Eine Gesunder Rücken von Anfang an – Tipps zur Prophylaxe von Schmerzen und Haltungsschäden

Immer mehr Kinder klagen über Rückenschmerzen und immer mehr Fachärzte diagnostizieren früh einsetzende Haltungsschäden mit daraus resultierende Fehlstellungen. Was sind die Ursachen für diese Zunahme und wie lässt sich ihnen entgegenwirken?

Alarmierende Zahlenwerte aus der Praxis

Wie schlecht es um die Rückengesundheit von Kindern wirklich steht, belegen die Ergebnisse unabhängiger Befragungen. Sowohl das Robert-Koch-Institut RKI als auch die Weltgesundheitsorganisation WHO ermittelte, wie oft und wie heftig Teenager unter Rückenschmerzen leiden. Die Zahlen lassen aufhorchen: In der Altersgruppe 11- bis 17-Jähriger gaben rund 39 Prozent der Jungen und knapp 51 Prozent der Mädchen an, in den drei Monaten vor der Befragung Rückenprobleme gehabt zu haben. Bei 19 bzw. 24 Prozent traten die Beschwerden nahezu wöchentlich auf und alle Proband/-innen bezeichneten Rückenschmerzen als ihr häufigstes gesundheitliches Problem.

Kleine Ursachen mit großer Wirkung

Auf der Suche nach möglichen Gründen konsultierten RKI und WHO verschiedene Kinderarztpraxen und Klinikärzte. Ihre Antworten überraschen, denn sie wecken den Anschein, dass ein Großteil der auftretenden Rückenschmerzen "hausgemacht" ist - also ganz einfach vermeidbar wäre. Als Hauptursache nannten die befragten Mediziner Bewegungsmangel - der seinerseits durch bestimmte Aspekte begünstigt wird.

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Bildquelle: Stefan Keller

Dazu zählen ihrer Meinung nach 

  • zu starke Medien-Nutzung
  • zu wenig Animation durch die Eltern
  • zu wenig oder schlecht organisierter Schulsport
  • falsche Ernährung
  • niedriger Bildungsstatus und geringes Einkommen der Eltern

In Summe ergeben diese Punkte eine Situation, die Rückenprobleme fördert und bestehende Leiden verschlimmern kann. In Folge des bemängelten Mangels kommt es nach Angabe der Kinderärzte zu Muskelverspannungen und Haltungsschäden, die einen Teufelskreis in Gang setzen - denn sie führen zu noch größerer Belastung und können

  • Entzündungen
  • Muskelverkümmerung
  • Knochendeformationen

nach sich ziehen. Das wiederum erhöht nicht nur das Schmerzempfinden, sondern verstärkt auch die Ursache der Problematik. Außerdem können sich Begleiterscheinungen wie

  • Nackenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Konzentrationsstörungen
  • Schlafstörungen

bemerkbar machen.

Vorbeugen ist besser als Heilen

Zum Glück gibt es eine Reihe von Maßnahmen, durch die sich Fehlbelastungen des Rückens und damit einhergehende Schmerzen vermeiden lassen. Sie setzen buchstäblich von Geburt an ein und ziehen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Kinder- und Jugendzeit:

Matratze

Schon durch die Auswahl des Kinderwagens und der Babybett-Matratze werden wichtige Grundsteine für einen gesunden Rücken gelegt. Wer hier am falschen Ende spart oder auf fachliche Beratung verzichtet, macht sich mitschuldig an später einsetzenden Rückenproblemen.

Schuhe

Sobald das Kleine seine ersten selbstständigen Schritte macht, beginnt eine weitere wichtige Prophylaxe-Phase für den Rücken. Barfußlaufen gehört zu den besten und natürlichsten Maßnahmen, den Bewegungsapparat gesund zu halten. Sind Schuhe nötig, müssen sie sorgfältig ausgewählt werden und optimal sitzen; vor allem aber regelmäßig auf ihre Passform und ihren Zustand untersucht werden.

Bewegung

Ein bisschen herumzulaufen reicht jedoch nicht aus, um den Rücken ausreichend zu stärken. Der natürliche Bewegungsdrang kleiner Kinder ist der beste Katalysator für Alltags-Fitness wie strammes Gehen oder Ballspielen. Zur Abwechslung können auch Frei- oder Hallenbad-Besuche bzw. ein Reit- oder Kletternachmittag auf dem Programm stehen.

Ernährung

Eng daran geknüpft ist die Ernährung, denn Übergewicht belastet die Gelenke und trübt den Spaß an Bewegung. Ein gesunder Speiseplan muss keinesfalls langweilig oder lustfeindlich sein - im Gegenteil: Als gemeinsames Event in Form eines Ernährungs- oder Kochkurses kann er sogar zusammenschweißen und helfen, neue spannende Kontakte zu knüpfen.

Ranzen

Der nachhaltigste Effekt für einen gesunden Kinderrücken ist ein ergonomisch geformter Schulranzen mit geringem Eigengewicht, breiten Trägern und gepolstertem Lendenwirbel-Bereich. Er muss so eingestellt werden, dass er möglichst eng und plan am Rücken anliegt, damit sein kleiner Besitzer / seine kleine Besitzerin nicht ins Hohlkreuz verfällt oder buckelt.

Zahlreiche Modelle des Ranzen-Sortiments berücksichtigen diese Schwerpunkte und lassen Kindern großen Spielraum bei der Wahl ihres Favoriten. Das Angebot umfasst die verschiedensten Farben und Motive, so dass Jungen und Mädchen frei entscheiden können - und Eltern trotzdem einen gesundheitsschonenden Artikel stellen.

Auch der Inhalt des Ranzens sollte auf die Schmerz-Prophylaxe abgestimmt werden. Viele Schüler/-innen schleppen viel zu viel Ballast mit sich herum. Bleiben nicht benötigte Bücher bzw. Sport- und Malsachen im Schulspint oder zu Hause, verringert sich das Gewicht des Ranzens spürbar. Alternativ dazu können sich Banknachbarn abstimmen, wer welches Material mitbringt, denn oft reicht ein Buch oder Farbkasten zur Durchführung des Unterrichts aus.

Die Anschaffung eines Trolleys sollten Eltern kritisch betrachten. Die "rollbaren Ranzen" erleichtern Schüler/-innen zwar das Tragen; verleiten sie jedoch, den Oberkörper zu verdrehen, da beim Ziehen stets zur eine Hand zum Einsatz kommt. Auch der psychologische Aspekt eines solchen "Ranzens" muss Beachtung finden.