Dresdner SC gewinnt in Finalserie gegen Vilsbiburg

Beim Auftakt der Finalserie der Volleyball-Bundesliga der Frauen hat Vizemeister Dresdner SC den Pokalsieger Rote Raben Vilsbiburg mit 3:0 besiegt. Das zweite Finalspiel findet am Dienstag in Vilsbiburg statt. +++

Alexander Waibl wandte sich beim Stand von 28:27 im dritten Satz ein letztes Mal in Richtung Publikum. Der Trainer des Dresdner SC ließ seinen rechten Arm im Takt des rhythmischen Klatschens der Zuschauer kreisen, was so viel bedeutete wie: bitte noch ein bisschen schneller, noch ein bisschen lauter, wir brauchen jetzt jede Hand. Danach verwandelte Diagonalangreiferin Kristina Mikhailenko den fünften Matchball zum 3:0 (25:19, 25:22, 29:27)-Endstand im ersten von maximal fünf Play-off-Finalspielen gegen die Roten Raben Vilsbiburg.

Die Dresdnerinnen waren zum Auftakt der Finalserie über sich hinaus gewachsen. So entschlossen, so motiviert, so konsequent, so befreit hatte sich das Team selten präsentiert. Und auch Waibl war emotional wie selten zuvor. Immer wieder forderte er die ohnehin schon ohrenbetäubend lauten Zuschauer in der ausverkauften Margon-Arena dazu auf, noch eine Schippe drauf zu legen. „Ich hatte genau das gleiche Gefühl wie die Mannschaft”, sagte Waibl. „Ich konnte gar nicht anders als genauso abgehen und bewundere die Mädels.”

Nach der Bänderverletzung von Lisa Izquierdo im dramatischen Halbfinalspiel am Mittwoch und dem Kreuzbandriss von Scorerin Rebecca Perry hat es Waibl geschafft, eine Jetzt-erst-recht-Stimmung in der Mannschaft und im ganzen Verein zu erzeugen. Der Druck, der bisweilen bei den vergangenen drei Finalteilnahmen auf den Schultern der Spielerinnen gelastet hatte, war auf einmal wie weggeblasen. Waibl kreierte eine Atmosphäre im Team, die Kräfte freisetzte. Man werde die giftigste Mannschaft sehen, die je ein Play-off-Finale gespielt hat, prophezeite Waibl vor der Partie – und behielt Recht. Gleichzeitig nahm der 46-Jährige öffentlich den Druck von seinem Team und kürte den Gegner aus Vilsbiburg aufgrund der personellen Vorteile zum „haushohen Favoriten”. Statt die Last der drei verlorenen Finals der vergangenen Jahre, fühlten auf einmal alle Dresdner so wie Vorstandsboss Dr. Jörg Dittrich: „Wir können gar nicht verlieren, nur gewinnen.”

In Abwesenheit der verletzten Punktesammlerinnen sprangen die verbliebenen drei etatmäßigen Angreiferinnen in die Bresche und brachten Top-Leistungen. Mit Mikhailanko (14 Punkte), Shanice Marcelle (12), Katharina Schwabe (10) und Mittelblockerin Jaroslava Pencová (10) punkteten gleich vier DSC-Spielerinnen zweistellig. Bei den müden Vilsbiburgerinnen schaffte das nur Michelle Bartsch (13). Mareen Apitz bot eine Glanzleistung auf der Zuspielposition, die Annahme und Abwehr um Libera Myrthe Schoot funktionierte perfekt. „Wir haben einen Sahnetag erwischt”, sagt Waibl, der ob des deutlichen Sieges selbst überrascht war. „Wir haben am oberen Limit gespielt, Vilsbiburg am unteren.”

Selbst als die Gäste im dritten Satz stärker wurden, zwischenzeitlich führten und einen Matchball nach dem anderen abwehrten, behielt das emotionsgeladene Dresdner Team die Nerven. „Wir haben die Ruhe bewahrt, sind cool geblieben, selbst als Vilsbiburg mal ein, zwei Punkte führte”, sagt Katharina Schwabe. „In der Phase können wir sonst noch fünf, sechs Prozent drauflegen, das konnten wir heute nicht”, sagte der enttäuschte Raben-Trainer Jonas Kronseder. Der Plan des Dresdner Teams, die Stimmung des fünften Satzes aus dem Halbfinalspiel gegen Aachen mit in die Finalserie zu nehmen und die Gäste mit dieser Leidenschaft zu überfallen, ging voll auf. Während die DSC-„Schmetterlinge” topfit wirkten, konnten die Vilsbiburgerinnen die Reisestrapazen der vergangenen Tage nicht wegstecken.

Quelle: DVL Deutsche Volleyball-Liga GmbH