Energiearmut in Sachsen steigt

Die Energiewende bringt steigende Strompreise mit sich. Gerade für einkommensschwache Haushalte ist das oft eine unerträgliche Mehrbelastung. Das Schlagwort heißt Energiearmut. +++

Es ist so einfach. Ein Knopfdruck und das Licht geht an. Doch bei immer mehr sächsischen Haushalten bleibt es dunkel. Grund: Sie können ihre Stromrechnungen nicht mehr bezahlen. Laut einer Erhebung der Verbraucherzentrale Sachsen wurden im vergangenen Jahr rund 1,3 Millionen Mahnungen und 250.000 Sperrandrohungen verschickt. 21.600 Mal mündete der Zahlungsverzug in eine Stromsperre. Seit der Öffnung des Strommarktes 1998 hat sich der Strompreis faktisch verdoppelt, die Tendenz ist steigend. Dazu kommt die angestrebte Energiewende. Alles zu Lasten des kleinen Mannes.

Denn die müssen per Gesetz keine EEG-Umlage zahlen, der Verbraucher dagegen schon. In erster Linie Hartz IV-Empfänger sind von der zunehmenden Energiearmut betroffen. Der im Regelsatz enthaltene Anteil für „Wohnen, Energie und Instandhaltung“ deckt laut Verbraucherzentrale die anfallenden Stromkosten bei weitem nicht ab.

Mit jeder Mahnung kommen zudem neue Kosten hinzu. Nach spätestens 40 Tagen wird dann meist der Strom abgestellt. Und dann wird es richtig teuer. Die Sperre kostet nicht selten einen kompletten Hartz IV-Regelsatz. Deshalb ist es extrem wichtig, bereits vorher aktiv zu werden.

Eine Patentlösung für die grassierende Energiearmut gibt es laut Verbraucherzentrale nicht. Trotzdem fordert sie in erster Linie Politik und Stromversorger auf, zu handeln. Eine Anpassung des Hartz IV-Satzes, Abrechnungssysteme nach tatsächlich verbrauchten Kilowattstunden, eine Senkung der Stromsteuer sind nur einige Punkte auf der Liste. Am wichtigsten aber ist, dass der Verbraucher selbst aktiv wird – und zwar, bevor es zu spät ist.