Ein Bauernhof namens Thomas Gottschalk

Königswalde (dapd-lsc). Eine deftige Brise Landluft empfängt die Gäste in Königswalde im Landkreis Zwickau.

Kleine Wegweiser führen zum Bauerngut mit dem merkwürdig anmutenden Namen „Pferde- und Straußenhof Thomas Gottschalk“. Das Gelände liegt am Ende der idyllischen Ortschaft zwischen Städten Zwickau und Werdau. Urlauber auf der Suche nach Erholung sind hier willkommen. Menschen mit geistigen Behinderungen und psychischen Beeinträchtigungen bewirtschaften die Anlage des Christlichen Sozialwerks (CSW).

Vor zehn Jahren stand das damalige Caritas Sozial Werk in Zwickau völlig unerwartet im Fokus der Öffentlichkeit. Showmaster Thomas Gottschalk hatte der Einrichtung 318.000 Euro gespendet. In der Zwickauer St. Mauritius – Werkstatt gaben sich Journalisten wochenlang die Klinke in die Hand, erinnert sich CSW-Regionalleiter Roger Georgi. Die 240 Mitarbeiter mit Behinderungen und die 45 angestellten Betreuer waren plötzlich Medienstars, nur der Spender fand niemals den Weg in die südwestsächsische Provinz – bis heute nicht.

„Ich habe Gottschalk mehrmals bei Fernsehsendungen und Scheckübergaben getroffen“, sagt Georgi. Schon damals habe der Moderator klargestellt, wenn er einmal den Hof besuchen werde, dann nur ohne Ankündigung und ohne öffentliches Aufsehen. Der Regionalleiter kann es verschmerzen, dass der Entertainer „seinem“ Hof bisher fernblieb. „Die Einladung steht, und wir würden uns über seinen Besuch freuen. Viel wichtiger aber ist das Ergebnis der eingesetzten Spende.“

Das kann sich durchaus sehen lassen: Das Sozialwerk hat den früher maroden Vierseithof mit dem Geld von Gottschalk und zusätzlichen Fördergeldern zwei Jahre aufwendig saniert. Insgesamt flossen rund 690.000 Euro in den Ausbau des Gehöfts, das vermutlich um 1890 gebaut wurde. Seit acht Jahren stehen zwei Ferienwohnungen und zwei Doppelzimmer für Urlauber offen. Ein Appartement werde vorrangig an Langzeitgäste vermietet. Auch auf dem Heuboden können Gäste übernachten. Die Auslastung der Gästezimmer liege bei 40 Prozent und damit über dem Durchschnitt vieler Herbergen in der Region.

Zwei Mitarbeiter mit psychischen Behinderungen leben ebenfalls in eigenen Wohnungen auf dem Anwesen. Insgesamt bietet der Hof zwölf Mitarbeitern Arbeit, die von zwei Angestellten und einem Helfer im Bundesfreiwilligendienst betreut werden. Sie bewähren sich in der Landschaftspflege, der Hauswirtschaft und der Landwirtschaft. Zu den Aufgaben der Behinderten gehören die Betreuung der Feriengäste, der Hoftiere und die Pflege der Außenanlagen.

Die Stars auf dem Bauernhof sind zwei Straußendamen und zwei Alpakas, die sämtliche Besucher neugierig begrüßen. Pferde, Ziegen, Hängebauchschweine, Kaninchen, allerlei Geflügel und mehrere Katzen verwandeln das Anwesen in einen Erlebnisbauernhof, den auch zahlreiche Kinder- und Jugendgruppen aus der Region zu Tagesausflügen nutzen.

„Ohne die Gottschalk-Spende wäre der Kauf des Areals für uns nicht möglich gewesen“, sagt Georgi. Er sieht darin eine sinnvolle Ergänzung der Behindertenarbeit in der Werkstatt, die Mitarbeitern neue Perspektiven und einen Weg in ein selbstbestimmtes Leben ermögliche. Damit dies gelingt, begleitet eine Sozialarbeiterin die Behinderten. Es ist erklärtes Ziel der St. Mauritius-Werkstatt und des Thomas-Gottschalk-Hofes, die Mitarbeiter – soweit sie die Fähigkeiten dazu haben – auf den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. So habe erst jüngst ein behinderter Mitarbeiter nach einem Praktikum eine Festanstellung in einer Gärtnerei erhalten.

dapd