Dresdner Wohnungsbaugenossenschaften so beliebt wie nie

Rekordzahl an Mitgliedern, Rekordsumme bei Investitionen
Das Leben in der Genossenschaft bleibt ein gefragtes Wohnmodell

Am 3. Juni veranstalten acht Dresdner Wohnungsgenossenschaften zum 9. Mal den Dresdner Sport- und Familientag. Der Eintritt ist frei, denn die Kosten für die gesamte Veranstaltung übernehmen die Genossenschaften. Der Sport- und Familientag ist der jährliche Höhepunkt der gemeinsamen Marketingaktivitäten der acht großen Wohnungsgenossenschaften. Sie agieren seit 2006 unter der Dachmarke „Die Dresdner Wohnungsgenossenschaften“ und vereinen über 60.000 Wohnungen bzw. ein Fünftel aller Wohnungen in Dresden. Damit sind die Genossenschaften Dresdens größter Wohnungsanbieter.

 

© Sachsen Fernsehen

Rekord: Die Genossenschaften haben weit mehr Mitglieder als Wohnungen

Die Zahl der Mitglieder wuchs 2017 auf die Rekordzahl von 66.821 Personen und lag damit weit über der Zahl von 60.161 Wohnungen. Längst wird nicht nur einer der neuen Bewohner pro Wohnung Mitglied in der Genossenschaft. Wohnungssuchende bekräftigen ihr Interesse an einer begehrten Wohnlage durch eine Mitgliedschaft. Eltern schließen für ihre Kinder Mitgliedschaften ab, um ihnen später das Wohnen in der Genossenschaft zu ermöglichen. Menschen, die die Genossenschaft aus privaten oder beruflichen Gründen verlassen, bleiben Mitglied. Falls sie später wiederkommen, kann die Dauer der Mitgliedschaft bei der Vergabe von begehrten Wohnungen entscheidend sein. Die Leerstandquote bewegt sich auf einem Rekordtief von 0,47 bis 3,3 Prozent. Bei der EWG (3,3 %) zum Beispiel ist darin ein bewusst gesteuerter Leerstand von ca. 2 Prozent für Platz bei geplanten Sanierungen enthalten. „Die Nachfrage steigt mit dem Wachstum der Stadt und dem Bedarf an Wohnungen zu fairen Mieten“, so der Vorstand der EWG Dr. Jürgen Hesse stellvertretend für die acht Genossenschaften. „Außerdem schätzen immer mehr Dresdner die Vorzüge des Wohnens in einer Genossenschaft: die Mitbestimmung, die kalkulierbare Höhe von Mieten und Nebenkosten ohne  überraschende Sprünge, das sichere Wohnen ohne Angst vor Kündigung und den Ansprechpartner vor Ort.“ Prinzipiell ist jedes Mitglied durch den Erwerb der Genossenschaftsanteile gleichzeitig Miteigentümer. Es hat Mitspracherecht bei Entscheidungen über die Entwicklung der Genossenschaft und ein Dauerwohnrecht, das vererbt werden kann. 

Rekordsumme bei Investitionen: 75 Prozent für Instandhaltung und Modernisierung

Die Investitionen bewegen sich derzeit auf Rekordhöhe seit der Gründung der Dachmarke der Genossenschaften 2006. Über 122 Mio. Euro haben die acht Genossenschaften im Vorjahr investiert, davon rund 92 Mio.Euro bzw. 75 Prozent in Instandhaltung und Modernisierung. Im Jahr 2018 soll die Gesamt-Investitionssumme um 13 Prozent auf mehr als 138 Mio. Euro steigen, über 100 Millionen sind für Instandhaltung und
Modernisierung eingeplant. Betrachtet man den Instandhaltungsaufwand pro Wohnung, so wurden 2017 mehr als 1174 Euro pro Wohnung bzw. 20,08 Euro /m² nur in Instandhaltung investiert. Aus den 2018 geplanten Summen ergeben sich 1330 Euro Instandhaltungsaufwand pro Wohnung bzw. 22,71 Euro/m². Zum Vergleich: Für Sachsen benennt der Verband der sächsischen Wohnungsunternehmen einen durchschnittlichen
Instandhaltungsaufwand je Genossenschaftswohnung von 13,85 Euro/m². 

Neubau soll das Angebot ergänzen

Rund 37,1 Mio. Euro – etwa 26 Prozent der Gesamtinvestitionen – planen die Genossenschaften in diesem Jahr für Neubauten. Insgesamt sollen 176 Wohnungen fertiggestellt werden, 2017 waren es 159. „Der Neubau betrifft einzelne Vorhaben. Damit ergänzen die Genossenschaften ihren Bestand durch Wohnungen mit besonders nachgefragter Größe, Grundriss oder Ausstattung und reagieren damit auf die steigende Nachfrage und die sich ändernden Wohnbedürfnisse.“, erklärt Dr. Jürgen Hesse. „Unsere Planung von 2016 zum Thema Neubau ist noch aktuell: Innerhalb von zehn Jahren werden die Genossenschaften etwa 1000 Wohnungen neu bauen.“

Leichter Anstieg der Umsatzzahlen, moderate Entwicklung der Mietpreise

Zum 31.12.2017 betrugen die Umsatzerlöse aus der Hausbewirtschaftung insgesamt 308 Mio. Euro. Das bedeutet gegenüber 2016 eine moderate Steigerung von 1,8 Prozent, die vor allem darauf beruht, dass für neue Mietverträge höhere Mietpreise gelten. In der Folge sind die Durchschnittsmieten leicht gestiegen und bewegen sich je nach Genossenschaft zwischen 5,23 Euro und 5,65 Euro Kaltmiete pro m², meist nur wenige Cent höher als im Vorjahr. Zum Vergleich: Für ganz Dresden wurde 2017 eine Durchschnittsmiete von 6,09 €/m² angegeben. „Diese Durchschnittswerte sind nur bedingt aussagekräftig“, betont Dr. Hesse. „Man findet in den Genossenschaften je nach Lage und Zustand ganz unterschiedliche Angebote. Aktuell reicht die Spanne von 4,80 Euro/m² (Kaltmiete) für einen teilsanierten Plattenbau bis 10,50 Euro/m² im Neubau.“ Derzeit sind 512 Mitarbeiter bei den Genossenschaften beschäftigt, darunter 21 Auszubildende. Darüber hinaus sorgen die Genossenschaften indirekt für viele weitere Arbeitsplätze, vor allem in der regionalen Baubranche aufgrund der starken Investitionstätigkeit. 

Engagement für die Mieter jeder Altersgruppe

Viele Mieter leben seit Jahrzehnten in ihrer Genossenschaft. Doch der Anteil junger Familien wächst. Jede Genossenschaft entwickelt eigene Initiativen, um die Bedürfnisse ihrer Mieter über das Wohnen hinaus zu erfüllen. Sie richten Wohngebietsfeste aus, unterstützen Sportvereine ebenso wie Kinder-, Jugend- und Seniorenprojekte und engagieren sich als Partner und Sponsoren in ihrem Wohngebiet. Die soziale Betreuung
bekommt einen immer größeren Stellenwert – in den großen Genossenschaften kümmern sich Sozialarbeiter vor allem um die allein lebenden Senioren. Auch in das Wohnumfeld wird investiert, seien es „Garagen“ für Fahrräder, Kinderwagen oder Rollatoren, Bau und Erhalt von Spielplätzen, Begegnungsstätten und Nachbarschaftstreffs. Insgesamt unterhalten die Genossenschaften über 500 Spielplätze.

Die Zusammenarbeit der Genossenschaften nutzt den Mietern und der Stadt
Auch als Verbund engagieren sich die Genossenschaften für verschiedene Projekte. Das betrifft nicht nur die Organisation und Finanzierung des Dresdner Sport- und Familientages. Mit einem Teil des Marketingbudgets wird die Nachwuchsförderung von mehreren Sportvereinen unterstützt, u.a. bei den „Dresden Titans“ und den „Eislöwen“ sowie die Volleyballerinnen des DSC. Im Jahr 2018 sind dafür über 38.000 Euro geplant. Die Vorstände der Genossenschaften stehen im regelmäßigen Erfahrungsaustausch. „Die Zusammenarbeit im Verbund bereichert unsere Arbeit und bringt auch für unsere Mieter großen Nutzen“, erklärt Dr. Jürgen Hesse im Namen der Vorstandskollegen aller acht Genossenschaften. So können wir bei großen Vertragspartnern als Großabnehmer für über 60.000 Wohnungen oft günstigere Konditionen erzielen, die wir unseren Mietern weitergeben. „Auch deshalb bleibt das Modell „Wohnen in der Genossenschaft“ gefragt.“