Eine Biogasanlage mitten in Chemnitz?

Als die Stadtverwaltung im vergangenen Dezember mitteilte, dass sie zukünftig an der Blankenburgstraße im Stadtteil Furth ihre Bioabfälle verwerten will, war der Aufschrei groß.

Mittlerweile soll die Standortsuche wieder neu beginnen. Einige Bürger aus Furth jedoch befürchten, das am geplanten Bauort festgehalten wird.

Die Stadt Chemnitz will ihre Bioabfälle zur Herstellung von Energie nutzen. Mit diesem Vorhaben selbst würde wohl fast jeder einverstanden sein.

Doch wenn bekannt wird, dass eine Biogasanlage in unmittelbarer Nachbarschaft zur eigenen Wohngegend entstehen soll, dann nimmt man den wohlmeinenden Plan lieber noch einmal genauer unter die Lupe.

So wie Dietmar Pilz aus dem Stadtteil Furth. Der ehemalige Industriebauplaner kämpft mit anderen Bürgern seit Bekanntgabe des Standorts im vergangenen Dezember gegen die geplante Biogasanlage.

Denn die Stadt Chemnitz wollte sie ursprünglich direkt neben dem Betriebshof des städtischen Entsorgers ASR an der Blankenburgstraße errichten.

Dietmar Pilz führt Bernhard Herrmann, der für viele Bürgerenergieprojekte im Chemnitzer Raum verantwortlich ist, zu dem von der Verwaltung ausgesuchten Areal.

Nachdem im Januar bei einer Infoveranstaltung der Stadt zahlreiche Bedenken geäußert wurden, zog die Verwaltung die Beschlussvorlage für den Stadtrat zunächst wieder ein.

Am kommenden Mittwoch bekommen die Stadträte die Vorlage aber wieder auf den Tisch: ohne konkreten Standort, dafür sollen sie einen Kriterienkatalog für die Suche absegnen.

Dietmar Pilz und andere Bürger befürchten nun, dass bei einem erneuten Auswahlverfahren wieder die Blankenburgstraße ausgewählt wird.

Interview: Dietmar Pilz – Betroffener Anwohner

Doch die Kritiker sorgen sich nicht nur um eine Geruchsbelästigung, die nach Aussage des ASR durch die Lagerung und Vergärung des Biomülls in einer geschlossenen Anlage so gering wie möglich sein soll.

Sie stellen das Konzept einer Bioabfallverwertungsanlage im Chemnitzer Stadtgebiet allgemein in Frage.

Interview: Dietmar Pilz – Betroffener Anwohner

Die Stadt führt verschiedene Gründe für einen Standort innerhalb von Chemnitz an:
unter anderem die Einflussnahme auf Gebühren, die Art und Weise der energetischen Nutzung, Schaffung von Arbeitsplätzen, sowie die Aufbesserung der CO²-Bilanz der Stadt.

Bernhard Herrmann favorisiert dennoch einen Standort außerhalb der Chemnitzer Stadtgrenzen.

Interview: Bernhard Herrmann – Arbeitskreis Energie

In den Plänen der Verwaltung ist eine solche Kooperation mit regionalen Partnern nicht vorgesehen. Doch zunächst haben die Stadträte am Mittwoch das Wort. Dietmar Pilz ist verhalten optimistisch.

Interview: Dietmar Pilz – Betroffener Anwohner

Sollte der Chemnitzer Stadtrat dem Bau einer Biogasanlage zustimmen, könnte sie frühestens 2015 in Betrieb gehen. Die Kosten lägen laut ASR bei rund 12 Millionen Euro.