Ernst-Hirsch-Filme erstmals digital zugänglich

Dresden - Sachsen sichert zur Zeit sein audiovisuelles Erbe. Jetzt ist ein erster Meilenstein erreicht. Die historischen Film- und Tonaufnahmen von Ernst Hirsch können unter www.slubdd.de/hirsch erstmals online eingesehen werden. Dresden ist teils in Farbe vor der Zerstörung zu sehen, ebenso der Wiederaufbau. Die Filme zeigen die nicht erhaltene Sophienkirche, die Grundsteinlegung für den Kulturpalast sowie das neue Wohn- und Laden-Ensemble auf der Borsbergstraße 1959.

Pünktlich zum Welttag des audiovisuellen Erbes am 27. Oktober ist ein Meilenstein bei der Sicherung wertvoller sächsischer Film- und Tonaufnahmen erreicht. Erstmals sind historische Filme aus der Sammlung des Dresdner Filmemachers Ernst Hirsch digital zugänglich: www.slubdd.de/hirsch. Die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek hat diese gemeinsam mit dem Filmverband Sachsen im Rahmen des Programms zur Bewahrung des sächsischen audiovisuellen Erbes digitalisiert und aufbereitet.

Andrè Eckardt, Projektleiter an der SLUB: „Sachsen war zwar nie das Produktionsland glamouröser Kinofilme, aber in hiesigen Archiven, Museen und Sammlungen überwintern Filmrollen, aus denen auf besondere Weise das pralle Leben der Region in den letzten hundert Jahren schimmert: Amateuraufnahmen ermöglichen heute einen unvergleichlich lebendigen Zugang zu Orten, die es so nicht mehr gibt, und zu scheinbar marginalen, alltäglichen Begebenheiten, deren Wert und Tiefe uns erst heute mit einem zeitlichen Abstand bewusst wird. Ein unschätzbares Archiv solcher Rohdiamanten hat der Filmemacher, Kameramann und leidenschaftliche Filmsammler Ernst Hirsch in Dresden aufgebaut.“

Facettenreich berichten die überlieferten 16mm-Amateurfilmbilder aus Dresden und seiner Umgebung, zumeist film- und sujetverliebt, mitunter im Dienst politischer Propaganda. Die berühmte Stadtkulisse ist teilweise in Farbe vor der Kriegszerstörung zu sehen, ebenso wie ihr Wiederaufbau und ihre moderne Umwandlung danach. Der beeindruckende filmische Architekturrundgang reicht von der nicht erhaltenen Sophienkirche bis hin zur Grundsteinlegung für den Bau des Kulturpalastes und zum neuen, hell erstrahlenden Wohnhaus- und Laden-Ensemble auf der Borsbergstraße im Jahre 1959. Das quirlige Marktreiben vom „Bananen-Richter“ in der Friedrichstädter Markthalle 1934 ist fast zu riechen und – trotz stummer Aufnahmen – beinah lautstark zu hören. Aus anderen Filmbildern springt einen die ausgelassene, provokant-überdrehte Atmosphäre auf den Gauklerfesten der Kunststudent*innen an der HfBK Dresden 1957 förmlich an. Wiederholt entführen die Amateurfilmer in ihre private Lebensumwelt – unverstellter Alltag, den Kinofilme in dieser Art nicht vermitteln können.

Mit dem Programm zur „Sicherung des audio-visuellen Erbes in Sachsen“ bewahren die SLUB Dresden und der Filmverband Sachsen diese analogen Filmschätze, digitalisieren sie und machen sie der breiten Öffentlichkeit zugänglich. Zum Welttag des audiovisuellen Erbes gibt es nun die ersten 12 Filme aus dem Hirsch-Film-Archiv in der Digitalen SLUB-Mediathek. Die restlichen 38 Hirsch-Filme aus der Zeit zwischen 1928 und 1993 werden derzeit fertiggestellt.

Im August dieses Jahres fiel der Startschuss für das Arbeitsprogramm zur Bewahrung des sächsischen audiovisuellen Erbes. Kuratorisch bedeutsame Aufnahmen, die in Museen, Archiven, Bibliotheken und weiteren Sammlungen lagern, werden gesichtet, bewertet, digitalisiert, katalogisiert, gespeichert und der Öffentlichkeit rechtssicher zur Verfügung gestellt. Der Freistaat Sachsen fördert das Programm in diesem und im nächsten Jahr mit jeweils 350.000 Euro. „Viele Film- und Tonaufzeichnungen sind einmalige und unverzichtbare Zeugnisse unserer Geschichte mit großem Wert für die historische Erinnerung und unser kulturelles Gedächtnis – sie sind ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Erbes in Sachsen.“, betonte die sächsische Kunstministerin Dr. Eva-Maria Stange zum Auftakt.

Die an der SLUB angesiedelte Koordinierungsstelle „Sächsisches audio-visuelles Erbe“ arbeitet derzeit an der Digitalisierung von rund 500 weiteren historischen Film-, Video- und Tonbändern, die Anfang 2020 zugänglich gemacht werden. Darüber hinaus berät sie kleinere Einrichtungen, vermittelt zwischen Produzenten, Eigentümern und Rechteinhabern. Auch Anregungen und Vorschläge aus der Bevölkerung sind willkommen, denn Film- und Tonaufnahmen aus privaten Haushalten gehören ebenso zum sächsischen Kulturerbe. Interessierte Bürger*innen können sich direkt bei der Koordinierungsstelle melden (Andre.Eckardt@slub-dresden.de, Tel.: +49 351 4677-499).

© Hirsch-Film Dresden
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