Ehemalige Chemnitzer Stasi-Einrichtungen können besichtigt werden

Chemnitz (dapd-lsc). Das Stadtviertel Kaßberg steht im Mittelpunkt der 13. der Chemnitzer Museumsnacht am 5. Mai.

Der diesjährige spezielle Programmteil steht unter dem Motto „Zur jüngeren Geschichte des vorderen Kaßbergs: Von Stasiwillkür zu entfesselter Kultur“, wie das Kulturbüro Chemnitz am Montag mitteilte.

Das Stadtviertel ist seit dem 19. Jahrhundert Standort öffentlicher Einrichtungen und Behörden, die unter verschiedenen gesellschaftlichen Systemen zahlreiche Wandlungen vollzogen. So wurde aus dem ehemaligen Finanzamt in der DDR der Sitz des Ministeriums für Staatssicherheit im Bezirk Karl-Marx-Stadt. Heute gehört das Gebäude zu einem Gymnasium. In einer benachbarten Villa hat sich das Kulturzentrum „Arthur“ etabliert. Beide Objekte zeigen den Angaben zufolge in Ausstellungen zur Museumsnacht, wie durch engagierte Bürger in der Wendezeit ein neuer Geist auf dem Kaßberg Einzug hielt.

Auch die seit zwei Jahren leer stehende Justizvollzugsanstalt auf dem Kaßberg öffnet zur Museumsnacht ihre Türen. Sie war in der DDR der zentrale Ort für die Abwicklung von Gefangenen-Freikäufen durch die Bundesrepublik Deutschland. Insgesamt durchliefen mehr als 33.000 Menschen die Abschiebehaft. Das Gefängnis auf dem Kaßberg sei von allen Systemen seit 1876 genutzt worden, sagte Clemens Heitmann vom Verein Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis. Auf Führungen würden während der Museumsnacht ehemalige Gefangene über ihre Erlebnisse berichten und Historiker über die Praxis des Häftlings-Freikaufs informieren.

Zur Chemnitzer Museumsnacht werden jedes Jahr Orte zugänglich gemacht, die keine Museen sind, aber mit interessanter Geschichte aufwarten können. An der 13. Museumsnacht beteiligen sich laut Kulturbüro 30 Einrichtungen an 28 Standorten. Zu sehen sind mehr als 50 Dauer- und Sonderausstellungen sowie 110 Programme und Angebote. Im Ticketpreis von acht Euro beziehungsweise ermäßigt drei Euro ist die Nutzung von Sonderbussen und Sonderstraßenbahnen inbegriffen. Im vergangenen Jahr wurden etwa 8.500 Besucher gezählt.

dapd