Durch dick, dünn und Schnee: Tipps für die Haustierhaltung im Winter

Menschen sind, was ihre körperliche Ausstattung betrifft, denkbar schlecht auf winterliche Wetterverhältnisse eingestellt.

Wenn die Temperaturen in empfindliche Bereiche absinken und von unangenehmen Niederschlägen von Regen bis Schnee begleitet werden, bleibt kaum eine andere Möglichkeit als das allseits bekannte Zwiebelprinzip. Dick einpacken hilft gegen die Kälte, gar nicht erst rausgehen sogar noch mehr.

Die meisten Haustiere sind dagegen sehr viel besser an Frost und Kälte angepasst, auch nach jahrhundertelangem Domestizieren. Hunde und Katzen sind eben von Natur aus eigentlich „Freigänger“ und haben das Leben im Freien immer noch im Blut. Dennoch sollten einige Regeln beachtet werden, damit die vierpfotigen, gefiederten und geschuppten Schützlinge gesund und ohne Verluste durch den Winter kommen.

 

1. Hunde

Gerade bei widrigen äußeren Bedingungen fällt Herrchen und Frauchen mitunter schwer, was für den Hund ganz selbstverständlich und notwendig ist: Bewegung im Freien. Praktischerweise sind die Vierbeiner schon passend eingekleidet und für gesunde Hunde ist der Schutz, den ihr Fell bietet, absolut ausreichend. Trendige Klamotten sind somit nicht nur Geschmackssache, sondern oftmals auch schlichtweg unnötig. Lediglich ältere Hunde, die beispielsweise schon älter als 15 Jahre sind, oder solche Rassen mit kurzem Fell sollten im Zweifelsfall wasser- und zugdicht eingepackt werden.

Toben im Schnee ist für Hunde ein Riesenspaß, der leider auch Gefahren birgt

Gut gemeint, aber nicht hilfreich ist außerdem der Einsatz von Handschuhen für die Pfoten. Zwar sind besonders in Städten mit Streusalz oder Splitt gespickte Gehwege unangenehm für Hunde – an den Pfoten haben sie meist kleine, kaum sichtbare Risse, die eindringendes Salzwasser oder Splittkörner schmerzhaft spürbar machen. Zudem können dadurch Entzündungen entstehen. Vorbeugend können die Pfoten aber besser mit Vaseline, Melkfett oder einem speziellen Balsam behandelt werden, nach dem Spaziergang ist gründliches Abwaschen angesagt. Damit an den Zehen weniger Schnee hängen bleibt, empfiehlt sich das Kürzen der Haare in den Zwischenräumen.

Die besagten Handschuhe hingegen sorgen hauptsächlich dafür, dass sich der von den Drüsen an den Pfoten produzierte Schweiß in den Zehenzwischenräumen sammelt anstatt zu verdunsten. Schlimmstenfalls entstehen so Ekzeme. Sinnvollere „Kleidungsstücke“ sind dagegen Leuchthalsbänder oder Blinklichter, die für eine bessere Sichtbarkeit im Straßenverkehr sorgen, solange die Tage länger dunkel bleiben.

Wichtiger als ein Mäntelchen zum Schutz gegen die Kälte ist für den Hund ausreichende Bewegung. Dadurch wärmt sich der Hund praktisch selbst auf. Für solche Artvertreter, die auch bei minimalen Temperaturen ihre Vorliebe für Wasser ausleben, gilt das dann sogar in besonderem Maße. Ansonsten drohen wie beim Menschen Erfrierungen, die in besonders schweren Fällen leider zum Tod führen können. Aber auch bei nicht durchnässten Hunden können Kälteerscheinungen auftreten, daher sollten Pausen vermieden werden, etwa beim Anleinen während des Einkaufs. Das Sitzen auf kaltem Boden führt sonst schnell zu Blasen- und Nierenentzündungen.

 

Ebenfalls ungesund, selbst wenn es für Hunde eine Freude sein mag, ist der übermäßige Verzehr von Schnee. Der kann Rachen und Magen reizen und die angegriffenen Schleimhäute sind eine Angriffsfläche für Bakterien. Gassigehen mit leerem Hundemagen ist daher nicht ratsam, wohingegen schon ein kleiner Snack vorbeugend wirken kann.

2. Katzen

Im Gegensatz zu Hunden halten es viele Katzen im Winter wie ihre Halter: Wenn es sich vermeiden lässt, wird auf Streifzüge in der Kälte außerhalb der Behausung lieber verzichtet. Allerdings gibt es natürlich auch solche Katzen, die Ausflüge nach draußen gewohnt sind und daher auch im Winter dem Drang ins Freie folgen möchten. In diesen Fällen sollte der Freigang gestattet werden, verbunden aber mit einer Möglichkeit, jederzeit zum Aufwärmen wieder in das Haus oder die Wohnung zu gelangen. Denn obwohl Katzen, die sich schon während der Herbstmonate auf Streifzüge begeben, ein dichteres Winterfell entwickeln, so reagieren sie immer noch empfindlicher auf Kälte als Hunde.

Längst nicht alle Katzen begnügen sich im Winter mit einem Platz nahe der Heizung.

Längere Aufenthalte in den angenehm temperierten vier Wänden wiederum können sich auf Katzen aber ebenso nachteilig auswirken wie auf den Menschen: Zu viel trockene Heizungsluft beeinträchtigt Haut und Schleimhäute, was zu Bindehautentzündungen, Atembeschwerden oder sogar zu einer entzündeten Luftröhre führen kann. Regelmäßiges Lüften und eventuell Maßnahmen zur Luftbefeuchtung beugen dem jedoch vor.

 

3. Kleintiere

Ähnlich verhält es sich mit Kleintieren wie Meerschweinchen oder Kaninchen, wenn diese über die Wintermonate drinnen gehalten werden. Da die Nager zumeist an einem festen Ort platziert werden, muss gewährleistet sein, dass dieser beim Lüften nicht von kalter Zugluft erreicht wird.
Für das Überwintern im freien brauchen Meerschweinchen einen Rückzugsort, der ausreichend Wärme bietet.

Mit der richtigen Vorbereitung können Meerschweinchen und Kaninchen aber auch im Winter problemlos im Freien gehalten werden, wie der entsprechende  PETA-Ratgeber zeigt: Wichtig ist dabei vor allem, dass die Tiere schon an die Außenhaltung gewöhnt sind, damit ihre Körper sich auf die neue Jahreszeit einstellen können.

Das Außengehege sollte ebenfalls den Anforderungen des Winters genügen. Das heißt, der Auslauf muss ausreichend groß sein, damit sich die Kleintiere durch die Bewegung aufwärmen können. Auch die als Rückzugsorte aufgestellten Häuschen müssen – einfach zu Erreichen durch eine gute Isolierung – genügend Wärme bieten. Daneben sollten sie vor Nässe und Zugluft schützen, gleichzeitig aber die notwendige Luftzirkulation gewährleisten.

Beim Aufrechterhalten der Körperwärme hilft auch das der Jahreszeit angepasste Futter – hochkalorisches Kraftfutter, das im Sommer eher als Dickmacher fungiert, liefert im Winter dringend benötigte Energie. Frischfutter hingegen beinhaltet die wichtigen Vitamine. Bei der Versorgung mit Trinkwasser muss darauf geachtet werden, dass es nicht einfriert, daher muss es am besten mehrmals am Tag gewechselt werden.

 

4. Fische

Auch Teichbewohner können den Winter ohne Schädigungen überstehen, wenn die notwendigen Voraussetzungen erfüllt sind. Das bedeutet in erster Linie, dass der Gartenteich über eine ausreichende Tiefe verfügen muss – 80 Zentimeter sind eine gängige Empfehlung für die Mindesttiefe. Diese sollte in Anbetracht der vergleichsweise milden Winter in Deutschland ausreichen, um ein gänzliches Zufrieren des Teichs und somit das Sterben der Fische zu verhindern.

Goldfische müssen im Winter nicht ins Aquarium umquartiert werden, wenn die richtigen Bedingungen geschaffen wurden.

Es empfiehlt sich außerdem, den Wasserstand im Auge zu behalten. Führt der Teich viel Wasser, mindert das zusätzlich die Gefahr des Durchfrierens und vergrößert die Wahrscheinlichkeit, dass sich am Teichgrund die für das Überleben der Fische notwendigen Temperaturen erhalten. Die können im Übrigen durchaus recht niedrig liegen, denn die Fische fallen dann in eine Art Winterstarre mit stark reduziertem Stoffwechsel.

Daher können sie im Prinzip auch ohne weiteres eine geschlossene Eisdecke überleben – allerdings ist es sinnvoll, dem mit einem „Eisfreihalter“ oder einem Bündel Stroh vorzubeugen, damit die Sauerstoffversorgung weiterbesteht.

Wer sich trotz allem unsicher ist, ob die Fische durch den Winter kommen hat immer noch zwei Möglichkeiten: Zum einen kann durch sinnvolle Teichbeheizung die Wassertemperatur nach Wunsch reguliert werden, so dass sie den Gefrierpunkt erst gar nicht erreichen kann. Die Alternative ist die Überführung der Fische in ein Winterquartier, die sich vor allem bei Exoten anbietet. Die Umgewöhnung an ein Aquarium sollte aber möglichst behutsam durchgeführt, und das zunächst verwendete Teichwasser erst schrittweise ausgetauscht werden.

 

5. Vögel

Einheimische Vögel lassen sich von winterlichen Temperaturen nicht schrecken, selbst ohne die obligatorische Zufütterung können sie die kalte Jahreszeit problemlos überstehen. Tatsächlich gilt das auch für die zumeist eher exotischeren Ziervögel, die in Außenvolieren gehalten werden. Wellensittiche, Zebrafinken oder Graupapageien überstehen sogar sehr niedrige Temperaturen, Kanarienvögel halten sogar bis zu -20 Grad aus.

Wie bei den Kleintieren ist das auch eine Frage der richtigen Vorbereitung, angefangen bei einer Überprüfung des Gesundheitszustandes, bevor der Winter wirklich einsetzt – da Vögel einen vergleichsweise großen Energieumsatz haben, könnte das Erhalten der Körpertemperatur für geschwächte Tiere problematisch werden.

Ansonsten gilt es, entweder die gesamte Voliere gegen Wind und Wetter zu wappnen oder sie um ein isoliertes Schutzhaus zu ergänzen. Das bietet sich nicht nur als Rückzugsmöglichkeit zum Aufwärmen an, sondern wegen der konstanten Temperatur über dem Gefrierpunkt auch als Ausweichmöglichkeit zum Baden und Trinken. Eventuell können auch Heizer oder Rotlichtlampen genutzt werden, um für erträgliche Temperaturen zu sorgen. Ebenfalls wie bei den Kleintieren sollte das Futter der Jahreszeit angemessen etwas fetthaltiger sein, also beispielsweise mehr Nüsse enthalten.

 

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