Eigeninitiative gefragt: So wird Leipzig grüner

Leipzig - Mit den neuen, begrünten Wartehäuschen will die Stadt den Klimaschutz fördern. Vor wenigen Tagen wurden Fördergelder des Freistaates für mehr Stadtgrün in Höhe von 1,1 Millionen Euro  bewilligt. Doch wie kann jeder Einzelne zu einem grüneren Leipzig beitragen?

500 der neuen Wartehäuschen, die die alten Haltestellenhäuschen dieser Tage ablösen, erhalten ein grünes Dach mit sogenannten Sedumgewächsen. Das sind Dickblattgewächse, die viel Wasser speichern können. Jeder der Fahrgastunterstände soll durch die Begrünung rund 20 Kilogramm Kohlenstoffdioxid im Jahr binden – Dies entspricht der Menge, die auch ein Laubbaum jährlich bindet. Daneben gibt es weitere Maßnahmen der Stadt zum Klimaschutz, wie beispielsweise die Verordnung, dass 1.000 neue Straßenbäume jährlich gepflanzt werden sollen.

Weit weg von einer grünen Stadt

Wie der wissenschaftliche Leiter des Botanischen Gartens, Dr. Martin Freiberg, einschätzt, reichen diese Maßnahmen aber noch nicht aus. Er bemängelt, dass es noch immer viele Straßenzüge ohne Grün gebe. Zudem solle man den Auwald in dieser Hinsicht nicht zwangsläufig zu Leipzig zählen, da dessen Einfluss auf eine vergleichsweise kleine Fläche beschränkt sei.

Leipzig wächst - Natur schrumpft

Denn während Leipzig immer mehr wächst, schwindet die Grünflächen in der Messestadt. René Sievert, Vorsitzender vom NABU-Regionalverband Leipzig e.V., kritisiert, dass die Stadtnatur beseitigt werde. Parkanlagen müssen Gebäude weichen. Dahingegen sollten die bestehenden Grünanlagen jedoch erhalten, gepflegt und geschätzt werden.

NABU kritisiert Handlungsgeschwindigkeit

© Leipzig Fernsehen

Erst vor wenigen Tagen wurden neue Fördergelder in Höhe von 1,1 Millionen Euro für mehr Stadtgrün bestätigt. Angesichts des Artensterbens und des Klimawandels sei die Handlungsgeschwindigkeit der Stadt zu langsam, wie René Sievert vom NABU erklärt. Was kann aber jeder Einzelne dazu beitragen, dass Leipzig grüner wird?

Balkongärten als Oasen der Artenvielfalt

Der wissenschaftliche Leiter des Botanischen Gartens, Dr. Martin Freiberg, plädiert für Baumpatenschaften, bei denen man die Bäume vor der eigenen Haustür - insbesondere in Trockenzeiten - gießt. Außerdem rät er dazu, den eigenen Balkon oder die Gartenfläche im Kleingärtnerverein naturnah zu gestalten. Das bedeutet, bunte Sommerblumen mit ökologischem Sinn pflanzen, die Insekten Nahrung bieten, keine Pestizide verwenden und Laub unter Sträuchern liegen lassen, da dies wichtiger Lebensraum für Tiere sei.

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Auch René Sievert vom NABU rät dazu, Wildnis zuzulassen, sodass Feuchtigkeit gespeichert und kühlere Luft erzeugt werden kann. Insekten und Vögel seien außerdem dankbar für Trinkgefäße, die sie leicht anfliegen können.

Außerdem sollten Gartenfreunde auf torfhaltige Blumenerde verzichten, sodass keine Torfmoore abgebaggert werden müssen. Ebenso schädlich für das Klima seien Tropenhölzer aus dem Regenwald in der Grillkohle. Auch darauf sollte verzichtet werden. Sich die Sommerwiese auf den Balkon holen, den Baum vor der Wohnung ab und gießen oder Grillkohle ohne Tropenholz kaufen - Zu einem grüneren Leipzig kann also jeder ganz einfach beitragen.