Dresdner Tourismus steckt tief in der Krise – Tourismusverband schlägt Alarm

Die Tourismusbranche in Dresden kriselt erstmals seit der Wende. Reiseveranstalter warnen davor, dass auch in den nächsten Monaten Besucher ausbleiben könnten. Darauf macht jetzt der Tourismusverband Dresden aufmerksam.+++

Im Video sehen Sie das Interview mit Johannes Lohmeyer, Vorsitzender des Tourismusverbandes Dresden.

Nachträgliche Anmerkung: Im Beitrag wird erläutert, die Touristenzahlen seien im ersten Halbjahr 2015 um etwa anderthalb Prozent zurückgegangen. Laut nachträglicher Auskunft seitens Herrn Lohmeyer seien es sogar  3 Prozent.

Der Vorsitzende des Tourismusverbandes Dresden e.V., Johannes Lohmeyer, hat sich im Rahmen der Mitgliederversammlung zur „schwersten Krise des Dresdner Tourismus seit der Wende“ und deren Ursachen geäußert. Besonders schwer wiege das seit Jahren chronisch unterfinanzierte Stadtmarketing, mit dem Dresden inzwischen ein trauriges Schlusslicht in Deutschland bilde. Lohmeyer: „Ich kann bei der derzeitigen Stadtratsmehrheit nicht einen Hauch von Einsicht feststellen. Im Gegenteil: Mit dem Verhindern von Investitionen und dem Schleifen von verkaufsoffenen Sonntagen sägt man dort fröhlich und ungeniert an den Einnahmequellen der Stadt.“
Eine weitere Ursache für den Rückgang der Übernachtungszahlen sei in der seit Juli 2015 erhobenen Bettensteuer zu suchen, die die zweithöchste Abgabe dieser Form in Deutschland darstellt. Diese treffe mit voller Wucht auf einen der preissensibelsten Märkte. „Wir haben dadurch schon sehr viel Geschäft verloren, und dies wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen“, sagte der TVD-Vorsitzende.
Nicht zuletzt ging Lohmeyer auch auf die aktuellen Ereignisse rund um die montäglichen Pegida-Veranstaltungen ein. „Vor allem durch das derzeitige Demonstrationsgeschehen einerseits, aber auch durch die völlig überzogene und tendenziöse Berichterstattung in den Medien hat die Stadt einen massiven Imageschaden erlitten, der nicht irreversibel ist, aber uns noch lange begleiten und belasten wird“, sagte Lohmeyer. Aus dem sympathischen Vorzeigeland Sachsen und seiner wegen ihrer Schönheit gepriesenen Landeshauptstadt sei innerhalb kürzester Zeit in der öffentlichen Wahrnehmung eine hässliche Nazihochburg geworden – und das obwohl die Mehrheit der Dresdner wisse, dass dies mit den tatsächlichen Zuständen in der Stadt nur wenig gemein hat. „Eine verschwindend kleine Minderheit beansprucht gerade die Deutungshoheit über das Image unserer Stadt. Und schlimmer – sie hat es auch“, so Lohmeyer. Er rief die 200 TVD-Mitglieder auf, diese Deutungshoheit zurückzugewinnen, „wenn wir als Branche nicht gnadenlos Schiffbruch erleiden wollen“. Entsprechende Initiativen seitens der Branche werden gerade vorbereitet.
Lohmeyer zog dennoch ein überwiegend positives Fazit der Verbandsarbeit im vergangenen Jahr. Verschiedene Veranstaltungen und Initiativen hätten dazu beigetragen, das Profil des Verbandes zu schärfen und die Wahrnehmung der Branche zu verbessern. Als ein Beispiel sei hier der Dresdner Tourismustag 2015 genannt, bei dem rund 5000 Dresdner den zweitwichtigsten Wirtschaftszweig der Stadt mit seinen breit gefächerten Angeboten näher kennenlernen konnten. Diese Veranstaltung wird auch im kommenden Jahr wieder stattfinden, und zwar am 19. März 2016.

Quelle: Pressemitteilung Tourismusverband Dresden

Zur Pressemitteilung haben wir außerdem Dresden Marketing um ein Feedback gebeten. Dieses teilte uns schriftlich mit:

Die Pegida-Demonstrationen haben dazu geführt, dass seit Monaten überwiegend negativ über Dresden berichtet wird. Direkte Auswirkungen können wir an der Entwicklung der touristischen Zahlen aus dem Inland ablesen. Aktuell, Januar bis August 2015, haben wir einen Rückgang in den Übernachtungen von Gästen aus Deutschland von 4,0%. In unseren ausländischen Märkten wird zwar auch über die Montagsdemonstrationen berichtet, dies beeinflusst aber die Reisentscheidung derzeit kaum. Im Zeitraum Januar bis August 2015 können wir aus dem Ausland ein Übernachtungsplus von 3,6% gegenüber dem Vorjahreszeitraum verzeichnen

Der Tourismus wie der Standort insgesamt steht vor großen Herausforderungen. Dabei mehr finanzielle Mittel für die Standortvermarktung zur Verfügung zu haben, ist wünschenswert, und hier sind wir mit Unterstützung der Landeshauptstadt Dresden auf einem guten Weg. Darüber hinaus brauchen wir aber auch dringend ein optimistisches, abgestimmtes Zusammengehen der Akteure in Dresden und der Region, Mut und Willen zur kontinuierlichen Veränderung wie auch Selbstbewusstsein. Jeden Tag zeigen uns die begeisterten Besucher aus allen Teilen der Welt, in welch wunderschöne Stadt mit beeindruckender Geschichte wir leben – das ist doch die perfekte Motivation für uns alle.

Wir haben noch starke Monate vor uns und werben auch in diesem Jahr mit umfangreichen Marketingmaßnahmenaktiven im In- und Ausland, um Gäste zur Winter- und Weihnachtszeit nach Dresden zu locken. Damit waren wir in den Vorjahren bereits sehr erfolgreich, konnten allein im Dezember die Übernachtungszahlen seit 2008 kontinuierlich steigern, zuletzt 2014 um plus 7,9 % (absolut 448.185 Übernachtungen.

Die Winterkampagne wird schwerpunktmäßig in Deutschland und Tschechien realisiert. Zu den zentralen  Maßnahmen gehören Plakatierungen über Infoscreens und Megalights im November sowie Anzeigenschaltungen in auflagenstarken Publikationen. Unter dem Titel „Winterglanz und Stollenduft in der Weihnachtsstadt Dresden“ haben wir Journalisten für eine Recherchereise nach Dresden eingeladen – in Kooperation mit dem Schutzverband Dresdner Stollen e.V.  In Tschechien wird in diesem Jahr erstmals eine Radiokampagne realisiert, die Informationen zur Weihnachtsstadt mit einem Gewinnspiel verbindet. Unter www.dresden.de/weihnachtshaupstadt  präsentiert sich die Weihnachtshauptstadt online. Vor Ort sind Gäste der Stadt wie auch die Dresdner Bürger eingeladen, ihre virtuellen Weihnachtsgrüße aus der Dresden-Wunschbox zu versenden, die vom 1.12. bis  20.12. in der Centrum Galerie zu finden sein wird. Erstmalig können die in der Wunschbox aufgenommenen Selfies mitsamt einem individuellen Gruß „Ich wünsche mir von Herzen…“ auch als Postkarte ausgedruckt und über den Partner der Aktion PostModern in die Welt verschickt werden. An die Aktion gekoppelt ist ein attraktives Gewinnspiel.