Erneute Denkmalschändung

Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres wurde das Gedenken an die Opfer der Todesmärsche 1945 in der Kamenzer Straße 10 in Leipzig geschändet. Lesen Sie hier eine Mitteilung der Gruppe „Gedenkmarsch“:

Am 2. Mai 2010, zum 11. Gedenkmarsch zur Erinnerung an die Todesmärsche 1945 in Leipzig, wurden zwei Gedenkorte durch feste „Wegezeichen“ gekennzeichnet. Es handelt sich um die Gedenkorte Heiterblickstraße 26/28 und die Kamenzer Straße 10 in Leipzig. Nun ist zum zweiten mal ein Fall für die Polizei daraus geworden.

Denn am 23.08.2010 wurde zum ersten Mal bekannt, dass der Gedenkort Kamenzer Straße 10 durch noch unbekannte Täter geschändet worden ist. Wegezeichen und zugehörige Gedenktafel wurden entfernt und durch ein Haltestellenschild, kombiniert mit einem Panzerschild, ersetzt. Die Organisatoren des Gedenkmarsches halten aufgrund der eindeutigen Ersatzschilder einen politisch motivierten Hintergrund für sehr wahrscheinlich. Die Ermittlungen zu diesem Vorfall wurden nun laut Staatsanwaltschaft ergebnislos eingestellt.

Darauf hin wurde am 25. September das gestohlene Wegezeichen und die dazugehörige Gedenktafel, in Verbindung mit einer Kundgebung vor dem Gedenkort in der Kamenzer Straße, durch die Gruppe „Gedenkmarsch“ – Leipzig und den Bund der Antifaschisten e.V. – Leipzig, wieder errichtet. So soll die Erinnerung an das historisch Geschehene verbunden werden mit noch mehr Wachsamkeit gegenüber heutigen Tendenzen extremer Rechter.

In der Nacht zum Sonntag (10.10.2010) wurden in der Kamenzer Straße 10 zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit das Wegezeichen und die zugehörige Gedenktafel entfernt und so der Gedenkort geschändet. Anstelle des Wegezeichen und die zugehörige Gedenktafel wurden dieses Mal zwei Zeichen mit der Bezeichnung „ Buchenwald“ und „Stalingrad“ und die entsprechende Kilometerangabe angebracht. Damit die Reparatur nicht „reibungslos“ vonstatten gehen kann, wurden die Schellen und Schrauben mit Teer überzogen, so dass neben dem moralischen auch der materielle Schaden für den Verein ein größerer wurde. Die Befestigungsstange musste gekürzt werden und entspräche nun bei neuem Anbringen nicht mehr den gesetzlichen Vorschriften.

Angesichts der bevorstehenden Demonstrationen von Neonazis in Leipzig liegt die Vermutung nahe, dass dieser Vorfall gezielt initiiert wurde.

„Wir sagen: Jetzt erst recht! 16. Oktober in Leipzig – Wir werden uns solchem Geist widersetzen!“, so die Gruppe „Gedenkmarsch“.

Quelle: Gruppe „Gedenkmarsch“ beim BdA e.V – Leipzig