mit Kompositionen aus der DDR-Zeit fort. Passend zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit werden sie diesmal unter dem Motto „Geschichtsmomente“ Werken zeitgenössischer westdeutscher Komponisten gegenübergestellt. Den Höhepunkt bildet die Uraufführung Christfried Schmidts Sinfonie Nr. 2 „In memoriam Martin Luther King“ aus dem Jahr 1968(!). Im selben Konzert erklingt Bernd Alois Zimmermanns „Ekklesiastische Aktion“ aus dem Jahr 1970. Des Weiteren sind Gesprä­che, Lesungen und Filmvorführungen vorgesehen. Darüber hinaus widmet sich ein Abend mit dem Pianisten und Komponisten Steffen Schleiermacher Klaviermusik und Literatur aus Ost und West. „Klangszenen I“ von Friedrich Goldmann ist Teil eines Orchesterkonzerts unter der Leitung von Sebastian Weigle.

Ur- und Erstaufführungen: Auch in der kommenden Saison ist zeitgenössische Musik wesentlicher Bestandteil der Pro­gram­me der Dresdner Philharmonie. Mit „Piogge diverse“ (Arten des Regens) hebt die Dresdner Philharmonie anlässlich ihres 150-jährigen Jubiläums unter der Leitung von Marek Janowski ein neues Werk von Salvatore Sciarrino aus der Taufe. Im Rahmen der „Geschichtsmomente“ spielt das Scharoun Ensemble auf Einladung der Dresdner Philharmonie die Uraufführung der Kammermusik XVII (2015) von Paul-Heinz Dittrich. Außerdem bringt es die „Drei Stücke für Ensemble (2018)“ von Mark Andre zur Dresdner Erstaufführung. Die Filmmusik von Rainer Promnitz zu „Schattensucher“ erlebt die Uraufführung der Neufassung. Das bei der Ruhrtriennale 2018 uraufgeführte Oratorium-Melodram „Maria – Eine Vertreibung“ von Jan Müller-Wieland wird unter der Leitung von Thomas Hengelbrock in Dresden erstmals aufgeführt. Ein neues Schlagzeugkonzert für Martin Grubinger von Daniel Bjarnason kommt ebenfalls zu Dresdner Erstaufführung.

Kammerkonzerte im Kulturpalast: Ab September 2020 findet ein Großteil der Kammerkonzerte der Dresdner Philharmonie auf der Bühne des Konzertsaals statt. Dort sind nicht nur die Musiker positioniert, sondern auch das Publikum sitzt auf dem Podium und erlebt die Musiker und Musik hautnah. Der Saal des Kabarett-Theaters „Die Herkuleskeule“ im Kulturpalast wird als Kammermusik-Spielstätte stärker genutzt – das Publikum rückt auch dort nah an die Musik heran. Besondere Akzente setzen Programme wie Schuberts „Winterreise“ in Hans Zenders „komponierter Interpretation“ innerhalb des Festivals „Herztöne“, die Aufführung von Werken von Hanns Eisler und Rainer Promnitz live zu Filmen, die Präsentation von zwei Sinfonien Gustav Mahlers in Bearbeitungen für Klavier bzw. für Kammerensemble und die Einbeziehung von Tanz in ein Programm des Freien Ensembles Dresden. Außerdem sind hochkarätige Gastensembles zu erleben: darunter das Quatuor Diotima, das Scharoun Ensemble sowie Mitglieder des Collegium Novum Zürich.

Musik beginnt bei „ganz jung“ - Musikalische Bildungsangebote: Bereits in der aktuellen Saison hat die Dresdner Philharmonie ihr Bildungsangebot erheblich ausgebaut. Neben Besuchen von Musikern in Schulen, Probenbesuchen durch Schulklassen beim Orchester, Familienkonzerten mit Sarah Willis und Malte Arkona und der festen Partnerschaft mit der 139. Grundschule in Dresden-Gorbitz wurde und wird das Angebot von Schulkonzerten noch erweitert. Das Ziel: Jedes Dresdner Schulkind soll im Lauf seiner Schullaufbahn mindestens einmal ein Konzert im Kulturpalast mit großem Orchester erlebt haben. Damit sich das wirklich alle Eltern für ihr Kind leisten können, sind die Schulkonzerte ab der kommenden Saison entgeltfrei – ein Angebot, das von Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch und dem Dresdner Stadtrat maßgeblich unterstützt wird.

Philharmonische Chöre: Die Philharmonischen Chöre sind fester Bestandteil der Philharmonischen Familie und werden auch in der kommenden Saison mit eigenen Konzerten und in Partnerschaft mit dem Orchester besondere Akzente setzen. Bereits zum vierten Mal findet der „Dresdner Chortag“ im Kulturpalast statt, auf dem besondere Leistungen Dresdner Laienchöre mit dem von der Landeshauptstadt verliehenen Laienchorpreis gewürdigt werden. Dresdner Schulchöre sind wieder eingeladen, gemeinsam mit dem Philharmonischen Kinderchor ein Konzert zu gestalten. Traditionen wie „Sind die Lichter angezündet“, das Konzert des Philharmonischen Kinderchores am Heiligen Abend, und „Komm lieber Mai…“, das Frühlingskonzert, haben ebenso Bestand wie die musikalische Gestaltung eines Märchenstoffes: in der kommenden Saison „Die Brüder Löwenherz“, wozu ebenfalls die ganze Familie eingeladen ist. Höhepunkt der Saison für den Philharmonischen Chor ist seine Mitwirkung an der Neunten Sinfonie von Beethoven unter der Leitung von Marek Janowski, die zum Jahreswechsel dreimal erklingen wird. 

Bürgerchor am Kulti: Die Gründungsidee im Sommer 2019 war einfach: Dresdnerinnen und Dresdner jedes Alters finden sich in einem Chor im Kulturpalast zusammen und proben für ein bestimmtes Projekt. Mitmachen kann jede und jeder, einzige Voraussetzung ist die Freude am Gesang. Das Konzept hat sich bewährt, mittlerweile treffen sich regelmäßig ca. 150 Dresdnerinnen und Dresdner unter der Leitung von Gunter Berger zum gemeinsamen Singen, zu Begegnung und Austausch.

Jazz, Weltmusik, Musik und Literatur: Weit hinaus über das traditionelle philharmonische Programm gehen die Veranstaltungs­angebote auf dem Gebiet von Film und Livemusik, Literatur und Musik sowie Jazz und Welt­musik: Mit „Panzerkreuzer Potemkin“ wird ein wahrer Filmklassiker zu sehen sein, zu dem die Dresdner Philharmonie live die Musik spielt. Science-Fiction-Fans dürfen sich auf einen weiteren Star Wars-Film freuen („Das Imperium schlägt zurück“). Aber auch Liebhaber fast nie oder zu selten gezeigter Filme über Beethoven (im Rahmen des Herztöne-Festivals) und Kunstfilmen wie „Schattensucher am Schillerplatz“ (im Rahmen des Thementages am 3. Oktober) kommen auf ihre Kosten.

Auf Einladung der Dresdner Philharmonie präsentiert sich China Moses mit Band erstmals im Kulturpalast. Mit Spannung wird auch die musikalische Grenzgängerin Nesrine erwartet, die mit ihrem Gesang und ihrem E-Cello musikalische Traditionen rund um das Mittelmehr aufgreift und verarbeitet. Richard Galliano wird gemeinsam mit dem Philharmonischen Kammerorchester die Welt des argentinischen Tangos heraufbeschwören, und musikalische Tradition aus der entgegengesetzten Himmelsrichtung zieht in den Kulturpalast mit dem Chinesischen Neujahrskonzert ein.

Orgelkonzerte im Kulturpalast: Die Orgelsaison beginnt mit einem neuen Angebot: Orgel Late Night richtet sich an ein Publikum, das gern in den späteren Abendstunden ins Konzert geht. Holger Gehring wird die erste, Palastorganist Thierry Escaich die zweite Late Night gestalten. Darüber hinaus darf sich das Publikum auf Olivier Latry freuen, der sowohl am Harmonium als auch an der Orgel gemeinsam mit seinem Partner am Klavier Eric Le Sage zu erleben ist. Zu den besonderen Höhepunkten wird zweifellos ein Konzert mit Thierry Escaich zählen, der ein eigenes Werk sowie Werke von Bach, Schumann und Piazolla in Arrangements für Orgel und Saxophonquartett zur Aufführung bringt.

Kurt Masur Akademie: Die Orchesterakademie der Dresdner Philharmonie geht in ihre vierte Saison. Die Akade­misten stellen sich in zwei Kammerkonzerten mit eigenen Programmen vor und sind mit dem Philharmonischen Kinderchor im Weihnachtskonzert zu erleben.

Open Air an der Elbe: Im Sommer 2021 wiederholt die Dresdner Philharmonie ihr Gastspiel bei den Dresdner Filmnächten am Elbufer. John Storgårds dirigiert „Peer Gynt“, die Schauspielmusik zum gleichnamigen Dramatischen Gedicht von Henrik Ibsen. Franzobel, der Dresdner Stadtschreiber des Jahres 2020, schreibt dazu die Texte.

Vorverkaufsstarts: Aufgrund der aktuellen Corona-Krise werden die Vorverkaufsstarts der Dresdner Philharmonie verschoben. Sie werden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.

Weitere Informationen zum Programm und Vorverkauf finden Sie auf der Website der Philharmonie.