Eishockey: Wild Boys Chemnitz verlieren nach Penaltyschießen

Am Freitagabend waren die Tornados aus Niesky zu Gast in der Chemnitzer Küchwaldhalle und 325 Zuschauer sahen zwei Mannschaften, die sich wirklich nichts schenken wollten.

Die Voraussetzungen der Partie konnten nicht unterschiedlicher sein. Niesky hatte hohe Erwartungen ins Wochenende. Der Sprung vom sechsten auf den vierten Platz war das Ziel der Tornados, da man spekulativ mit dem Erreichen des Pokalfinales rechnete und daher ein Sieg gegen die Wild Boys entsprechend Pflicht war.

Dementsprechend motiviert liefen die Tornados auf. Für Chemnitz ging es eigentlich um nichts wirklich wichtiges mehr. Der Tabellenplatz war weitestgehend gesetzt und so konnte man entsprechend entspannt in die Partie starten.

Apropos Start – den erwischten die Tornados um ein Vielfaches besser und nach erste Strafe für Chemnitz stand es schon nach knapp 40 Sekunden 0:1 für Chemnitz. Der Frühstart kam natürlich sehr ungelegen und so brauchte Chemnitz erst einmal eine Weile um sich zu sammeln. In der Zwischenzeit fanden die Tornados Gefallen am Chemnitzer Drittel und wollten gar nicht mehr weichen, so dass Louis-Vincent Albrecht sehr schnell sehr viel zu tun bekam. Der Chemnitzer Torwart zeigte hier aber eine sehr starke Leistung. So behielt er in der 6. Minute während einem schier endlos erscheinenden Gerangel vor dem Chemnitzer Tor die Übersicht und rettete in der allgemeinen Verwirrung den Puck mit einem sehenswerten Sprung nach vorn vor den angreifenden Tornados.

Chemnitz stand ganz gehörig unter Druck und konnte so das 0:2 in der 11. Minute und das 0:3 in der 16. Minute nicht verhindern. In der Nachbetrachtung sagte Tobias Rentzsch, als Vertretung von Torsten Buschmann hinter der Bande, zum ersten Drittel: „Es war so nicht geplant. Wir wollten den Gegner in der neutralen Zone angreifen, dann die Scheibe erobern und schnell nach vorn spielen. Aber der Gegner ist durchgebrochen, so dass zwischen Stürmern und Verteidigern eine relativ große Lücke in der neutralen Zone entstanden ist. Dann hatte der Gegner Platz und konnte die Scheibe verteilen und ist relativ einfach in unser Drittel gekommen. Im ersten Drittel waren wir vor dem Tor gar nicht aufgeräumt. Wir haben dort keine Zweikämpfe angenommen und dadurch auch relativ verdient 0:3 zurück gelegen.“

Was nun geschah ist zumindest für kritische Beobachter der Saison schon bemerkenswert. Am Anfang der Saison wäre die junge Mannschaft durch den zügigen 0:3 Rückstand wohl auseinander gebrochen. Aber diesmal war es anders. Konzentriert nutzte man die Chance der Pause, um die Defizite anzusprechen und auszuräumen. „In der Pause war in der Kabine dennoch eine gute Stimmung gewesen. Wir haben gewusst, was wir besser zu machen haben, um das Spiel zu drehen. Wir haben uns dann zurückgekämpft und Moral bewiesen.“ sagte dazu Tobias Rentzsch und ergänzte: „Jeder wusste, was wir besser zu machen haben und Jeder hat an sich gearbeitet an seinen Aufgaben. Und Jeder har versucht, seine Aufgaben richtig zu machen. Das hat dann weitestgehend geklappt. So waren wir auch als Team besser. Wir haben besseres Eishockey gespielt – die Pässe kamen an und das hat dann auch Spaß gemacht.“

Und so kam es denn auch. Neues Drittel – Neues Glück mochte man meinen, denn ebenso schnell wie Niesky zu Beginn zum ersten Treffer gekommen war so schnell verwandelte jetzt nur 18 Sekunden nach Anpfiff Florian Lüsch eine Chance zum 1:3 und sorgte damit für leichte Verwirrung bei den Gästen. Nun drehte sich das Spiel förmlich und Ivonne Schröder im Nieskyer Tor bekam nun genausoviel zu arbeiten, wie Louis-Vincent Albrecht im Chemnitzer Kasten zuvor.
Das Spiel wurde nun körperbetonter und emotionaler und bot somit den Zuschauern schon sehr viel. Niesky spürte den plötzlich aufkommenden Druck der Wild Boys und musste damit umgehen. Es wurde emotional auf dem Eis. Die körperbetonten Aktionen nahmen zu. Nun spürt man förmlich, wie das nächste Tor der Partie auf der Kelle lag – aber wem sollte das Glück hold sein? Chemnitz bestürmte nun Ivonne Schröders Tor, aber Niesky blieb dennoch hoch gefährlich.
In der 34. Minute erlöste schließlich Hannes Albrecht die Chemnitzer Fans und stellte damit den Anschlusstreffer her, dem nur eine halbe Minute später der Ausgleich durch Florian Lüsch folgte. Niesky war nun verständlicherweise verstört und auch die Torfrau zeigte nun Nerven. Die Partie wurde nun sehr hochwertig und beide Mannschaften zeigten sehr schönes, schnelles und sehenswertes Eishockey – sehr spannend und damit durchaus für das letzte Spiel der Hauptrunde würdig. Lange ging es nun auf diesem Niveau hin und her. Allein eine Minute vor Schluss gelang es Niesky, einen neuen Vorsprung aus einer kleinen Unaufmerksamkeit der Chemnitzer herauszuarbeiten. Tobias Rentzsch sagte dazu: „Das Tor kurz vor Schluss muss nicht sein. Es ist aus einem Missverständnis entstanden.“

Das letzte Drittel brachte nun alles, was Eishockey sehenswert macht. In der 44. Minute war der Torjubel der Chemnitzer in der ganzen Küchwaldhalle zu hören, jedoch der Schiedsrichter wollte das Tor nicht geben. So blieben die Chemnitzer weiter im Rückstand. Aber das Tor sollte fallen – es lag ganz klar in der Luft. Und in der 51. Minute war es dann Michal Vymazal, dem es gelang, den Puck in den Nieskyer Kasten zu schieben – wieder Gleichstand also.

Es folgte ein Gewühle vor dem Chemnitzer Tor mit der Konsequenz, dass die Tornados durch Marcel Linke erneut in Führung gehen konnten. Aber es war noch nicht vorbei. Chemnitz kämpfte überaus engagiert und dann kam eine doppelte Überzahl Florian Brenninger ganz recht, der wieder einmal den Ausgleich herstellte. Tobias Rentzsch sagte dazu: „Im letzten Drittel haben wir gut gekämpft und alle Zweikämpfe angenommen. Es war wieder ein Spiel für die Zuschauer gewesen.“

In den nun folgenden letzten vier Minuten brannte nicht nur die Luft in der Küchwaldhalle, sondern wohl auch das Eis. Beide Mannschaften lieferten sich einen sehr sehenswerten Fight um die drei Punkte. Tobias Rentzsch sagte dazu: „Im Zweikampf waren ganz schöne Bomben dabei gewesen. Das waren Checks, wo man nur hoffen konnte, dass der Spieler das gut überstanden hat. Es haben aber alle Spieler ohne Verletzungen überlebt.“

Beide Mannschaften agierten gleichwertig und so gingen beide Teams mit einem sicheren Punkt mit 5:5 in die Overtime. Hier zeigte sich dann der Chemnitzer Torwart Louis-Vincent Albrecht von seiner ganz starken Seite und parierte mehrere Angriffe sehr souverän – darunter auch seine beste Parade im Spiel, bei der er den Puck im Sitzen zwischen seinen Beinen sicherte.

Und wie es für ein solches letztes Spiel der Hauptrunde zu erwarten war, ging es natürlich endlich auch noch ins Penalty-Schiessen – eine Lotterie, die Niesky letztlich mit dem nötigen Fünkchen Glück mit einem finalen 5:6 für sich entscheiden konnte.

Quelle: Wild Boys Chemnitz

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