Dresdner Schulnetzplan – wer zu spät kommt, den bestraft das Leben

Geburtenboom und der Zuwachs der Stadt Dresden lassen die Schulplätze eng werden. Der neue Plan der Stadt: Schulbezirke zusammenfassen, alte Schulen wieder aktivieren, Container für den Unterricht mieten. Das stößt auf Kritik. +++

Über 20 Prozent mehr Schüler pro Jahrgang kommen auf Dresden zu. Zwischen 500 und 1000 Schüler mehr werden in Grundschulen, Mittelschulen und Gymnasien für das Schuljahr 2020/2021 erwartet. Bereits jetzt sind Schulen überfüllt – wer wiederholt, muss die Schule wechseln, da an der eigenen kein Platz mehr ist.

Böse Zungen könnten nun behaupten, dass die Stadt zu spät auf den Bevölkerungszuwachs reagiert habe. Doch die Stadtverwaltung verkündet: „Diese überdurchschnittliche Geburtenentwicklung war bei der Schulnetzplaung 2006/2007 noch nicht erkennbar.“ 

Interview mit Eva-Maria Stange (SPD), bildungspolitische Sprecherin Landtagsfraktion (im Video)

Die neue Schulnetzplanung sieht vor, die Ressourcen in den vorhandenen Schulen auszunutzen. Die Klassen werden also vergrößert – das Rathaus rechnet mit 25 Kindern pro Klasse.
Auch der Einsatz von angemieteten Containern, die dann als Schulräume genutzt werden sollen steht zur Debatte.
Insgesamt sollen sieben neue Schulen gegründet werden, darunter auch alte Bekannte, wie das Löffler- und das Wustmanngymnasium in Prohlis.
Außerdem soll die 38. Grundschule in Naußlitz neu gegründet werden. An dieser muss allerdings noch einiges gemacht werden und das soll während des laufenden Betriebes geschehen.
 
Interview mit Winfried Lehmann (CDU), Schulbürgermeister (im Video)

„Eine Komplettsanierung sei an der 38. Grundschule aber ohnehin nicht geplant“, so Winfried Lehmann weiter.

Der Plan, dass Schüler auf einer Baustelle lernen sollen, stößt auf vehemente Kritik: 

Interview mit Eva-Maria Stange (SPD), bildungspolitische Sprecherin Landtagsfraktion (im Video)

Auch die geplante Erweiterung der Schulbezirke findet keine Zustimmung. Die Bezirke Dresden-Plauen und Cotta sollen zusammengelegt werden. Laut Eva-Maria Stange entstehen daraus zu weite Schulwege, die Grundschüler nicht ohne weiteres bewältigen können. Die Stadtverwaltung hingegen sieht dieses Problem nicht. 

Interview mit Winfried Lehmann (CDU), Schulbürgermeister (im Video)

Und auch an den Berufsschulen zieht die Schulnetzplanung nicht vorbei. Einige Berufsschulzentren werden in andere Gebäude ausgelagert, wieder andere sollen ins Umland verwiesen werden. Die Schüler und Lehrer des BSZ Dienstleistung und Gestaltung gehen deswegen bereits auf die Barrikaden.

Genau das ist es auch, was sich die Landtagsabgeordnete Eva-Maria Stange erhofft. Lauter Protest der Lehrer- und Elternschaft. Denn bevor die Schulnetzplanung im Stadtrat diskutiert wird, geht der Entwurf in die Schulkonferenzen, den Kreiselternrat und die Ortschaften. Hier haben die Betroffenen dann die Möglichkeit Bedenken und Änderungsvorschläge anzubringen.

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